Autogramm Land-Rover Range Rover Velar Schönheit geht vor Allrad 

Als neues Modell Velar wird der Range Rover vollends zum Designer-SUV. Stil und Multimedia-Ausstattung zählen mehr als Offroad-Kompetenzen. Ziemlich modern gedacht - wenn da nicht der Antrieb wäre.

Land Rover

Der erste Eindruck: Historie trifft Zukunft. Der Velar ist auf Anhieb als Range Rover zu erkennen und wirkt trotzdem knackfrisch. So schnörkellos sah bislang noch kein Geländewagen aus.

Das sagt der Hersteller: Auf zu neuen Ufern, sagt Land-Rover-Designchef Gerry McGovern. Anders als seine Berufskollegen bei den deutschen Nobelmarken hat er die Lücke zwischen Evoque und Range Rover Sport nicht einfach mit dem nächsten SUV-Klon gestopft, sondern tatsächlich ein neues Auto gezeichnet. "Damit schlagen wir das nächste Kapitel für Range Rover auf", sagt McGovern. Nicht nachahmen, sondern vorausgehen, laute die Devise. Nur in einem Detail wenden die Briten den Blick zurück, und zwar zurück bis zu den Anfängen. Beim Namen. Denn Velar war der Tarnname, unter dem vor knapp 50 Jahren die Entwicklung des ersten Range Rovers begann. "So wie wir damals das Segment durcheinander gewirbelt haben, wollen wir es jetzt wieder tun", sagt McGovern.

Das ist uns aufgefallen: Der Velar ist mit einer absolut schnörkellosen Karosserie erfrischend anders. Dazu tragen auch die Dekorelemente bei, die statt aus Chrom oder Karbon aus Kupfer sind. Innen überrascht er vor allem mit einem Hightech-Ambiente und einer Bildschirmlandschaft, die Konkurrenten wie Mercedes GLC, BMW X3 oder Audi Q5 alt und gewöhnlich aussehen lassen. Einzig Volvo kann mit XC60 und XC90 im Sinne der Andersartigkeit mithalten.

Jürgen Pander

Was den Velar einzigartig macht, sind drei riesige Displays, von denen eines brillanter funkelt als das andere. Hinter dem Lenkrad ersetzt es die klassischen Instrumente, in der oberen Hälfte der Mittelkonsole kippt nach dem Anlassen ein überbreiter Touchscreen für Navi und Co. in die Blickachse; und statt eines Heers von Tasten und Knöpfen prangt weiter unten auf dem Mitteltunnel, in griffgünstiger Schräglage, ein weiterer Bildschirm. Selbst das Head-up-Display kann mehr als bei der Konkurrenz, weil es im Gelände auch die Stellung der Räder und die Neigung des Fahrzeugs in jede Richtung anzeigt.

Die wenigen Schalter, die den Touchscreens zum Trotz erhalten blieben, sind umso schöner und smarter. Die beinahe klassischen Drehregler für Klima und Co. zum Beispiel wechseln mit dem jeweiligen Kontext die Belegung, ändern mal die Lautstärke und mal den Luftzug, und die beiden Bedieninseln am Lenkrad sind Handschmeichler, die ebenfalls mit Sensoren statt Tastern arbeiten. Umso altbackener sehen die Schalter in den Türen aus, die verdächtig an Lego erinnern. Und auch der angesichts des schlanken Autos reichlich klobige Zündschlüssel wirkt irgendwie von gestern.

Anders als die SUVs von Volvo, nimmt sich der Velar allerdings nicht vornehm zurück, sondern spielt sich mit all seinen Fähigkeiten in den Vordergrund. Das merkt man spätestens, wenn man die Fahrmodi durchschaltet und reichlich selbstverliebte Velar-Grafiken über den Bildschirm flimmern. Das mag albern oder eingebildet wirken, ist jedoch sinnvoll. Denn trotz aller Mode kann der Velar auch Matsch und ist auch für Offroad-Aktionen gerüstet. Und wie bei Land Rover üblich, gibt es für jedes Terrain ein spezielles Programm, das sich mittels Luftfederung und Offroad-Assistenzsystemen weiter anpassen kann. Und damit man dabei die Orientierung nicht verliert, können ein paar detaillierte Grafiken nicht schaden.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Range Rover Velar - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Als vierte Baureihe bei Range Rover sitzt der ab sofort lieferbare Velar in der Lücke zwischen Evoque und Range Rover Sport. Das gilt für den Grundpreis von 56.400 Euro (rund 20.000 Euro über dem Evoque und 6000 Euro unter dem Sport) genauso wie für die Länge von 4,80 Metern (zum Vergleich: der Evoque misst 4,37, der Range Rover Sport 4,85 Meter). Außerdem gilt es für das Platzangebot im Innen- und Kofferraum (673 bis 1731 Liter).

