Autogramm Mercedes AMG GLE 63 S Coupé Buckelwal mit Bumms

Man kann es sich rational nicht erklären, aber SUV-Coupés sind Verkaufshits. Um BMW mit X6 und X4 nicht enteilen zu lassen, bringt Mercedes ein neues GLE-Coupé. Natürlich, passend zum ganzen Unsinn, auch in einer AMG-Variante.

Daimler

Der erste Eindruck: Delfin trifft Buckelwal.

Das sagt der Hersteller: Baureihenleiter Andreas Zygan glaubt an das SUV-Coupé und prophezeit, das GLE Coupé werde das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte. Überraschend ist das nicht. BMW bietet schließlich seit Jahren die Modelle X6 und X4 an, die selbst die kühnsten internen Verkaufserwartungen übertreffen.

Das ist uns aufgefallen: Hoch einsteigen, flach sitzen. Mit diesem Gegensatz spielt das GLE Coupé. Nach der obligatorischen Kletterpartie fühlt man sich in den tief ausgeschnittenen Sportsitzen der Straße näher als in normalen SUVs. Das kleinere, dicker gepolsterte Lenkrad und die stärker eingezogenen Dachkuppel verdichten sich zu dem Gefühl, in einem Projektil Platz genommen zu haben, und das stimmt ja auch, zumindest für die AMG-Variante, dem GLE 63 S von AMG. 585 PS, bis zu 760 Nm Drehmoment sollen aus dem 2,4-Tonner einen gefühlten Sportwagen machen.

Um diesem Anspruch zu genügen, setzt Mercedes in allen Coupé-Varianten auf eine aufwendige Fahrwerksregelung namens "Dynamic Select". Sie bietet mit dem Eingriff in Federung, Lenkung, Getriebe, Gaspedalkennlinie und die Kraftverteilung des Allradantriebs bis zu fünf verschiedene Fahrprogramme - vom sänftengleichen "Comfort"-Modus bis zum knüppelharten "Sport+"-Modus. Möglich ist auch noch eine Kombination mit einem elektronischen Wankausgleich.

Die Physik jedoch lässt sich durch derlei Tricks nicht aushebeln: Je enger die Kurven und höher das Tempo, desto schwerer tut sich das Dickschiff. Am Steuer fühlt man sich dann, als steuere man einen Kutter durch schwere See. Davon unbenommen ist das GLE Coupé das bislang sportlichste SUV aus Sindelfingen und kommt der fahrdynamisch überlegenen Konkurrenz aus Zuffenhausen oder München näher als je zuvor.

Zugleich ist das GLE Coupé mehr als jeder andere Mercedes-SUV ein Auto für Egoisten und ganz um den Fahrer herum entwickelt. Doch anders als in einem echten Coupé kann man im Fond problemlos Passagiere mitnehmen. Sobald die erst einmal unter der tief herunter gezogenen Dachsäule durchgetaucht sind und solange sich nicht drei Leute auf der Rückbank drängen, sitzt man im GLE Coupé nicht schlechter als in der bisherigen M-Klasse.

Das muss man wissen: Die ersten Coupés aus dem US-Werk Tuscaloosa schippern bereits über den Atlantik und sollen ab Mitte Juli bei den Händlern stehen. Die Preise beginnen bei 66.700 Euro für den 258 PS starken GLE 350d mit einem V6-Diesel und sind bei den 125.486 Euro für den AMG 63 S noch lange nicht zu Ende.

Selbst das sportliche Top-Modell ist alles andere als üppig ausgestattet. Es lässt sich mit Selbstverständlichkeiten wie einer Dreizonen-Klimaanlage, einem Navigationssystem, den üblichen Assistenten für Abstand und Spurführung oder Luxus-Extras wie besonderen Lacken und Ledersorten, einem beleuchteten Mercedes-Stern oder einem Markenlogo-Projektor in den Außenspiegeln leicht auf mehr als 150.000 Euro treiben. Da ist die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 280 km/h für 893 Euro fast schon ein Schnäppchen.

