Autogramm Mercedes A 250e Reichtweite

Der Elektroauto-Trend geht klar zu Batteriemonstern mit Hunderten Kilometern Reichweite. Die Plug-in-Variante der Mercedes A-Klasse zeigt, warum das ein Irrweg ist - und man auch mit kleinem Akku klimafreundlich fahren kann.

Daimler

Von Thomas Geiger


Der erste Eindruck: Alles wie immer. Zwar fährt die A-Klasse 250e zeitweise auch elektrisch, doch zu sehen ist davon nichts - von zwei EQ-Logos abgesehen.

Das sagt der Hersteller: Kleines Auto, große Aufgabe. Während die Elektrifizierung der dicken Mercedes-Modelle vergleichsweise leicht gelingt, sei der Plug-in-Antrieb für die Kompaktmodelle eine ordentliche Knobelei gewesen, sagt Baureihenleiter Jochen Eck.

Das Resultat dieser Puzzlearbeit ist eine Abgasanlage, die bereits mitten unter dem Auto endet, außerdem ein Benzintank, der sich um die neue Hinterachskonstruktion schmiegt. Das schafft Platz für die Akkus, ohne das Kofferraumvolumen zu stark zu beschränken. "Damit machen wir die elektrifizierten Antriebe für eine deutlich breitere Kundenschicht erreichbar", sagt Eck. Das ist auch eine schlichte Notwendigkeit. Denn auch die Kompaktklasse müsse einen Beitrag dazu leisten, den CO2-Ausstoß der Mercedes-Flotte zu senken, sagt Eck.

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Autogramm Mercedes A 250e: Es geht Stromaufwärts

Das ist uns aufgefallen: Erst mal elektrisch! Wer den A 250e anlässt, wähnt sich in einem Akku-Auto. Denn die A-Klasse mit Plug-in-Hybridantrieb startet allein mit der Kraft der E-Maschine, die im achtstufigen Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Der Elektromotor entwickelt bis zu 75 kW Leistung und 300 Nm Drehmoment, treibt das Auto bis Tempo 140 an und wird von einem Akku mit einer Kapazität von 15,6 kWh gespeist. Wer braucht da noch einen Verbrenner? Gut, die Reichweite ist endlich: nach WLTP-Zyklus beträgt sie 68 Kilometer. Und das ist natürlich ein rein theoretischer Wert.

Andererseits kommt man in der Praxis locker ohne lokale Emissionen einmal quer durch eine Region wie das Rhein-Main-Gebiet. Erst, wer wirklich kräftig aufs Gas tritt, die elektrische Reichweite ausreizt oder auf der Autobahn schneller fahren will als Richtgeschwindigkeit, weckt den Verbrenner auf. Das geschieht angenehm sanft und leise. Der 1,3-Liter-Vierzylinder läuft so kultiviert, dass man schon aufs Display schauen muss, um zu erkennen, dass er im Einsatz ist.

Genau wie das Beschleunigungsverhalten und das Zusammenspiel der Motoren hat der Fahrer auch das Verzögern buchstäblich selbst in der Hand. Die sogenannte Rekuperation, also das Rückgewinnen von Energie beim Bremsen, lässt sich auf Knopfdruck in fünf Stufen regulieren. Je nachdem, wie stark der E-Motor zum Generator werden und wie viel Energie er zurückgewinnen soll. Entweder segelt die A-Klasse bei gelupftem Gasfuß oft bis zu einer Minute lang im Leerlauf, oder der Generator greift so viel Bewegungsenergie ab, dass es einen beinahe nach vorne in den Sicherheitsgurt wirft. Die mechanische Bremse wird hingegen nach ein bisschen Gewöhnung an das System kaum mehr benötigt.

