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Autogramm Maserati Ghibli: Tief abwärts, schnell vorwärts

Foto: Maserati

Autogramm Maserati Ghibli Drama gehört zum Geschäft

Obwohl Maserati sein meistverkauftes Modell überarbeitet hat, hinkt der Ghibli den deutschen Konkurrenten in einigen Punkten immer noch hinterher. Aber dieser Businesslimousine verzeiht man nur allzu gern.

Der erste Eindruck: Achtung, der kommt flach! Mit der langen, tiefen Schnauze und dem niedrigen Dach sieht der Ghibli aus wie ein Sportwagen, dem aus Versehen vier Türen verpasst wurden.

Das sagt der Hersteller: "Noch ist der Ghibli unser meistverkauftes Modell", sagt Giulio Pastore, der Maserati-Chef in Europa - man rechnet aber damit, dass das SUV-Modell Levante die Limousine überflügelt. Der Ghibli ist seit drei Jahren im Angebot, hat den Einstiegspreis bei Maserati radikal gedrückt, war das erste Modell der Marke mit Dieselmotor und lockte viele neue Kunden an, die zuvor Porsche Panamera, BMW 5er oder Mercedes CLS fuhren. Kurzum: Ohne den Ghibli wäre es niemals gelungen, die Verkaufszahlen der Marke in den vergangenen Jahren zu verfünffachen, sagt Pastore.

Deshalb wurde das Auto nun runderneuert. "Vor allem die Elektronik wurde auf den neuesten Stand gebracht", sagt Maserati-Entwicklungschef Roberto Corradi.

Das ist uns aufgefallen: Im Ghibli fällt man erst einmal ganz weit runter, die Sitze sind viel tiefer platziert als in anderen Limousinen. Der Wagen wirkt aber nicht nur sportlicher als die hiesige Konkurrenz, sondern gleichzeitig auch ein bisschen lässiger. Im Video wird das ganz gut deutlich:

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Das elegante Design geht allerdings zulasten der Knie- und Kopffreiheit, außerdem wirken Ambiente und die Ausstattung etwas lieblos. Daran ändert auch das Facelift nichts. Die Mittelkonsole wurde zwar aufgeräumt und der große Touchscreen ist Blickfang und mediale Spielwiese zugleich, aber die Menüführung gleicht einem Labyrinth.

Das Angebot der Assistenz- und Sicherheitssysteme ist auch nach der Auffrischung noch ausbaufähig. Es gibt immerhin eine Abstandsregelung, eine Notbremsautomatik, eine 360-Grad-Kamera als Rangierhilfe und einen Spurwechselwarner - doch das bieten heute auch schon viele Kompaktautos. Von der Armada der Assistenzsysteme bei Audi, BMW und Mercedes jedenfalls ist der Ghibli noch weit entfernt.

Bei den Motoren ist der Unterschied zum Vorgängermodell nur schwer zu greifen. Aber obwohl die Ingenieure die Ghibli-Aggregate jetzt besser gedämmt haben, knurrt der Wagen etwas giftiger und man spürt geradezu, welche Kraft im flachen Bug darauf lauert, losgelassen zu werden.

Beim V6-Benziner ist das vielleicht keine so große Überraschung, aber selbst der V6-Diesel vermittelt so etwas wie Drama. Das Drei-Liter-Aggregat mit einer Leistung von 275 PS und 600 Nm Drehmoment ist vielleicht nicht ganz so kultiviert wie die vergleichbaren Motoren der Hersteller nördlich der Alpen. Und sehr wahrscheinlich ist die Maschine auch nicht so sparsam - den Normverbrauch gibt Maserati mit 5,9 Liter je 100 Kilometer an, das ist mehr als bei A6 3.0 TDI, 530d oder E 350d. Aber dafür kommt das Blut in Wallung und ein bisschen Leben in den wohltemperierten Vielfahrer-Alltag auf der Autobahn.

Das muss man wissen: Bestellen kann man den überarbeiteten Ghibli zu Preisen ab 66.000 Euro seit Juni, die Auslieferungen begann jedoch erst im Herbst.

Neben dem Diesel sind noch zwei Varianten des V6-Benziners im Angebot. Der Motor wurde als einzige mechanische Komponente nennenswert überarbeitet; in der Basisversion leistet das Aggregat jetzt 350 statt bisher 320 PS, und im Ghibli S unverändert 410 PS. Für diese Variante gibt es auf Wunsch auch Allradantrieb, es markiert er mit einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h, einem Normverbrauch von 9,7 Liter und einem Grundpreis von 84.900 Euro in jeder Hinsicht die Spitze der Modellfamilie.

Das werden wir nicht vergessen: Die Sporttaste neben dem Schaltknauf. Während sich an der Einstellung von Fahrwerk und Lenkung bei deren Betätigung ähnlich wenig ändert wie bei der Konkurrenz, bekommt der Motor tatsächlich einen anderen Charakter und vor allem einen anderen Klang. Nein, es gibt keine albernen Fehlzündungen oder peinliches Gebrabbel. Doch zwei Soundgeneratoren nahe der Auspuff-Endrohre modulieren den Motorklang so, dass der Ghibli noch engagierter und selbstbewusster tönt. Er wird dann zum Tenor im Chor der Geschäfts-Limousinen.

Hersteller:Maserati
Typ:Ghibli Diesel
Karosserie:Limousine
Motor:V6-Turbodiesel
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Heck
Hubraum:2.987 ccm
Leistung PS:275 PS
Leistung kW:202 kW
Drehmoment:600 Nm
Von 0 auf 100:6,3 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):5,9 Liter
CO2-Ausstoß:158 g/km
Kofferraum:500 Liter
Gewicht:1.810 kg
Maße:4971 / 1945 / 1465
Preis:66.000 €
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