Mazda MX-5 Allein auf weiter Flur

Klassiker sind oft ein teures Vergnügen. Doch mit dem neuen MX-5 tritt Mazda den Beweis an, dass Traditionsbewusstsein nicht automatisch einen hohen Preis zur Folge hat. Mit 21.190 Euro ist die dritte Generation des Roadsters deutlich günstiger als die Konkurrenz.


Wenn es nach Michael Bergmann geht, dann kann der Winter in diesem Jahr nicht kurz genug sein. Für den deutschen Mazda-Chef dürfte der Sommer gerne schon am 21. Januar beginnen. Denn dann steht bei seinen Händlern die dritte Generation des MX-5, der im Guinness-Buch der Rekorde als "meistverkaufter offener Sportwagen aller Zeiten" geführt wird und die Marke geprägt hat wie kein anderes Modell. "Der MX-5 war schon 'zoom-zoom' als es 'zoom-zoom' noch gar nicht gab", wirbt der Mazda-Geschäftsführer. "Er ist sozusagen die Erklärung für 'zoom-zoom'. Denn er verkörpert wie kein anderes Auto den Spaß und die Freude an allem, was in Bewegung ist."

Fotostrecke

4  Bilder
Mazda MX-5: Die Roadster-Legende, Teil drei

So oder so ähnlich reden alle Auto-Bosse, wenn sie ein neues Modell anpreisen. Doch beim MX-5 ist der Erfolg in der Vergangenheit nicht nur Chance, sondern auch Bürde. Denn bei automobilen Legenden sind Designer und Entwickler sehr vorsichtig. Bergmann nennt das die "Evolution einer Ikone" und umschreibt damit vornehm, dass beim neuen MX-5 vieles beim Alten bleibt. Das ist sicher kein Fehler. Denn so haben es die Japaner geschafft, dass der Roadster auch nach mehr als 15 Jahren noch immer ein Blickfang ist und schon bei der ersten Testfahrt die Landstraße zur Lustmeile macht.

Trotz des behutsamen Umgangs mit der Legende geht der Generationswechsel nicht spurlos am MX-5 vorüber. Stilistisch steht die dritte Auflage des Klassikers deshalb für die Abkehr von der "Coca-Cola-Taille". Nicht nur die Klappscheinwerfer der ersten Auflage sind dauerhaft passé, sondern auch die leicht nach innen gewölbten Flanken. Die Frontpartie mit ihren kleinen Scheinwerferlinsen und dem aggressiven Kühlermaul verjüngt sich ebenso wie die nur wenig veränderte Heckpartie; und an der Seite wirkt der MX-5 nun deutlich glatter. Das mag Puristen stören, schafft aber innen mehr Platz für Hüfte, Ellbogen und Schultern und erlaubt zudem erstmals den Einsatz eines Seitenairbags. Außerdem wurden, um ein muskulöses Aussehen zu schaffen, die Radhäuser weit ausgestellt.

Platz für eine Getränkekiste

Wer den Zollstock anlegt, der kann in Länge und Breite ein Wachstum von jeweils vier Zentimetern messen. Außerdem wurde der Radstand um 6,5 Zentimeter gestreckt. Damit gewinnen die Japaner etwas mehr Raum für die Passagiere. Endlich passen auch lang gewachsene Menschen halbwegs bequem hinters Lenkrad. Und das Volumen des Kofferraums wächst minimal auf 150 Liter, so findet immerhin eine Getränkekiste darin Platz.

Außerdem gibt es ein gründlich modernisiertes Interieur mit einem neuen Cockpit, etwas besseren Materialien, eine neue Warmluftführung für längeren Open-Air-Genuss und ein paar zusätzlichen Ablagen. Richtig geräumig ist der MX-5 damit noch immer nicht. Die Insassen haben mitunter Tuchfühlung, die Locken wallen höher als die Frontscheibe, und der Getränkehalter in der Tür drückt gelegentlich am Bein.