Allerdings ist der A 250e so programmiert, dass man sich die Einstellvarianten auch getrost schenken und auf das Standardprogramm vertrauen kann. Dann regelt die Elektronik die Rekuperation anhand der Navi-Daten und des Abstandsradars und maximiert so die Reichweite automatisch.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes A-Klasse PiH - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der Verbrauch geht dabei deutlich nach unten. Die 1,4 Liter aus dem Datenblatt, ein wahrhaft fiktiver Wert, werden natürlich nicht erreicht. Doch mit dem üblichen Fahrprofil für Kompaktautos, die meist doch nur auf der Kurzstrecke unterwegs sind, lässt sich die A-Klasse im Alltag tatsächlich sehr sparsam fahren. Wer Sehnsucht nach einem Tankwart hat, dem kommt die Konstruktion des Modells entgegen: Damit der Tank um die Hinterachse passt, wurde sein Volumen auf 35 Liter reduziert. Deshalb muss der A 250e trotz des vergleichsweise geringen Verbrauchs ähnlich häufig an die Zapfsäule wie andere Autos auch.

Das muss man wissen: Die elektrifizierte A-Klasse kommt zum Jahreswechsel und kostet mindestens 36.944 Euro. Damit liegt sie nur 20 Euro über dem konventionellen A 250, der mit 224 PS auf einem vergleichbaren Leistungsniveau fährt. Das neue Modell ist Teil einer Plug-in-Offensive, zu der auch entsprechende Tandem-Antriebe für die Geländewagen GLC und GLE zählen.

Ab 37.301 Euro gibt es die gleiche Technik auch in der kompakten Limousine der Baureihe sowie ab 37.664 Euro aufwärts in der B-Klasse. Allen Modellen gemeinsam ist ein Akku mit 15,6 kWh Speicherkapazität und eine doppelte Ladetechnik. Weil das Laden an der 7,4 kW-Wallbox mit Wechselstrom knapp drei Stunden dauert, gibt es einen Gleichstromlader, an dem das Laden von zehn auf achtzig Prozent der Akkukapazität binnen 25 Minuten gelingt.

Das werden wir nicht vergessen: Das Staunen über die quietschenden Reifen bei einem unüberlegten Kickdown. Wenn die beiden Motoren an einem Strang ziehen, kommen die Pneus an ihre Grenzen. Dann fühlt sich die A-Klasse eher nach einer anderen Mercedes-Submarke an - statt in einem EQ wähnt man sich in einem AMG.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: A 250e
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzlinder-Benziner plus Elektromaschine
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.333 ccm
Leistung: 218 PS (160 kW)
Leistung (E-Motor): 101 PS (75 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Drehmoment (E-Motor): 300 Nm
Von 0 auf 100: 6,6 s
Höchstgeschw.: 235 km/h
Verbrauch (ECE): 1,4 Liter
CO2-Ausstoß: 33 g/km
Kofferraum: 310 Liter
umgebaut: 1.125 Liter
Gewicht: 1.680 kg
Maße: 4419 / 1796 / 1440
Preis: 36.944 EUR


insgesamt 176 Beiträge
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Seite 1
tutnet 20.09.2019
1. Warum max. 235 km/h und 218 PS?
218 PS aus einem 1,4 l Motorenzwerg? Wie lange soll der halten? Macht den Wagen EUR 10k billiger, max. 160 km/h und 90 PS wären auch ausreichend.
oli h 20.09.2019
2. Unerreichbar?
Warum sind die 1,4 l und erreichbar? Angenommen, jemand pendelt 10 km einfach in die Arbeit und lädt das Auto immer zu Hause in der Garage und ist nur am Wochenende auf dem Weg zur Oma ab und zu auf den Verbrenner angewiesen, dann sollten 1,4 l doch eigentlich drin sein?
allesmir 20.09.2019
3. ja und?
Was verbraucht er denn jetzt? Vor allem dann wenn auf Langstrecke nicht geladen wird winden sondern die Batterie nur via Motor und Rekuperation geladen wird.
klima66 20.09.2019
4. Verbrauch ?
Und was braucht er nun wirklich? Wenig ? Was ist wenig, was ist günstig ? Warum ist der Text nicht als Werbung gekennzeichnet?
gumbofroehn 20.09.2019
5. Gute Brückentechnologie
Auch wenn die schöngerechneten Verbrauchswerte für Plug-In-Hybride natürlich Unsinn ist: Für alle, die die meiste Zeit des Jahres im Stadtverkehr bzw. in der Region unterwegs sind und nur gelegentlich längere Strecken fahren, ist der Plug-In-Hybrid ein überzeugendes Konzept, um weitgehend lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. Wenn dann auch noch der Anschaffungspreis stimmt, wird die Sache interessant.
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