Land Rover Freelander Flucht nach oben

Was soll man an einem Auto verändern, das in der Klasse der Freizeit-Offroader seit 1997 zu den meistverkauften in Europa zählt? Am besten wenig bis gar nichts. Entsprechend behutsam ging Land Rover an die Überarbeitung seines Freelander.

Von Frank Wald


Mehr Komfort und Luxus im Gelände: Der neue Land Rover Freelander

Mehr Komfort und Luxus im Gelände: Der neue Land Rover Freelander

Vom Start weg war der kompakte Offroader der beliebteste SUV in Europa, führte viele Jahre die nationalen Zulassungsstatistiken der meisten Länder, darunter auch Deutschland, an. Erst 2002 musste er die europäische Spitzenposition an den Toyota RAV4 abtreten. Insgesamt hat Land Rover bisher weltweit 370.000 Freelander verkauft.

Inzwischen fährt der Freelander vielen Wettbewerbern entgegen. Immer mehr Hersteller und neue Modelle drängeln sich auf dem Terrain der kompakten Allradler. Deshalb tritt der britische Geländewagen-Spezialist Land Rover die Flucht nach oben an und beansprucht für die Neuauflage die Premium-Rolle im Segment. "Unser Ziel für den neuen Freelander war die Herausstellung des Premiumcharakters", sagt Land-Rover-Geschäftsführer Matthew Taylor. Dem "unbestrittenen König unter den kompakten Off-Roadern" wurden dazu die Insignien des luxuriösen Topmodells Range Rover verliehen. Am besten zu sehen an den neuen Klarglas-Doppelscheinwerfern, die außerdem noch eine um 70 Prozent höhere Lichtausbeute bringen sollen. Kosmetische Retuschen finden sich an den Frontstoßfängern, statt schwarz jetzt in Wagenfarbe lackiert und in einigen Varianten mit integrierten Nebelscheinwerfern bestückt. Auch der Heckstoßfänger wurde neu gestaltet und die Rückleuchten zur besseren Sichtbarkeit weiter oben platziert. Erstmals gibt es gegen Aufpreis eine Park Distance Control.

Fahrzeugschein
Hersteller: Land Rover
Typ: Freelander Td4
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.951 ccm
Leistung: 112 PS (82 kW)
Drehmoment: 260 Nm
Von 0 auf 100: 13,6 s
Höchstgeschw.: 164 km/h
Verbrauch (ECE): 7,6 Liter
CO2-Ausstoß: 201 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 546 Liter
umgebaut: 1.319 Liter
Preis: 23.900 EUR
Dem Anspruch nach mehr Komfort und Luxus folgte auch die Neugestaltung des Innenraums. "Dort, wo unsere Kunden die meiste Zeit verbringen, ließ sich einiges verbessern", sagt Matthew Taylor. Auf den ersten Blick trifft das durchaus zu. Der zweifarbig unterteilte Armaturenträger spiegelt mit seinen horizontalen und vertikalen Linien und Flächen die Anmutung des neuen Range Rover wieder. Unterstützt wird dieser Effekt durch hochwertig erscheinende Blenden in neuer Mittelkonsole, Instrumententafel und den Türen, die sich allerdings bei genauerem Hinsehen und Anfassen als Kunststoff in Alu-Optik entpuppen.

Auch manche Fugen und Übergänge im Cockpit ließen es beim ersten Test an Passgenauigkeit vermissen. Nichts zu meckern gibt es an den bequemen Sitzen, die ausreichend Seitenhalt und Beinauflage bieten, und je nach Ausführung in Stoff, Alcantara oder Leder zur Auswahl stehen. In der Höhe verstellbar sind sie aber leider immer noch nicht. Weitere Detail-Aufwertungen: Die elektrischen Fensterheber wanderten beim Fünftürer von der Mittelkonsole in die Türverkleidung. Das Standard-Audiosystem besteht aus Radio-CD-Player mit sechs Lautsprechern, bei den Topmodellen auch mit Sechsfach-Wechsler von Harmon Kardon. Ein Navigationssystem gibt's gegen Aufpreis. Und endlich, ein Beifahrerairbag ist jetzt in allen Versionen Serie.

Technisch blieb der neue Freelander hingegen nahezu unverändert. Als Dreitürer mit Hard- oder Softback sowie als Fünftürer wird er auch künftig mit den drei bekannten Motorisierungen als Einstiegsversion mit 1,8-Liter-Benziner (117 PS), mit dem 177 PS starken 2,5-Liter V6-Triebwerk oder dem 2,0-Liter Turbodiesel Td4 (112 PS) zu haben sein. Wobei Letzterer von mehr als die Hälfte der europäischen Kunden geordert wurde. Zu Recht, wie wir erneut feststellen durften. Der Selbstzünder überzeugt sowohl auf der Straße wie im Gelände mit gehörigem Durchzug und ausgezeichneter Laufruhe.

Technisch nahezu unverändert: Die Hälfte der Kunden bevorzugen die Diesel-Version des Freelander

Technisch nahezu unverändert: Die Hälfte der Kunden bevorzugen die Diesel-Version des Freelander

Unverändert gut ist auch die Geländegängigkeit des Freelanders - auch wenn die meisten Freelander-Besitzer diese niemals erfahren werden oder wollen. Die kämen aus dem Staunen nicht heraus, wozu ihr Auto in der Lage ist. Permanenter Allradantrieb sowie allerlei narrensichere elektronische Helferchen wie Bergabfahrhilfe oder Traktionskontrolle sorgen dafür, dass selbst Fahrer, die noch nie was von Sperrdifferenzial oder starrem Durchtrieb gehört haben, Schotter- und Schlammpisten, schlüpfrige Steigungen oder Gefälle sowie Wasserdurchfahrten spielend bewältigen. Offroad-Qualitäten, die in Kombination mit der hohen Sitzposition dem Fahrer aber auch onroad bei starkem Regen, plötzlichem Schneefall oder verdreckten Fahrbahnen zugute kommen.

Für den bevorzugten Einsatz auf der Straße ergänzt Land Rover das Modellprogramm um eine Freelander Sport-Version. Der "wendigste und sportlichste Land Rover aller Zeiten" zeichnet sich durch ein besonders straffes Fahrwerk sowie drei Zentimeter weniger Bodenfreiheit aus. Passend zum tiefer gelegten Fahrwerk gibt es 18-Zoll-Leichtmetallräder mit Niederprofilreifen der Dimension 235/50. Damit zeigt der Freelander deutlich weniger Neige- und Wankneigung und eilt fast wie ein Pkw durch die Kurven.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.