Lotus Elise Verzicht macht Spaß

Leichte Karosserie, kleiner Motor - was die großen Hersteller erst allmählich als Zauberformel für mehr Emotionen und weniger Emissionen entdecken, gelingt Lotus schon lange. Das neue Elise-Basismodell des Sportwagenherstellers treibt das Prinzip jetzt auf die Spitze.


Karbon, Titan, Keramik - wenn Sportwagenhersteller das Prinzip Leichtbau konsequent durchsetzen, wird es richtig teuer. Der gerade enthüllte Audi R8 GT zum Beispiel wird vom Hersteller als "Extrem des Leichtbaus" gefeiert, weil die Ingenieure gegenüber dem Serienmodell zwei Zentner eingespart und das Gewicht so auf 1525 Kilogramm gedrückt haben. Allerdings treibt das auch den Preis in die Höhe: 193.000 Euro statt sonst 151.800 Euro verlangt Audi für den auf 333 Exemplare limitierten Supersportwagen.

Dass es auch ganz anders geht, zeigt seit jeher der britische Kleinserienhersteller Lotus. Aushängeschild in Sachen Leichtbau und Sportlichkeit ist der Roadster Elise. Wie beim Audi R8 besteht der Rahmen des Autos aus Aluminiumprofilen, doch während Audi auch die Karosserie aus Alu fertigt, nehmen die Briten billigen Kunststoff. Und im spartanischen Innenraum des Lotus herrscht die Philosophie des radikalen Verzichts: Was man gar nicht erst einbaut, drückt auch nicht auf die Waage. Also muss man die Sitze von Hand verstellen, die Füße auf blankem Aluminium ausstrecken und das fummelige Stoffverdeck wie ein Zelt mühsam von Hand aufspannen. Dafür wiegt der Lotus Elise nur 876 Kilogramm und ist mit einem Grundpreis von 37.449 Euro auch an der Kasse eher ein Leichtgewicht.

Zum neuen Modelljahr wurde die Gewichtseinsparung noch einmal radikal verschärft. Statt des bisherigen 1,8-Liter-Vierzylinders steckt im Heck des Basismodells nun ein 1,6-Liter-Motor, den Lotus bei Toyota einkauft und ein bisschen frisiert. Danach dreht der Motor deutlich höher und klingt viel aggressiver - hat aber mit 136 PS für einen echten Sportwagen vergleichsweise wenig Leistung. Dafür freut sich der Lotus-Fahrer an der Tankstelle: Mit 6,3 Litern verbraucht das Auto zumindest im Normzyklus so viel wie manch ein Kompaktwagen.

Bescheidene Daten, aber sehr viel dahinter

Die erste Ausfahrt mit dem neuen Modell macht schon nach wenigen Metern deutlich: Trotz der vergleichsweise mickrigen Leistungsdaten ist der Lotus ein waschechter Sportwagen. Der Vierzylinder ist drehfreudig, 160 Nm Drehmoment reichen dem Leichtgewicht für eindrucksvolle Sprints. 6,5 Sekunden braucht der Lotus Elise bis Tempo 100 und läuft danach locker weiter bis 204 km/h. In Relation zu Sportwagen von Porsche, Audi oder Lamborghini gilt das zwar allenfalls als Warm-up. Doch im Lotus Elise mit einem winzigen Airbag im handlichen Sportlenkrad und einem Sicherheitsgurt als einzige nennenswerte Sicherheitsausstattung, reicht das vollkommen.

Außerdem ist es gar nicht so sehr die Raserei auf der linken Spur, bei der das Auto den Adrenalinausstoß anregt. Wirklich Spaß macht der Lotus Elise auf einer fein in die Landschaft geschmiegten Straße oder der Rennstrecke. Direkt, kompromisslos und ohne Servounterstützung reagiert das Auto auf jede Lenkbewegung und vermittelt das, was wohl gemeint sein muss, wenn andernorts das Marketingvolk von Fahrdynamik und dergleichen schwadroniert.

14 Jahre Lotus Elise, und noch immer ist das Konzept unerreicht

Obwohl das Auto bereits seit 14 Jahren am Start ist, zieht es offenbar noch immer. Rund 30.000 Exemplare wurden bislang verkauft, und auch wenn die Briten mit Blick auf die flaue Wirtschaftslage und den Start des neuen 2+2-Sitzers Evora die Fertigung zuletzt auf 1625 Einheiten pro Jahr gedrosselt haben, war noch jedes zweite verkaufte Modell der Marke ein Lotus Elise. In Deutschland ist der Anteil noch höher: Lotus setzte im vergangenen Jahr 107 Fahrzeuge hierzulande ab - und gut 60 davon waren Elise-Modelle. Eventuell beflügelte auch die Rückkehr in die Formel 1 die Verkaufszahlen.

