Lexus LS 430 Luxus ist, wenn's keiner merkt

Der Motor ist ein Gedicht, der Fahrkomfort exzellent, die Sicherheitsausrüstung komplett, und an Bord strotzt es nur so vor Luxus. Und doch fehlt auch dem neuen Lexus-Flaggschiff LS 430, das am 21. November beim Händler steht, ein wesentliches Oberklasse-Feature: Image.

Von Frank Wald


Bei Mercedes abgekupfert: Toyotas Lexus LS230

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In der Riege der deutschen Luxusklasse bekommt Lexus nach wie vor kein Rad auf den Boden. Seit der Einführung auf dem deutschen Markt halten sich die Verkäufe zwischen 250 und 500 stabil. Ganz anders im Rest der Welt, vor allem in den USA, wo Toyotas Edel-Tochter einen guten Klang hat und pro Jahr 20.000 seiner Edelkarossen absetzt. Auch dank der amerikanischen Vorliebe für klobig-barocke Formen. Denn auch beim Design hakt es nach wie vor für europäische Augen. Trotz einiger gefälligeren Modifikationen vorn und hinten wirkt die Fünf-Meter-Karosse auch in der Neuauflage leicht träge und schwerfällig. Noch dazu haben die Japaner keine Scham, bei Mercedes abzukupfern, wie an Geometrie des kantigen Heckdeckels und der eingezogenen Rückleuchten oder der konturierten Front mit den trapezförmigen Scheinwerfern zu sehen ist.

So kann Lexus-Produktmanager Filippo Bellanti also nur erneut als Zielgruppe die Individualisten unter den deutschen Oberklasse-Käufern nennen, die "frei genug sind, sich den Luxus der Non-Konformität zu gönnen". Wer so frei ist und noch 72.000 Euro dazu auf den Verkaufstisch legt, wird dafür im neuen LS 430 mit allerlei technischen Raffinessen umgarnt, für die er bei deutschen Wettbewerbern noch mal tief in die Tasche greifen muss. Der Motor blieb unverändert, weil es an dem 283 PS (208 kW) starken V8-Zylinder auch nichts zu verbessern gab. Das 4,3-Liter-Aggregat erledigt so unaufdringlich seine Arbeit, dass man immer wieder genau hinhören muss, um es überhaupt wahrzunehmen.

Ausstattung mit Willkommen-Zuhause-Gefühl: Das Lexus-Flaggschiff wird einer Menge Extras geliefert

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Neu ist das Sechsstufen-Automatikgetriebe, das ebenso erstaunlich sanft und unmerklich das maximale Drehmoment von 417 Newtonmeter an die Hinterräder überträgt. Verbessert wurde ebenfalls das Fahrwerk durch eine straffere Grundabstimmung und verfeinerte Dämpferwirkung. Hinzu kommt außerdem eine elektronische Luftfederung mit zwei per Knopfdruck auszulösenden Schaltprogrammen (Comfort /Sport). Sie sorgt mit einer Vielzahl von Sensoren dafür, dass sowohl Roll- und Wankneigung der Karosserie wie auch das Eintauchen beim Bremsen oder Beschleunigen verringert werden und so der Wagen deutlich stabiler läuft. Mehr Fahrstabilität brachten auch aerodynamische Feinarbeiten an Aufbau und Unterboden, mit denen größere Bodenhaftung und stärkerer Abtrieb bei hohen Geschwindigkeiten erreicht wurden. Während der Fahrt ist das deutlich zu spüren, der knapp zwei Tonnen schwere Wagen bleibt sicher auf Kurs und ist mühelos zu manövrieren. Woran auch die präzise Lenkung ihren Anteil hat.

Was unterwegs beeindruckt, ist die Leichtigkeit, mit der es in dem flüsternden Riesen vorwärts geht. In 6,3 Sekunden sind 100 km/h erreicht, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 250 km/h angegeben. Und auch bei schneller Fahrt dringen dabei kaum Windgeräusche ins Innere der strömungsgünstigsten Serienlimousine (cW-Wert: 0,26) der Welt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Lexus
Typ: LS 430
Karosserie: Limousine
Motor: V8 -Benziner
Hubraum: 4.293 ccm
Leistung: 283 PS (208 kW)
Drehmoment: 417 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 11,4 Liter
CO2-Ausstoß: 270 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 570 Liter
Versicherung: 33 (HP) / 40 (TK) / 23 (VK)
Preis: 72.000 EUR
Nicht nur die Akustik, auch die Ausstattung sorgt fürs Willkommen-Zuhause-Gefühl. Der LS 430 ist serienmäßig mit allem ausgerüstet, was das Fahren komfortabel und sicher macht. Die bequemen Sessel sind mit weichem Leder bezogen. Auf allen Plätzen gibt es große Bewegungsfreiheit. Hochwertige Materialien, passgenaue Verarbeitung und üppig verbautes Walnussholz verströmen Nobel-Ambiente. Dazu gibt es weitere Annehmlichkeiten wie beispielsweise die Klimaautomatik mit oszillierenden Lüftungsdüsen, elektrische Komfortfeatures jeder Art, automatische Aktivierung der Scheinwerfer und Scheibenwischer, Tempomat, Abstandswarner (optional auch mit Rückfahrkamera im hinteren Kennzeichenhalter, die das Bild auf das Mittel-Display projiziert, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird) sowie das mitlenkende Kurvenlicht mit Xenon-Leuchten und Nebelscheinwerfer.

Am besten sitzt es sich übrigens hinten, besonders in der Version President Line (8300 Euro), die über elektrisch einstellbare Rücksitze mit integrierter Massagefunktion in den Lehnen verfügt, die ebenso über ein Bediendisplay in der Mittelarmlehne einzustellen sind wie das Mark Levinson High-End-Soundsystem und die separate Klimaautomatik. Hinzu kommen in dieser Ausstattung noch ein Navigationssystem mit Touchscreen-Farbmonitor sowie integrierte Sonnenrollos in den hinteren Seitenfenstern.

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Da bleibt am Ende nicht mehr viel für die Optionsliste. Auf der stehen ein Audio-Navigationspaket mit Sprachsteuerung und Touchscreen-Multivisiondisplay, Bluetooth-Schnittstelle inklusive Video-Parkassistent mit Heckkamera (4700 Euro) sowie ein Glasschiebe-Hubdach (1300 Euro). Und die Metallic-Farben für 900 Euro, weil der LS 430 nach wie vor ab Werk nur in Schwarz zu haben ist.

Im Lexus LS 430 sitzt es sich aber nicht nur bequem, sondern auch sicher wie in Abrahams Schoß. Unabhängig von den Ausstattungen sorgen zweistufig auslösende Frontairbags, Side- und Windowbags sowie, eine Weltneuheit, Knieairbags für Fahrer und Beifahrer, die nicht nur die Beine schützen, sondern auch ein Abtauchen unter die Gurte verhindern sollen, für serienmäßige Sicherheit. Dazu die aktiven Systeme wie ABS, VSC (ESP), Bremsassistent, Antriebsschlupfregelung oder aktive Kopfstützen. Und auch eine elektronische Reifenluftdruck-Überwachung ist in den 18-Zoll-Leichtmetallräder verbaut.

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