Mazda 3 iStop Kontrollierter Stillstand

Beim VW Golf Ecomatic von 1994 war die Technik noch eine kleine Sensation, inzwischen gehört die Start-Stopp-Automatik bei sparsamen Autos zum Standard. Auch der Mazda 3 bekommt nun ein Start-Stopp-System - jedoch keines herkömmlicher Bauart, sondern mit neuer Technik.

Springt er wieder an oder nicht? An die Sorge, dass der Motor nach dem Stopp an der roten Ampel aus bleibt, erinnern sich nur wenige. Denn es wurden lediglich 2000 Fahrzeuge des Modells VW Golf Ecomatic verkauft, jenem Auto, das vor 15 Jahren erstmals mit Start-Stopp-Automatik ausgerüstet war. Dass der Wagen floppte, lag neben dem Aufpreis von gut 2000 Mark und der Konkurrenz durch ebenfalls sparsame Turbodiesel-Modelle vor allem an der automatischen Motorsteuerung, die für das erneute Anwerfen des Antriebs oft länger brauchte, als die Geduld des Autofahrers im Wagen dahinter reichte.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Start-Stopp-Technik funktioniert heute völlig unauffällig und ist mittlerweile Standard bei sparsamen Modellen. Seit BMW vor rund zwei Jahren ein Öko-Programm ausgerollt und die Modellpalette mit Start-Stopp-Systemen auszurüsten begann, griff auch die Konkurrenz dieses Verfahren auf. Bei Ford und Opel sowie bei den französischen Herstellern ist es zwar noch nicht so weit, doch nahezu alle anderen wichtigen Hersteller sind inzwischen mit dabei beim kurzen Abstellen des Motors.

Die Technik ist ebenso einfach wie effizient, sagt Maschinenbau-Professor Franz Prexler von der Technischen Hochschule Landshut. Weil im Stadtverkehr oft mehr als ein Drittel der Fahrzeit eigentlich Standzeit sei, in der die Motoren unnötig liefen, bringt die Start-Stopp-Automatik nach seiner Einschätzung im Realverbrauch einen Vorteil von 10 bis 20 Prozent. Im Normzyklus dagegen liegt die Einsparung bei etwa fünf Prozent. "Alles in allem", sagt Prexler, "ist eine Start-Stopp-Automatik ein guter Schritt in die richtige Richtung."

Das Vorurteil, der Motor nehme Schaden bei häufigem ab- und wieder anstellen, ist falsch. Denn erstens arbeiten die Systeme meist nur bei Temperaturen jenseits des Gefrierpunkts und ausreichend aufgewärmtem Motoröl, und zweitens haben Hersteller wie Volvo oder Mazda eigens eine zweite Batterie eingebaut, um die nötige Stromversorgung für den Anlasser zu garantieren. "Der Fahrer hat keinerlei Einbußen im Komfort", unterstreicht Prexler. Falls im konkreten Fall Klimaanlage oder Heckscheibenheizung gerade unter Volllast laufen, bleibt der Motor eben an.

Anlassen durch eine schlaue Motorsteuerung

Bislang setzten die Hersteller in der Regel auf einen stärkeren und schnelleren Anlasser, der den Motor nach dem Stopp ruckzuck wieder auf Touren bringt. Das klappt in deutlich weniger als einer Sekunde, doch je nach Motor und Getriebe empfinden manche Kunden diese Zeit noch immer als zu lang. Außerdem endet die Stille des Stillstandes oft so laut und harsch, dass manche Autofahrer die Start-Stopp-Automatik genervt abschalten.

Mazda hat deshalb ein neues System entwickelt, das unter dem Namen iStop jetzt den Einstand im Kompaktauto Mazda 3 gibt. Zwar nutzt Mazda auch noch den Anlasser, doch der eigentliche Kraftakt zum Neustart erfolgt direkt im Zylinder. Schon während das System den Motor abschaltet, werden Kolben und Kurbelwelle so justiert, dass ein Zylinder immer im Arbeitstakt ist. Soll es wieder losgehen, reichen eine Kraftstoffinjektion, ein Zündfunke und ein kurzer Drehimpuls an der Kurbelwelle, um den Vierzylinder wieder zum Laufen zu bringen. Vorteil: Der Motor braucht nur halb so lange zum Starten und läuft besonders weich an. Nachteil: Die Technik funktioniert nur mit einem Direkteinspritzer. Ausgerechnet dieser Motor wird in Deutschland nur sehr selten im Mazda 3 geordert.

Neuer Motor mit neuer Technik ab August beim Händler

Das Auto mit dem neuen Zweiliter-Aggregat wird ab August ab 22.600 Euro verkauft. Die Maschine ist die erste einer ganzen Familie von Direkteinspritzern, die bis zum Jahr 2014 sämtliche Sauger ablösen soll. Das aktuelle Aggregat kommt auf 151 PS und 191 Nm und macht im Mazda 3 eine prima Figur. Leise, kultiviert und kraftvoll beschleunigt der Fünftürer in 10,4 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h. Nach Werksangaben sinkt der Durchschnittsverbrauch dank Direkteinspritzung und Start-Stopp-Automatik gegenüber dem Vorgänger um 14 Prozent auf 6,8 Liter. Schade nur, dass vorerst nicht auch die kleineren Aggregate zu Spritsparern werden.

Die Verlässlichkeit der Start-Stopp-Technik ist kein Problem mehr, doch ohne Zutun des Fahrers arbeitet sie nicht. Nur wer an der Ampel auskuppelt und den Fuß vom Pedal nimmt, aktiviert die Automatik und stoppt den Motor. "Das ist etwas gewöhnungsbedürftig", gibt TH-Professor Prexler zu. "Aber nach der dritten Ampelphase wundert man sich nicht mehr." Geht es nach Volvo-Entwickler Ulf Nordström, wird den Autofahrern auch gar nichts anderes übrig bleiben. "In ein paar Jahren ist die Start-Stopp-Automatik bei allen Autos Standard."

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