So fortschrittlich das strömungsgünstigste Land-Rover-Design in der bisherigen Firmengeschichte und das bis dato raffinierteste Bedienkonzept wirken, so altbacken ist der Antrieb. Zwar sind Plattform und Motoren neu, denn im Grunde ist der Velar ein frisch eingekleideter Jaguar F-Pace. Die Assistenzsysteme sind auf der Höhe der Zeit und speziell im Gelände eine große Hilfe. Doch es fehlt ein zukunftsträchtiger Antrieb. Weil Land Rover erst bei den Neuheiten nach 2019 auch mit Hybrid- oder E-Antrieb plant, muss der Velar mit drei Diesel-Motorisierungen und zwei Benzinern konventioneller Machart auskommen. Sie haben 2,0 oder 3,0 Liter Hubraum, vier oder sechs Zylinder und leisten zwischen 180 und 380 PS.

Das werden wir nicht vergessen: Die eigenwilligen Griffe des Velar, die Gerry McGovern allein deshalb in den Türen versenken ließ, um die sauberen Flächen nicht zu stören. Sie machen sich ganz klein, verschwinden bündig in der Karosserie und kommen erst dann hervor, wenn man sich mit Zündschlüssel dem Wagen nähert. Dann allerdings sehen sie so robust aus, als könne man den ganzen Velar daran aufhängen - und schlagen so einmal mehr die Brücke zwischen Form und Funktionalität.

Fahrzeugschein
Hersteller: Land Rover
Typ: Range Rover Velar
Karosserie: SUV
Motor: Sechszylinder-Kompressor-Benziner
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.995 ccm
Leistung: 380 PS (279 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 5,7 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,4 Liter
CO2-Ausstoß: 214 g/km
Kofferraum: 673 Liter
umgebaut: 1.731 Liter
Gewicht: 1.884 kg
Maße: 4802 / 2032 / 1665
Preis: 67.100 EUR


insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
Flachzwilling 15.08.2017
1. Und wo kommt jetzt Schönheit vor Allrad?
Mich beschleicht in letzter Zeit häufiger das Gefühl, der Überschriftenschreiber wäre ein anderer als der Autor und müsste nicht unbedingt den Text gelesen haben. Die Überschrift "Schönheit kommt vor Allrad" wird im Text nicht aufgegriffen, der Velar scheint mit beidem ausreichend ausgestattet zu sein.
mazzmazz 15.08.2017
2. Irritirert
Ok, DAS ist ein SUV den ich mir vorstellen kann, zu kaufen! Das reduzierte Design ist irre, der Innenraum super gemacht und technisch ist das Auto auch fein mit dem schönen V6 Turbo. Auch dir Fahrzeuggrösse im Bereich eines Mittelklassekombis ist ok. Mal sehfn, ausprobieren werde ich ihn demnächst.
frank57 15.08.2017
3. Tolles Auto!
Wieviel CO2 kommt da raus, wenn man 10 Liter Benzin verbrennt?
warum_nicht? 15.08.2017
4. Türgriffe
Die versenkten Türgriffe finden sich ja an diversen Fahrzeugen wie Jaguar, Aston Martin, Tesla,... Kommen die denn im Falle eines Unfalles aus der Versenkung, um Rettern das Öffnen der Türen zu ermöglichen?
Kompromiss 15.08.2017
5. Netter Werbeartikel
Der Wagen ist vom Außendesign her Klasse. Aber Touchscreens gehören nicht in ein nicht autonom fahrendes Auto. Es ist schlicht zu unsicher, wenn die Augen ständig den Straßenverkehr verlassen müssen. Außerdem wurde mir vielfach erzählt, dass das Look & Feel des Range Rover Entertainmentsystems sehr schlecht sein soll. In Fahrzeugen in denen das Entertainmentsystem aber immer mehr an Bedeutung gewinnt, erwarte ich deren Test als Standard. Ja, es ist ein weiterer SUV. Ja, er wird zuviel verbrauchen. Trotzdem ist er chic und zeigt den anderen Autoherstellern, wie gutes Design aussehen kann.
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