Autogramm Mazda MX-5 RF Dach herrje!

Bislang hat der MX-5 den Minimalismus gepredigt. Doch jetzt fährt der Mazda mit Hardtop in die Komfortzone. Das RF-Verdeck sieht klasse aus, bietet Geborgenheit - und doch geht etwas verloren.

Mazda

Der erste Eindruck: Die Sonne brennt, das Hardtop sitzt.

Das sagt der Hersteller: Für Nobuhiro Yamamoto, den Projektleiter, ist das "Retractable Fastback" (RF) des MX-5 viel mehr als einfach nur ein neues Dach auf einem bekannten Auto. Yamamoto sagt, die alternative Verdeckvariante gebe dem MX-5 RF einen eigenen Charakter und erweitere so die Zielgruppe des erfolgreichsten Roadsters der Welt.

Wenn es um das neue Design, die höhere Alltagstauglichkeit und den gestiegenen Komfort geht, erwacht der Poet im Automann: Die robuste Mütze soll "versteckte Emotionen und schlummernde Wünsche der Kunden wecken und die Freude, einen offenen Sportwagen zu fahren, einem noch größeren Publikum nahebringen". Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: In Deutschland hatte schon das eher unelegante Klappdach-Modell der Vorgängergeneration einen Verkaufsanteil von etwa 50 Prozent aller MX-5.

Das ist uns aufgefallen: Eigentlich ist Regen der Feind des Roadster-Fahrers. Doch in diesem Fall passt das nasse Wetter gut zur ersten Begegnung mit der neuen MX-5-Variante RF. Es sind die grauen Tage, an denen das massive Dach die psychologisch stärkste Wirkung erzielt, man fühlt sich darunter viel geborgener als unter einem Stoffverdeck. Das Prasseln des Regens ist leiser, auch der Motor klingt darin wie in Watte gepackt, weil der RF etwas besser gedämmt ist als der konventionelle MX-5. Nur der Wind rauscht lauter, weil es links hinter dem Fahrer irgendeinen Luftwirbel gibt, den die Ingenieure partout nicht in den Griff bekamen.

Tom Grünweg

Während Projektleiter Yamamoto bei der Premiere des normalen MX-5 noch Purismus predigte und sich gegen alles verwahrte, was das ursprüngliche Fahrgefühl beeinträchtigen könnte, also etwa ein Handschuhfach (weil es die Sitzposition verändern würde) oder ein elektrisches Verdeck (weil es das Gewicht erhöhen würde), ist die RF-Variante wie selbstverständlich in der Komfortzone positioniert. Klimaanlage und Sitzheizung sind an Bord, das Klappverdeck funktioniert elektrisch und auch das Fahrwerk fühlt sich nicht so kompromisslos an.

Sobald sich die Wolken verziehen, findet der MX-5 zu seinem eigentlichen Wesen zurück. In einem aufwändigen Schauspiel, wie man es sonst nur vom Porsche Targa kennt, lupfen Elektromotoren den Heckdeckel mitsamt den großen Finnen so weit an, dass sich Dach und Heckscheibe darunter falten, ohne den ohnehin schon winzigen Kofferraum (127 Liter) noch weiter zu verkleinern. Weil der Rahmen der Rückscheibe mitsamt den C-Säulen stehen bleibt, rauscht der Wind nur sachte durch die Frisur und man kann sich auch auf der Autobahn noch unterhalten.

Fotostrecke

12  Bilder
Autogramm Mazda MX-5 RF: Klappe falten

Was der MX-5 RF an Komfort und Seriosität gewinnt, büßt er leider an seiner erfrischenden, ursprünglichen Leichtigkeit wieder ein. Exakt begründen lässt sich das nicht, es ist mehr ein Gefühl. Gut, das RF-Modell wiegt 45 Kilogramm mehr als das Auto mit Stoffverdeck, doch das dürfte bei 160 PS Leistung buchstäblich nicht ins Gewicht fallen. Auch die Agilität des Autos ist ausgezeichnet. Trotzdem verliert er mit dem festen Verdeck einen Teil seiner Radikalität, als RF ist das Auto nicht mehr einzig, sondern artig. Wer so etwas mag, könnte auch einen Mercedes SLC oder einen der letzten BMW Z4 kaufen.

