Mazda RX-8 Mein Auto hat drei Ecken

Mit Worten wie einmalig, einzigartig oder exklusiv sollte man sparsam umgehen. Im Fall des neuen Mazda RX-8 jedoch passen diese Adjektive. Kein anderer Hersteller bietet einen Sportwagen mit Wankelmotor, vier gegenläufig öffnenden Türen, vier Sitzplätzen an und reichlich Dreiecken.

Von Jürgen Pander


Der Mazda RX-8: Der schnittige Sportwagen garantiert ein tolles Fahrerlebnis

Der Mazda RX-8: Der schnittige Sportwagen garantiert ein tolles Fahrerlebnis

Mit dem neuen Mazda RX-8 wird es selbst im Stau nicht langweilig. Man kann dann nämlich Dreiecke suchen, von denen am und im Auto ein knappes Dutzend zu finden sind. Unter dem Kühleinlass zum Beispiel, auf der Motorhaube, auf der Motorabdeckung, auf Nackenhöhe in den beiden vorderen Sitzen. Dreieckig sind außerdem der Schaltknüppel, der Griff der Sitzlehnenverstellung, die Nebelschlussleuchte und die beiden Rotorkolben des Wankelmotors. "Dieses Auto ist ein Sportwagen wie kein anderer", sagt Europa-Vertriebschef James Muir, und er hat recht.

Fangen wir beim Motor an: "Mit dem RX-8 trägt Mazda das Erbe von Felix Wankel in die Zukunft", proklamiert Mazda-Deutschland Geschäftsführer Klaus Tarlatt. Die Japaner beschäftigen sich seit 1961 mit dem Kreiskolbenmotor, als sie eine Kooperation mit NSU eingingen. Inzwischen hat Mazda mehr als 1,8 Millionen Wankel-Triebwerke gebaut, das aktuelle Aggregat "Renesis" im RX-8 gilt nach zehnjähriger Entwicklungszeit als bislang ausgereiftester Motor dieses Typs. Der Name ist ein Kunstwort aus Rotary Engine (Re) und Genesis.

Der Kreiskolbenmotor bietet gegenüber einem in der Leistung vergleichbaren, herkömmlichen Hubkolbenmotor mehrere Vorteile: Er hat weniger Bauteile, ist leichter, kleiner und arbeitet vibrationsärmer. Der einzige, dafür aber gravierende Nachteil eines Wankelmotors: Er verbraucht weitaus mehr Benzin als ein Hubkolbenmotor. Mazda sagt, man habe den Verbrauch des neuen Triebwerks im Vergleich zum bisherigen im Sportwagen RX-7 um rund 30 Prozent reduziert. Als offizielle Werte geben die Japaner einen Durchschnittsverbrauch von 11,4 Liter für die stärkere 231-PS-Version an und 10,8 Liter für die 192-PS-Variante.

Flitzer mit vier Türen: Auch die hinteren Sitze sind leicht zu erreichen

Flitzer mit vier Türen: Auch die hinteren Sitze sind leicht zu erreichen

Was auffällt: Es gibt für den RX-8 in keiner Ausstattungsversion einen Bordcomputer, mit dem sich der Spritverbrauch wenigstens annähernd ermitteln ließe. Auf Nachfrage räumt ein Mitarbeiter ein, dass das Fehlen der Verbrauchsanzeige eventuell schon mit den üppigen Verbrauchswerten bei zügiger Fahrweise zu tun haben könnte. Aber es gibt ja noch die Tankanzeige: Während unserer Testfahrt über knapp 200 Kilometer fiel die Nadel von "randvoll" auf "halb", der Tank fasst 61 Liter - so ähnlich klingen Textaufgaben für Fünftklässler.

Zurück zum Fahrgefühl, für das ebenso wie für den Motor gilt: einmalig. Schon beim Starten des Motors, der kaum spür- und hörbar anspringt, wird die Besonderheit klar. Dann geht es rund. Bis etwa 4000 Touren, die ein großer roter Zeiger auf dem Zentral im Cockpit platzierten Drehzahlmesser anzeigt, fährt sich das Auto ziemlich normal. Darüber wird es jedoch außergewöhnlich. Das Motorengeräusch - ein Soundmix aus Motorrad und Airbus - schwillt an, der Drehzahlzeiger zischt nach oben, das Auto springt nach vorne. Das brave Coupé aus dem Drehzahlkeller wird zum bissigen Sportwagen und das bis 9000 Touren, denn erst dort beginnt der rote Bereich.

Viele nette Details: Im Stau kann der Fahrer die Dreiecke zählen

Viele nette Details: Im Stau kann der Fahrer die Dreiecke zählen

Ein tolles Fahrerlebnis, das muss man sagen. Besonders weil die Kombination aus Maschine, Sechsganggetriebe, Fahrwerk und Lenkung sehr gut aufeinander abgestimmt ist. Beim RX-8 mit dem etwas schwächeren Motor kommt übrigens ein Fünfgang-Getriebe zum Einsatz und das Auto wirkt nicht ganz so scharf und ausgereizt wie die starke Version.

Clever haben die Mazda-Ingenieure das typische Sportwagen-Dilemma mit der eingeschränkten Sozialtauglichkeit gelöst. Denn: Es gibt außer den herkömmlichen zwei Türen zwei weitere, hinten angeschlagene Türen, die einen bequemen Zugang zu den beiden hinteren Einzelsitzen eröffnen. Auch mit diesem System zeigt Mazda, dass die althergebrachten Sportwagen-Spezifika durchaus innovationsfähig sind, denn der schnittigen Silhouette des Fahrzeugs hat das so genannte Freestyle-Türkonzept nicht geschadet.

Dem Design des RX-8 merkt man das Bemühen an, die aufregende Technik adäquat zu verpacken, doch so richtig gelungen ist das nicht. Von außen wirkt der Wagen ein wenig barock und zu normal für das, was in ihm steckt. Und im Innenraum gibt es zwar die erwähnten netten Details, doch andererseits auch die Lenkstockhebel aus dem Mazda 6 und eine Menge Plastiklook.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mazda
Typ: RX-8
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: Wankelmotor-Benziner-mit zwei Rotoren
Hubraum: 1.308 ccm
Leistung: 231 PS (170 kW)
Drehmoment: 211 Nm
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschw.: 235 km/h
Verbrauch (ECE): 11,4 Liter
CO2-Ausstoß: 270 g/km
Kofferraum: 290 Liter
Versicherung: 22 (HP) / 37 (TK) / 26 (VK)
Preis: 31.600 EUR
Für der Ausstattung allerdings muss man Mazda loben. Serienmäßig gehören ABS, ESP, Traktionskontrolle, sechs Airbags, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel, Lederlenkrad, Klimaanlage und eine Musikanlage ins Auto. Die Basisversion wird ab 26.300 Euro angeboten und soll, so die Marketingleute, auch "Golf-GTI-Fahrer" ins Grübeln bringen.

Die können dann das eingangs erwähnte Suchspiel nach den Dreiecken des Autos ausprobieren, wenn es mal wieder stockt am Horster Dreieck oder am Mönchshof-Dreieck.



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