Lancia Y-Reihe Billiger Kleinwagen für unerschütterliche Fatalisten

Y10-Besitzer sind Überzeugungstäter. Muss man aber auch sein. Denn anders könnte man die vielen Kleinigkeiten, die den Alltag mit dem italienischen Kleinwagen vermiesen, kaum aushalten. Einen einzigen Vorteil hat das Auto: Jede einzelne der unzähligen Reparaturen ist vergleichsweise billig.

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Berlin - Historiker, die eines Tages der Frage auf den Grund gehen, welche Fehlentscheidungen im Management zum Niedergang der italienischen Fiat-Tochter Lancia führten, werden auch den Kleinwagen Y 10 als einen der Pflastersteine auf dem Weg dahin beschreiben. Kaum Beschleunigung, teigige Gangschaltung, anfällige Elektrik - das alles offerierte die einst für ihre Noblesse und Avantgarde berühmte Traditionsmarke für kleines Geld. Lästermäuler rieten, den Kleinstwagen nach einer Regenfahrt einmal in die Garage zu stellen und ganz leise zu sein, dann könne man hören, wie das Blech beim Rosten knistert.

Das ist natürlich gemein und überaus ungerecht. Immerhin existieren heute noch einige Exemplare des bis 2003 gebauten Wägelchens. Doch man sollte schon Liebhaber sein, um den Alltag mit ihm auszuhalten. Aber das sind die meisten Y10-Besitzer ohnehin. Sie berichten in Foren im Internet ohne Groll von Mängeln, die Besitzer einer A-Klasse von Mercedes, oder eines VW Polo zu wütenden Attacken auf den jeweiligen Hersteller anstacheln würden.

Auspuff, Kühlwasser, Bremsen und vieles mehr

Zu typischen Mängeln zählt der ADAC gebrochene Auspuffanlagen, Undichtigkeiten im Kühlwasserkreislauf, schlechte Bremswirkung und starke Korrosion bei allen Baujahren. Gerissene Zahnriemen, kaputte Zylinderkopfdichtungen sowie gestörte Zündanlagen und feuchte Zündkerzen machten bei 1996 und 1997 gebauten Exemplaren des Y Probleme. Rückrufe gab es wegen mangelhafter Bremskraftverstärker (1997), Zündproblemen (1998) und einem möglichen Ausfall der Kraftstoffpumpe (2001). Noch Fragen?

Der rundlichere und etwas geräumigere Y kam 1995 als Nachfolger des eher kastenförmigen Y10 auf den Markt. Bis zum Produktionsende 2003 rollte der Wagen mit dem damals gewagten Design, das allerdings fast nur in Italien Freunde fand, ausschließlich als Steilheck-Dreitürer vom Band. Auch beim Nachfolger spielte Lancia wieder mit dem vorletzten Buchstaben des Alphabets und nannte ihn Ypsilon.

Wie es häufig im Kleinwagensegment der Fall ist, gibt es den Y nicht mit Dieselmotor. Die Benziner leisten je nach Baujahr (ab 1999) zwischen 60 PS und 85 PS. Durch die Bank handelt es sich um Vierzylinder-Ottomotoren.

Bestand geht stark zurück

Während die älteren Y10 in einer kleinen Fan-Gemeinde bereits eine Art Kultstatus genießen und gut erhaltene Exemplare inzwischen jedenfalls nicht mehr an Wert verlieren, geht der Ypsilon noch als schlichter Gebrauchtwagen durch. Das meiste Geld auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird man laut der Schwacke-Liste beim Kauf eines Y 1.2 16V LX mit 80 PS von 2003 mit rund 3400 Euro los. Drei Jahre älter kostet dieses Modell rund 1000 Euro weniger. Günstigster Y ist die Ausführung 1.2 LS von 1999 mit 60 PS: 1500 Euro vermerkt Schwacke dafür. Eines der mit 85 PS leistungsstärksten Exemplare, etwa der Y 1.2 16 V von 2000, schlägt demnach noch mit rund 2150 Euro zu Buche.