Ein komplett neues Modell wird frühestens im Jahr 2012 fertig sein. Bis dahin bringen sich die Lotus-Ingenieure vor allem als Entwicklungsdienstleister ins Gespräch. Zum Beispiel mit einer Studie des Toyota Minivans Venza für das Jahr 2020, den sie unter anderem mit neuen Materialien und neuen Fertigungstechniken um rund ein Drittel abgespeckt haben. Leichtbau funktioniert also auch bei Familienautos. Und zwar zu familienfreundlichen Preisen. Denn um jene 33 Prozent Gewichtseinsparung zu erzielen, würden laut Lotus die Fertigungskosten um lediglich drei Prozent steigen.

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ivanogor 17.05.2010
1. lahme Kiste
Jeder hochkarätige Sportwagen ala Porsche 911 Turbo lässt den Elise auf einer Landstraße stehen, selbst der 211 PS starke, auf dem Elise basierende Exige S braucht mehr als 8 Minuten auf der Nordschleife und das ist in heutigen Zeiten lahm.
dent42 17.05.2010
2. re
Zitat von ivanogorJeder hochkarätige Sportwagen ala Porsche 911 Turbo lässt den Elise auf einer Landstraße stehen, selbst der 211 PS starke, auf dem Elise basierende Exige S braucht mehr als 8 Minuten auf der Nordschleife und das ist in heutigen Zeiten lahm.
Bestreitet wohl auch keiner: "6,5 Sekunden braucht der Lotus Elise bis Tempo 100 und läuft danach locker weiter bis 204 km/h. In Relation zu Sportwagen von Porsche, Audi oder Lamborghini gilt das zwar allenfalls als Warm-up...." Scheint mir eher ein Wochenendspielzeug für den gutverdienenden Minivanfahrer zu sein. Es ist allerdings sehr löblich das es auch in diesem Segment inzwischen Spritsparer gibt, andrerseits hat die Karre soviel Pferde wie ein getunter Fiat 500 und wiegt fast nix, insofern wäre es schon merkwürdig wenn es eine Benzinschleuder wäre.
homo_popularis 17.05.2010
3. Fairer Vergleich?
---Zitat von ivanogor9--- Jeder hochkarätige Sportwagen ala Porsche 911 Turbo lässt den Elise auf einer Landstraße stehen, selbst der 211 PS starke, auf dem Elise basierende Exige S braucht mehr als 8 Minuten auf der Nordschleife und das ist in heutigen Zeiten lahm. ---Zitatende--- Ein Porsche 911 beginnt jedoch auch erst ab 84.705,00€. Wäre ja geradezu tragisch, wenn der einen Lotus nicht stehen lassen würde! Der Vergleich mit dem 911 ist dementsprechend genauso sinnlos wie der Versuch von SPON den Lotus Elise als Vorreiter in Sachen Leichtbau und Verbrauch anzupreisen. Ein Lotus Elise ist ein reines Spielzeug mit null Alltagswert und mit Sicherheitsstandards von vorgestern. Dass er so leicht ist, liegt einfach daran, dass man alles, was Sicherheit und Komfort ist, weglässt. Zudem kommt der Einsatz von leichten, aber minderwertigen Materialien (Kunststoff). So mit einem kleinen Motor auszukommen und relativ wenig zu verbrauchen ist dann kein Kunststück mehr. Dann konnte auch schon der Trabant!
carvon 17.05.2010
4. darum geht es nicht.
Leichtbau ist die Devise. Wenn du auf Rundenzeiten auf dem Ring aus bist nimm einen anderen Leichtbau-Wagen deiner Wahl. Caterham R500, Radical SR, Ultima GTR, Ariel Atom...Jeder davon fährt Kreise um einen Porsche 911. Diese Wagen erreichen Leistungsgewichte und fahrphysikalische Eigenschaften wovon die "Eisenschweine" (Porsche 911, Audi R8 usw,) nur träumen können.
racefan 17.05.2010
5. Die Nordschleife ist zu schnell für die Elise
Zitat von ivanogorJeder hochkarätige Sportwagen ala Porsche 911 Turbo lässt den Elise auf einer Landstraße stehen, selbst der 211 PS starke, auf dem Elise basierende Exige S braucht mehr als 8 Minuten auf der Nordschleife und das ist in heutigen Zeiten lahm.
Und wieder einer, der es nicht verstanden hat... Die Nordschleife ist an vielen Stellen eine ultraschnelle Piste, wo man die Zeiten über Leistung holt (Döttinger Höhe etc.). Die Elise ist dem Porsche im unterem Geschwindigkeitsbereich (vielleicht bis 140 km/h) ebenbürtig. Auf kurvigen Landstrassen oder engeren Rennstrecken dürfte der Zeitenunterschied gering sein. Und das bei deutlich geringeren Anschaffungskosten...
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