Autogramm McLaren 720S Spider Wer Wind sät

Cabrio fahren mit bis zu 325 Kilometern pro Stunde - das ist mit dem McLaren 720S Spider möglich. Irre? Und wie, findet unser Autor.

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Der erste Eindruck: Windspiel! Man bemerkt sofort, dass das Design des 720S Spider dem Windkanal entstammt: Jede Sicke, jeder Schweller und jeder Spoiler hat nur einen Grund - die Luft optimal zu lenken. Das macht ihn schnell und sieht gut aus.

Das sagt der Hersteller: Nicht mehr PS, sondern weniger Pfunde sind das neue Kriterium in der Welt der Supersportwagen. Das sagt McLaren-Chef Mike Flewitt. Seiner Ansicht nach ist das Motorenwettrüsten allmählich beendet, angesichts der erreichten Leistungen und der verschärften CO2-Grenzwerte. Das Rennen um das leichteste Auto jedoch habe erst begonnen. Natürlich sieht Flewitt McLaren dabei in der Pole-Position. Ein Anspruch, den die Firma mit dem 720S Spider untermauert: Nicht nur, dass der Wagen lediglich 49 Kilogramm mehr wiegt als das Coupé. Mit 1332 Kilogramm sei das neue Auto zudem um 88 Kilogramm leichter als der nächst schwerere Konkurrent. "Das sind 88 Kilo, die nicht beschleunigt, nicht abgebremst und nicht durch die Kurve getrieben werden müssen," sagt Produktmanager Ian Digman. In einer Liga, in der ein paar tausend Euro für Magnesiumschrauben oder Karbonelemente ausgegeben werden, um ein paar Gramm zu sparen, sind das Welten.

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Autogramm McLaren 720S Spider: Leicht und schnell

Das ist uns aufgefallen: Anschnallen, einatmen - und ab geht die Post. Wenn man den Motor anlässt, die Doppelkupplung auf D stellt und den rechten Fuß durchdrückt, fühlt man sich wie in der Achterbahn, wenn der Wagen über den Scheitelpunkt kippt. Dann beginnt eine Raserei, die betörend ist. Die Beschleunigung: brachial. Die Fliehkräfte: brutal. Links, rechts, links, eng und immer enger nimmt der Spider die Kehren, er bremst bissig und beschleunigt auch so vehement - ein Ritt auf dem Rollercoaster könnte kaum mehr Adrenalin freisetzen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Auch wenn sich der McLaren anfühlt, als fahre er auf Schienen, hat man das Schicksal natürlich selbst in der Hand. Und je schneller man fährt, desto schmaler wird der Grat.

Schnell ist der 720S auch, wenn die Sonne rauskommt und das Verdeck runter muss. Ganze elf Sekunden dauert es, bis sich die Karbonschalen anheben und ins Heck falten. Das funktioniert auch während der Fahrt bis Tempo 50.

Das offene Dach beruhigt mitunter. Wer dann die Frisur schonen will, entdeckt den 720S Spider als Cruiser. Vor allem, wenn man die Finger von den beiden Drehschaltern im "Active Dynamics"- Panel lässt, mit denen man Motor, Elektronik und Aerodynamik stufenweise scharf schalten kann. Im Komfortmodus gibt sich der Spider für einen Sportwagen dieses Kalibers handzahm.