Wer sich mit der eigenwilligen Optik anfreunden kann und die täglichen Unwägbarkeiten des Fortkommens nicht scheut, ist mit dem Kauf noch nicht einmal schlecht beraten. Denn Reparaturen, etwa der Austausch der Zylinderkopfdichtung oder Schweißarbeiten sorgen derzeit noch dafür, dass die Autos häufig beim Schrotthändler landen. Das aber dezimiert den Bestand so stark, dass die verbleibenden Exemplare durchaus schon bald einen Exotenstatus erlangen dürften, der auch bei dieser Baureihe für eine gewisse Wertstabilität sorgt.

Neben dem geringen Preisniveau dürfte ein weiterer Aspekt für die Kaufentscheidung von Bedeutung sein, zumindest für diejenigen, die einmal selbst Hand anlegen wollen: Die schlichte technische Ausstattung macht das kleine Auto auch für Anfänger geeignet - und die Übung stellt sich dann schon von ganz alleine ein, wegen der Vielzahl der Defekte.



insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
axelkli 15.04.2011
1. Mini-Avantgarde
eine Freundin hatte mal einen Y10 mit Facelift, also dem trapezähnlichen Lancia-Kühlergrill und Stufenlosem Automatikgetriebe. Bei nur 60 PS war der Wagen nicht gerade übermotorisiert. Aber welcher Kleinwagen hatte in den 90ern schon Alcantara-Sitzbezüge und eine Klimaanlage? War wirklich ein netter Wagen.
axelkli 15.04.2011
2. Ps
Zitat von axelklieine Freundin hatte mal einen Y10 mit Facelift, also dem trapezähnlichen Lancia-Kühlergrill und Stufenlosem Automatikgetriebe. Bei nur 60 PS war der Wagen nicht gerade übermotorisiert. Aber welcher Kleinwagen hatte in den 90ern schon Alcantara-Sitzbezüge und eine Klimaanlage? War wirklich ein netter Wagen.
Gab es den nicht auch mal unter der Marke Autobianchi?
y10gt 15.04.2011
3. ist es , ist es nicht?
das ist mal wieder einer dieser auto artikel, die wohl dazu dienen sollen, um einfach einen artikel zu schreiben , der ausser buchstaben nichts an aussagekraft hat. und ich dachte erst herr pander hat wieder seine finger im spiel.... von kenntnis rede ich hier mal gar nicht und das hat nichts damit zu tun , dass ich so einen hatte und habe . die adac pannenmerkmale treffen auch auf andere zu... der motor des y10 von 86-95 ist in der mehrheit ein fire motor der auch im panda, punto, uno, seicento und cinquecento bis heute mit diversen veränderungen gebaut wird. wenn der zahnriemen reisst ist es wurscht da , ausser 1,4 , alles freiläufer sind und das auto dann einfach ausgeht. zkd, zündelektrik und restliche verbraucher unterliegen wie die von anderen autos wartungsbedürfnissen , die bei kleinwagen generell eine sache des nicht vorhandenen geldbeutels sind und insofern meistens nicht oder nur unzureichend gepflegt sind. eigentlich ist der y10 eine autobianchi entwicklung und nur aus marketinggründen anach deren abwicklung ´85 ein lancia geworden.
Matschas50 15.04.2011
4. Ganz zufrieden
Ich hatte beide. Y10 und den Nachfolger. Und mit beiden war ich zufrieden. Mängel der Art, wie im Artikel aufgeführt, hatte ich nicht. Allerdings habe ich mich auch um beide Autos gekümmert. Ein bißchen Pflege kann schließlich nicht schaden.
fluxkompensator, 15.04.2011
5. Gääähn
Das ist ja was ganz Neues: Italienischer Wagen hat also kleine, aber irgendwie sympathische Macken. Das habe ich schon gefühlte 187 Mal gelesen. Tipp an den (Nachwuchs?) Redakteur: Wie heißt es so schön? Eine gute Reportege lautet nicht: "Hund beißt Briefträger", sondern "Briefträger beißt Hund". Also nochmal hinsetzen und Artikel umschreiben!! P.S. Hatte selber mal einen Lancia. Billig gekauft, Alcantara, alles schicki, viel PS, ein echter Hingucker. Keine Macken, auch keine sympathischen.
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