Mazda 6 Unter der Tarnkappe

Jeder zweite neu verkaufte Mazda in Deutschland ist ein Sechser. Entsprechend behutsam gingen die Japaner bei der Modellpflege mit dem Auto um. Der überarbeitete Wagen steht seit ein paar Tagen beim Händler. Demnächst sollen Dieselmotoren mit Rußpartikelfilter die Baureihe noch attraktiver machen.


Mazda 6 Limousine: Kaum sichtbare Renovierungsarbeiten

Mazda 6 Limousine: Kaum sichtbare Renovierungsarbeiten

Mazda hat sein bestes Pferd im Stall frisch gestriegelt. Gut drei Jahre nach ihrem Debüt bekommt jetzt die Sechser-Reihe ein erstes Facelift. Zwar stehen die Autos - zumindest in der Version mit Benzinantrieb - bereits bei den Händlern, doch bemerkt hat das vermutlich noch kaum jemand. Denn selten war eine Gesichtspflege so unauffällig wie bei Limousine, Fließheck und Kombi des Mazda 6. Immerhin haben sich auch die Preise für die Autos nur marginal verändert. Sie steigen in der Basisversion um 450 und in allen anderen Varianten um 350 Euro, so dass der Einstieg in die Sechser-Baureihe künftig bei 20.350 Euro (Viertürer) beginnt. Der günstigste Kombi kostet nun 21.070 Euro.

"Aus unseren Kundenbefragungen zum Mazda 6 wissen wir, dass sein Design ein primäres Kaufmotiv ist," sagt Klaus Kalthoff, der den Vertrieb in Deutschland leitet. "Deshalb wären wir nicht gut beraten gewesen, wenn wir daran viel geändert hätten." Also blieb äußerlich fast alles beim alten. Die Retuschen an Kühlergrill und an den Stoßfängern sind marginal. Dazu bekamen die Klarglasscheinwerfer neue Einfassungen, die Tönung der Heckleuchten wurde dunkler und es gibt neue Aluminiumräder, die in Größen bis zu 18 Zoll verfügbar sind.

Mazda-Cockpit: Die graue Plastikwüste zurückgedrängt

Mazda-Cockpit: Die graue Plastikwüste zurückgedrängt

Schon deutlicher wird die Modellpflege im Innenraum, in dem Mazda dem verschärften Konkurrenzkampf mit neuen Sitzpolstern, bequemeren Armlehnen, zusätzlichen Haltegriffen im Fond, verchromten Zierringen um die Instrumente im Cockpit und Klavierlack auf den Bedientasten in der Mittelkonsole Rechnung trägt. Zwar hebt das den Mazda 6 noch immer nicht auf das Niveau, auf dem beispielsweise der neue VW Passat daherkommt, doch die graue Kunststoffwüste wurde durch die Neuerungen wieder etwas weiter zurückgedrängt.

Außerdem haben die Japaner sehr effektiv die Geräuschdämmung verbessert und zudem die mit sechs Airbags, ESP und Klimaanlage ohnehin nicht schlechte Ausstattung noch einmal erweitert. So gibt es jetzt die elektrischen Fensterheber auch im Fond serienmäßig, in der Mittelkonsole steckt bei allen Modellen künftig eine Radio-CD-Kombination, und drei Kontrollleuchten hinter dem Rückspiegel weisen künftig auf Gurtmuffel im Fond hin. Neu auf der Liste der Optionen steht ein schlüsselloses Zugangssystem mit einer Chipkarte, die beim Einsteigen und Starten auch in der Handtasche bleiben darf.

Aber selbst wenn man all diese Modifikationen mit einrechnet, muss man lange grübeln, um auf die 30 überarbeiteten Bereiche und die fast 800 veränderten Teile zu kommen, die Mazda für das Sechser-Facelift angibt. Viel eher glaubt man der kurz und prägnant formulierten Zusammenfassung des Vertriebsleiters, wonach der Mazda 6 "im Kern noch immer ganz der Alte ist". Gewiss, fügt er dann schnell hinzu, Details seien natürlich verbessert worden.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: 6 Sport Kombi
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turobodiesel
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 143 PS (105 kW)
Drehmoment: 360 Nm
Von 0 auf 100: 9,8 s
Höchstgeschw.: 201 km/h
Verbrauch (ECE): 6,1 Liter
CO2-Ausstoß: 162 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 505 Liter
umgebaut: 1.712 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 22 (TK) / 20 (VK)
Preis: 23.170 EUR
Am meisten bemerkbar macht sich die Detailarbeit unter der Motorhaube, wo der Kunde die Wahl hat zwischen drei Benzinvarianten mit 120 PS (88 kW), 147 PS (108 kW) oder 166 PS (122 kW) sowie zwei Dieselmotoren mit 121 PS (89 kW) oder 143 PS (105 kW). Zwar bleiben auch dort die ganz großen Technologiesprünge aus. Doch zumindest haben die Japaner die Leistung einiger Aggregate um etwa fünf Prozent gesteigert und zugleich den Verbrauch um bis zu einen halben Liter verringert. Und während die Konzernmutter Ford in Köln beim technisch nicht verwandten Vergleichsmodell Mondeo auf die Frage nach einem Partikelfilter noch immer passen muss, bauen die Japaner ihre neuen Diesel ab dem Verkaufsstart des vierten Modelljahres serienmäßig als Nichtraucher. Außerdem gibt es für die beiden Diesel und die zwei großen Benziner ein neues Schaltgetriebe mit jetzt sechs Gängen, und für alle Benziner außer dem Einstiegsmodell haben die Japaner eine neue Automatik entwickelt.



Auf den ersten Kilometern durch hügelige Mittelgebirgslandschaften macht vor allem der große Diesel im Kombi eine gute Figur - auch wenn der Selbstzünder noch immer nicht den Dampfhammer schwingt. Weil seine Leistung aber zumindest etwas zugelegt hat, beschleunigt er den Lastenträger mit bis zu 360 Nm in 9,8 Sekunden auf Tempo 100, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 201 km/h und verbraucht im Mittel nur 6,1 Liter. Das ist etwa ein halber Liter weniger als früher, obwohl der wartungsfreie Partikelfilter eigentlich einen leichten Anstieg bewirken müsste. Dabei sind es aber nicht nur die neuen Messdaten, sondern vor allem die alten Werte, die für den Kombi sprechen - das unaufgeregte Fahrverhalten, die Spitzenplätze in Qualitätsreports und Pannenstatistiken und sein gut durchdachtes Innenleben. Denn nach wie vor ist das so genannte Karakuri-System für die Rücklehne unerreicht praktisch: Ein Griff genügt, damit sich die Bank wie von Geisterhand eben in den Ladeboden faltet und der Stauraum von 505 auf 1712 Liter wächst.



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