Auch wenn die Entwickler das Gewicht streng reduziert haben, müssen reiche Raser nicht auf Luxus verzichten. So lässt sich die Heckscheibe unabhängig vom Dach versenken. Herabgelassen lässt sie bei geschlossenem Dach ein wenig Motorenlärm ins Auto. Hochgezogen sperrt sie bei offenem Dach als Windschott ein wenig Luft aus. Auf Wunsch prangt im Verdeck ein großes Fenster, das sich auf Knopfdruck eintrüben oder aufhellen lässt. Das kennt man sonst nur vom Mercedes SL, der jedoch am entgegengesetzten Ende der Gewichtsskala rangiert.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des McLaren 720S Spider - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Der Spider kostet mindestens 280.000 Euro und ist damit rund 30.000 Euro teurer als das Coupé, das die Briten vor rund anderthalb Jahren in den Handel gebracht haben. Die Produktion der offenen Variante hat bereits begonnen, die ersten Exemplare sind auf dem Weg zu den Kunden. Angetrieben wird der Spider von einem V8-Turbo, der in diesem Fall auf 4,0 Liter Hubraum, 720 PS Leistung und 770 Nm Drehmoment kommt. Das reicht für einen Sprint von 0 auf 100 in 2,9 Sekunden, die 200 Sachen schafft der Zweisitzer in 7,9 Sekunden, Schluss ist erst bei 325 km/h - offen. Mit geschlossenem Dach lässt sich der Wagen sogar bis auf 341 km/h beschleunigen.

Das werden wir nicht vergessen: Den Blick zurück. Während man in offenen Sportwagen sonst nach hinten meist nichts sieht, überrascht der McLaren mit ungewohnten Aussichten. Die Karosseriestreben über dem Heckdeckel sind verglast und lassen den Blick ungehindert schweifen - auf die vielen überholten Fahrzeuge.

Fahrzeugschein
Hersteller: McLaren
Typ: 720S Spider
Karosserie: Spider
Motor: V8-Turbobenziner
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.994 ccm
Leistung: 720 PS (530 kW)
Drehmoment: 770 Nm
Von 0 auf 100: 2,9 s
Höchstgeschw.: 325 km/h
Verbrauch (ECE): 12,2 Liter
CO2-Ausstoß: 276 g/km
Kofferraum: 208 Liter
umgebaut: 150 Liter
Gewicht: 1.332 kg
Maße: 4543 / 2059 / 1196
Preis: 280.000 EUR
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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
jludewig99 01.03.2019
1. Geht doch
Endlich mal wieder ein Auto-Bericht der Emotionen und Leidenschaft zeigt und nicht den erhobenen Zeigefinger.
MatthiasPaschke 01.03.2019
2. Und wieder fehlen die wichtigsten Angaben
1. Reichweite mit 1 Tankfüllung bei Spassgeschwindigkeit... 2.Gesamtdauer der Fahrten bei Fullspeed im Jahr in Sekunden auf deutschen Autobahnen Ach ja, WLTP wäre auch schön...
der_anonyme_schreiber 01.03.2019
3.
Ein geiles Auto. Auch wenn man das Potential nie wirklich nutzen würde. Leider finanziell außerhalb meiner Reichweite.
steamhammer 01.03.2019
4. was soll das ? ( frei nach Grönemeyer)
hört auf derartige Berichte über Fahrzeuge zu machen, die für 99,8 % der Menschen unerschwinglich und auch unerwünscht sind. Boliden wie diese sind einfach nur dekadent. Warum nicht Vorstellungen von Fahrzeugen die noch irgendwo im Bereich der Welt der Leser liegen. Berichte wie dieser sind jedenfalls nur eins : peinlich!
Pickle__Rick 01.03.2019
5.
Carbonkarosserie Doppelkupplungsgetriebe something something....V8 Turbo Ja nett aber... Damit kann man eigentlich die meisten Supersportler der letzten Zeit beschreiben. Irgendwie reizt das nicht mehr. Dafür habe ich ziemlich mit viel Interesse verfolgt, wie der NIO EP9 in der letzten Folge von The Grand Tour getestet wurde und eine Menge dieser Karren gnadenlos hinter sich gelassen hat. Egal, der Mc Laren ist sowieso aktuell nicht in Reichweite. Wahrscheinlich werden die Käufer damit auch vortrefflich in London von Ampel zu Ampel fahren oder über irgendwelche Autobahnen in den Emiraten heizen können.
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