Der MX-5 will ja auch kein Reise-, sondern ein Sportwagen sein. Drum sitzt man auch in der dritten Auflage wieder beinahe auf der Straße und fühlt sich eins mit dem Auto, das dank Heckantrieb, einer ausgewogenen Gewichtsverteilung, einer gut abgestuften Schaltung und einer sehr direkten Lenkung fröhlich durch die Kurven gleitet.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: MX-5
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.999 ccm
Leistung: 160 PS (118 kW)
Drehmoment: 188 Nm
Von 0 auf 100: 7,9 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 7,7 Liter
CO2-Ausstoß: 182 g/km
Kraftstoff: Superbenzin
Kofferraum: 150 Liter
Versicherung: 14 (HP) / 23 (TK) / 20 (VK)
Preis: 23.690 EUR
Unter der Haube bietet Mazda die Wahl zwischen zwei Vierzylindern mit 1,8 oder 2,0 Litern Hubraum, die 126 PS (93 kW) und 167 Newtonmeter ins Spiel bringen oder eben 160 PS (118 kW) und 188 Nm Newtonmeter Beide Maschinen haben leichtes Spiel mit dem Zweisitzer und beschleunigen flott auf 196 und 210 km/h. Das liegt vor allem am geringen Gewicht des Wagens von nicht einmal 1,2 Tonnen. Trotz des größeren Formats, der steiferen Karosserie und der erweiterten Ausstattung legte der MX-5 nur um zehn Kilogramm zu. Im Vergleich mit den deutschen Roadster-Modellen wirkt der Japaner daher leichtfüßig und agil.

Zwar könnte der Zweiliter beim Start etwas kerniger klingen, doch wenn der Wagen auf Touren ist, überdeckt der Wind das Motorengeräusch ohnehin sehr schnell. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob das Dach offen oder geschlossen ist. Denn wirklich gut isoliert haben die Japaner das Verdeck mit Rücksicht auf Platz, Preis und Beweglichkeit nicht.

Bezahlbarer Roadster für jedermann

Damit aus der Fahrt eine echte Freude wird, braucht es neben etwas Sonne nur sechs Sekunden und einen einzigen Handgriff: Einmal kurz am Riegel hinter dem Innenspiegel gezogen, das Schloss geöffnet und das dünne Verdeck nach hinten geworfen - und schon steht einem im MX-5 der Himmel offen. Sollten plötzlich Regenwolken aufziehen, kann man die Luke genau so einfach und rasch auch wieder schließen. Zwar ist dafür etwas mehr Kraft nötig, aber weil es keine Persenning mehr gibt und statt zweier Fanghaken nun ein Zentralverschluss angebracht wurde, gelingt dies mit etwas Übung mit einer Hand vom Fahrerplatz aus. Elektromotorische Hilfe ist nicht im Angebot. Das hätte nicht zum puristischen Charakter des Roadsters gepasst, heißt es bei Mazda.

Außerdem hätte das den Preis hochgetrieben, den Mazda aber möglichst niedrig halten wollte. Daher wurde der MX-5 in der dritten Auflage auch nicht zu einem "Premium-Modell" aufgepeppt, sondern bleibt ein bezahlbare Roadster. Dafür steht die Basisversion mit Überrollbügeln ohne Alublenden und mit einem Vinyl- statt Stoffverdeck auf den Stahlfelgen. Andererseits ist der Grundpreis mit 21.190 Euro konkurrenzlos günstig. Und die wirklich wichtigen Dinge wie vier Airbags oder Traktions- und Stabilitätskontrolle sind an Bord.

Außerdem gibt es gehobene Ausstattungsvarianten und eine Liste voller Extras, mit denen man den Roadster auf edel trimmen kann. Dann sitzt man auf Leder, rollt auf einem Sportfahrwerk, kann den Zündschlüssel beim Einsteigen in der Hosentasche lassen, genießt den Sound einer Bose-Musikanlage und hilft dem Sommer mit Sitzheizung und Klimaautomatik auf die Sprünge. Allerdings steigt der Preis dann auf mehr als 30.000 Euro und liegt dann auf einem Niveau, auf dem die Luft angesichts der deutschen Wettbewerber schon wieder dünner wird.

Natürlich ist die Situation zum Start der dritten MX-5-Generation nicht vergleichbar mit der Deutschlandpremiere vor 15 Jahren, als der Japaner der erste und einzige Roadster diesseits von Porsche 911 und Jaguar XK war. Im Windschatten des MX-5 buhlt mittlerweile ein ganzer Schwarm offener Zweisitzer um die Gunst der Cabriofahrer. Doch hat Mazda den Zeitpunkt für die Neuauflage gut gewählt. "Wir sind aufgrund des Abschieds einiger Wettbewerber wie dem Fiat Barchetta, dem MG TF, dem Smart Roadster und dem Toyota MR-2 im nächsten Jahr die einzigen Anbieter im Roadster-Segment der Preisgruppe von 21.000 bis 27.000 Euro", sagt Mazda-Chef Bergmann. Auch deshalb kann es für ihn gar nicht schnell genug wieder Sommer werden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.