Wie jedes Coupé ist auch der schnittige Ableger des GLE teurer als das Grundmodell, das zum September ebenfalls überarbeitet wird und dann bei identischer Motorisierung knapp 6000 Euro weniger kostet. Zudem gibt es den normalen GLE künftig auch als 250d und auf Wunsch nur mit Heckantrieb, sodass der Preis auf 53.967 Euro sinkt. Dieses Modell wird mit 5,4 Liter theoretischem Durchschnittsverbrauch der sparsamste Verbrenner-SUV des Segments sein, sagt Zygan. Das liegt auch an der neuen Neunstufen-Automatik, die in zahlreichen GLE-Varianten zu haben ist und dabei hilft, dass deren Verbrauch im Schnitt um 17 Prozent sinkt.

Neben dem Einstiegsdiesel für den GLE gibt es für beide Modellvarianten einen V6-Benziner mit 333 PS, einen V6-Diesel und die beiden 63er-Typen von AMG mit 557 oder 585 PS. Das Coupé kann man obendrein als Sportmodell AMG 450 mit einem 367 starken Sechszylinder und den GLE als 500er mit einem 435 PS starken V8 bestellen. Der ganze Stolz der Ingenieure ist aber die Plug-In-Hybrid-Variante, die dem normalen GLE vorbehalten ist. GLE 500e heißt der Wagen mit einer dem Nachhaltigkeitsgedanken total widersinnigen Systemleistung von 449 PS, rund 30 Kilometer elektrischer Reichweite und einem Normverbrauch von 3,3 Liter. Daran zu glauben, kommt Esoterik im Übrigen schon ziemlich nahe.

Das werden wir nicht vergessen: Wer schön sein will, muss leiden. Das bedeutet im Fall des GLE Coupé, dass Ladegut über eine fast bauchhohe Brüstung in den Kofferraum gehievt werden muss. Das sportliche Auto braucht offenbar auch kräftige Fahrerinnen oder Fahrer - die sich vorher mit Beinschwingen warm machen können. Denn der Sensor für die Öffnungsautomatik der Heckklappe sitzt auf Höhe des Knies.

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insgesamt 387 Beiträge
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ctwalt 14.07.2015
1. Super....
Ingo! Ein Auto, welches Selbstbewusstsein ausstrahlt. Ein selbsbewusstes Auoto, sind wir soweit? Aber irgendwer wird diese nicht Fisch-nicht Fleisch Karren schon kaufen.
thomas.d. 14.07.2015
2. Gleich kommen sie wieder
Gleich kommen sie wieder, die erfolgreich Geschäftsleute in diesem Forum, die schon alles gefahren haben, vom A8 bis zum 911 Turbo, natürlich immer mit um 300 km/h unterwegs. Die sich auch dieses Fahrzeug oder sollte man besser Kleinlkw holen werden. Man bemerke den Unterschied HOLEN nicht KAUFEN. Kaufen muss nur der Pöbel. Der eloquente Forengeschäftsman holt.
assiwichtel 14.07.2015
3.
So, jetzt nur noch die Höhe um 40 cm reduzieren, die hinteren Türen zuschweissen, die vorderen etwas verlängern, dann könnte das Ganze vielleicht zu einem schicken Coupé werden. Wird hier sicher lustig heute!
fahrgast07 14.07.2015
4. Karrikatur?
Man fragt sich, ob Mercedes seine Kunden karrikieren will: Wie weit kann man den Unsinn treiben, bis auch der geltungssüchtigste Schnösel merkt, wie lächerlich das ganze ist? Leute mit mehr Geld als Verstand gibts reichlich.
archpunkt 14.07.2015
5. Aprilscherz
In Anbetracht eines auf die Strasse projezierten Mercedes-Logos habe ich erst einmal auf den Kalender gucken müssen, um als Datum den 1. April auszuschließen. Die einzige Spannung bei solch ingenieurtechnischem Unsinn: Was fällt den Entwicklern als Nächstes ein?
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