Autogramm Mazda 6 Runter vom Gas

Man sieht es ihm nicht an, aber der Mazda 6 hat sich nach dem Facelift verändert: Zwei technische Neuerungen machen den Wagen komfortabler als den Vorgänger. Eine Problemzone blieb leider unberücksichtigt.

Mazda

Der erste Eindruck: Den erkennt man sofort. Mazda hat mit dem Design des 6er vieles richtig gemacht - beim Facelift ruht man sich jetzt erst einmal darauf aus und hat alles unverändert gelassen.

Das sagt der Hersteller: Während andere Importeure sich aus dem Mittelklassesegment verabschiedet haben, will Mazda laut Bernhard Kaplan, dem Deutschland-Chef der Marke, weiter dort mitmischen.

Der 6er wird vor allem als Imageträger gebraucht, der Mazda aus dem Kreis der anderen japanischen Hersteller heraushebt. Knapp 27.000 Zulassungen in Deutschland seit 2013 sind für einen Importeur in einem von heimischen Platzhirschen dominierten Markt auch gar nicht mal schlecht.

Das ist uns aufgefallen: Der Wagen fährt sich im Vergleich zum Vorgänger sportlicher und souveräner. Während andere asiatische Marken bei der Fahrwerkabstimmung ihrer Autos häufig in die Beliebigkeit abrutschen, fühlt sich das Mittelklassemodell aus Hiroshima nun an wie die Konkurrenten aus Deutschland. Verantwortlich dafür ist ein neues System namens G-Vectoring-Control.

Es kommt serienmäßig zum Einsatz und optimiert mittels einer speziellen Software das Lenkgefühl. Der Trick: Beim Einlenken nimmt die Elektronik ganz kurz etwas Last zurück, sodass der Wagen vorne minimal eintaucht, das Gewicht auf dem kurvenäußeren Vorderreifen größer wird und somit mehr Seitenführungskräfte aufgebaut werden. Das fühlt sich an, als würde der Reifen einen Hauch besser greifen und den Wagen etwas leichter um die Kurve zirkeln.

Technisch ist das System so simpel wie genial: Im Prinzip wird dem Motor für einen Augenblick der Saft abgedreht. Der Vorgang dauere nur 50 Millisekunden, erläutert ein Mazda-Entwickler, und die Verzögerung sei etwa zehnmal geringer, als wenn der Fahrer selbst den Fuß vom Gas nehmen würde. Doch dieser kleine, nicht wahrnehmbare Ruck reicht aus, um die Balance des Wagens zu ändern und ihn besser um die Kurve zu bringen.

Auch das lästige Nachkorrigieren auf unebenen, schlechten Straßen wird dank der neuen Technik deutlich seltener nötig. Weil sich deshalb der Aufbau weniger stark bewegt, fühlt sich die Fahrt komfortabler an.

Passend dazu sind die Diesel-Varianten des Mazda 6 jetzt leiser und kultivierter. Die Ingenieure haben die störenden Vibrationen sozusagen bis in die Zylinder verfolgt und dort sogenannte Schwingungstilger an die Kolbenbolzen angebracht.

Hinzu kommen mit dem Facelift weitere Änderungen: Das Lenkrad kann jetzt beheizt werden, der Bildschirm im Cockpit ist etwas größer, das Head-up-Display erhielt eine bessere Grafik, und weil die Assistenzsysteme jetzt mit einer Kamera statt mit Lasertechnik arbeiten, kann der Mazda 6 nun auch Verkehrszeichen lesen oder automatisch für Fußgänger bremsen.

Der Mazda 6 im Video

Tom Grünweg

Das muss man wissen: Die Preise für den neuen Mazda 6 steigen im Vergleich zum Vorgänger um ein paar hundert Euro, das Basismodell gibt es zum Verkaufsstart Mitte September ab 25.690 Euro. Als einer von wenigen Herstellern berechnet Mazda keinen Preisunterschied zwischen Limousine und Kombi.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: Mazda 6 Kombi
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 2.192 ccm
Leistung: 175 PS (129 kW)
Drehmoment: 420 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 221 km/h
Verbrauch (ECE): 4,6 Liter
CO2-Ausstoß: 121 g/km
Kofferraum: 522 Liter
umgebaut: 1.648 Liter
Gewicht: 1.495 kg
Maße: 4805 / 1840 / 1480
Preis: 37.290 EUR

Neben den beiden beruhigten Dieselmotoren bietet Mazda drei Benziner an. Los geht es mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder mit 145 PS, einem weiteren mit 165 PS und einer 2,5-Liter-Variante mit 192 PS. Die Dieselmotoren gibt es weiterhin in Kombination mit Allradantrieb.

Das werden wir nicht vergessen: Hinten hakt's noch. Während andere Kombis mit automatisch aufschwingenden Heckklappen punkten, gibt es für den Kofferraumdeckel des Mazda 6 Kombi nicht einmal eine Servounterstützung, geschweige denn eine Fernbedienung.

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
tamna 08.09.2016
1. geht doch
Na also: 175 PS, 420 Nm...Dazu ein stimmiges Design und eine ordentliche Ausstattung. Gegenüber dem Kia Optima definitiv die bessere Wahl. Mit einer Wandlerautomatik (gibt's hoffentlich) eine wirkliche Konkurrenz zu den deutschen Herstellern. Mir gefällt er...Es wird wohl an den Leasingkonditionen scheitern, fürchte ich.
Mario V. 08.09.2016
2. Unerhört!
Man muss die Heckklappe tatsächlich noch mit der Hand bedienen? Tststs... Wenn das der einzige negative Punkt an diesem Auto ist, dann herzlichen Glückwunsch Mazda zu einem gelungenen Auto. Bei einem Van wie dem alten Galaxy, wo die Klappe gefühlt eine Tonne wiegt, hätte ich mir vielleicht auch eine elektrische Unterstützung gewünscht, aber die Klappe dieses Kombi ist kaum größer als die von meinem Golf. Wenn sie ähnlich leicht auf und zu schwingt kann man damit gut leben.
han32 08.09.2016
3. oh ja....
das macht sich im täglichen Gebrauch auch riesig bemerkbar!
UluKay 08.09.2016
4. Oh Gott
Mann muss die Heckklappe selber aufstemmen ? Das geht ja gar nicht.
pauschaltourist 08.09.2016
5.
Hübsch. Doch krankt der Mazda 6 ebenso wie der Mazda 3 an einer viel zu langen Motorhaube. Diese Fahrzeuge sind definitiv zu lang.
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