Das muss man wissen: Der Mazda MX-5 RF kommt Anfang Februar in den Handel und kostet mindestens 29.890 Euro. Damit ist das Auto knapp 3000 Euro teurer als der vergleichbar ausgestattete Roadster mit Softtop. Weil Mazda mit der Variante eher komfortorientierte Kunden ansprechen möchte, gibt es den RF nur in den gehobenen Ausstattungsversionen mit beheizten Ledersitzen, Klimaautomatik und LED-Scheinwerfern und - erstmals in Europa - sogar mit Automatikgetriebe.

Auch beim Antrieb steigt Mazda ganz oben ein und beschränkt sich in Deutschland auf den Zweilitermotor mit 160 PS Leistung. Der muntere Vierzylinder dreht willig nach oben, hängt gierig am Gas und bringt den Wagen flott voran. Von 0 auf 100 klappt in 7,4 Sekunden, 215 km/h Spitzentempo fühlen sich bei offenem Dach schneller an als 250 Sachen in einem Mercedes SLC. Die von Mazda angegebenen 6,9 Liter Normverbrauch sind natürlich nur graue Theorie, immerhin ist der MX-5 einer der wenigen Sportwagen, die man im Alltag tatsächlich unter zehn Litern Durchschnittsverbrauch halten kann.

Das werden wir nicht vergessen: Es sind zwar nur 13 Sekunden, aber sie verändern für MX-5-Fahrer die Welt. Während beim konventionellen Roadster das Stoffverdeck per Hand in einem Schwung nach hinten geworfen wird, muss im RF ein Knopf gedrückt werden. Dann tritt die Elektronik in Aktion und es vergehen jene langen Sekunden, in denen das Dach geöffnet und verstaut wird, und während der man das Auto allenfalls mit Schrittgeschwindigkeit bewegen darf. Und das ist im MX-5 eine schwere Prüfung - selbst wenn er jetzt in der Komfortzone fährt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: MX-5 RF
Karosserie: Roadster
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 160 PS (118 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 7,4 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 6,9 Liter
CO2-Ausstoß: 161 g/km
Kofferraum: 127 Liter
Gewicht: 1.120 kg
Preis: 29.890 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 153 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
menschsagmal 27.01.2017
1. Optisch
sieht er gut aus, ein bisschen James Bond, jedoch geht das Feeling das wir MX 5 Fahrer lieben, offen fahren, durch die seitlich stehenden Seitenteile gänzlich verloren. Schade, muss dann beim nächsten MX 5 entweder auf Softverdeck oder ein anderes Auto umsteigen.
mistercx 27.01.2017
2. SLC oder SLK ??
Täusche ich mich, oder meint der Autor den Mercedes SLK wenn er den seit bestimmt 30Jahren nicht mehr gebauten (und viel attraktiveren) SLC zitiert? Ansonsten ein schönes Auto der Mazda, mit zeitgemässer Motorisierung - mehr bedarf es nicht für Sportwagenfeeling!
ekel-alfred 27.01.2017
3. Geil...Geil...Geil...
Tolles Auto mit tollen Linien. Mazda versteht es immer wieder, den Klassiker noch attraktiver zu machen. Das schaffen nicht viele. Einziger Wermutstropfen....warum müssen die Navis neuerdings so exponiert auf dem Dashboard stehen? Das sieht schon bei Mercedes furchtbar aus und wirkt hier nicht schöner. Was mir allerdings fehlt, wäre noch ein Topmodell mit 200PS Motorisierung. Das würde die Sache nach oben hin abrunden.
tommahawk 27.01.2017
4. Kein Cabrio
Diese MX5-Variante wird komplett floppen. Das ist ein viel zu enges, winziges Auto, das nur für kleine Menschen geeignet ist. Und vor allem: Das ist kein Cabrio, sondern ein Auto mit großem Schiebedach. Ist es geöffnet, bleibt die Enge. Das hat Mazda nicht gut hinbekommen.
fisschfreund 27.01.2017
5.
Ich bin neulich so einen mx 5 gefahren. Lustiges autochen, allerdings würde ich den erst kaufen, wenn der Motor reichlich über 200 PS hätte. Ist ein bisschen lahm motorisiert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.