Mercedes B-Klasse Verjüngungskur für den Rentner-Benz

700.000 Autos in sieben Jahren sind nicht schlecht. Doch wenn Mercedes jetzt die zweite B-Klasse bringt, sind die Hoffnungen noch größer. Mit ihr beginnt, was Daimler-Chef Zetsche "den Angriff auf das Kompaktsegment" nennt. Dabei setzt er vor allem auf innere Werte.


Bei diesem Auto sparen sie nicht mit großen Worten: Vom "neuen Zeitalter in der Kompaktklasse" ist die Rede, wenn Mercedes jetzt im November die zweite Auflage der B-Klasse in den Handel bringt. "Mit ihr starten wir den Angriff auf das Kompakt-Segment", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche und will die Klasse, in der zum Ende des Jahrzehnts weltweit jährlich fast 34 Millionen Autos verkauft werden sollen, gleich mit fünf Modellen erobern. Mit einem kleinen Geländewagen und einer handlichen Limousine betreten die Schwaben dabei Neuland, und mit der nächsten A-Klasse attackieren sie vor allem die Konkurrenten, die eine jüngere Kundschaft ansprechen. Aber die B-Klasse ist der Bewahrer, der die immerhin 700.000 Bestandskunden mitnehmen soll in die neue Zeit.

Geräumig, variabel und gemütlich rettet sie deshalb die alten Tugenden und will vor allem mit inneren Werten überzeugen: Neben dem Design mit einem Hauch mehr Leidenschaft sind das besonders der aufgemöbelte Innenraum, das gereifte Fahrwerk und eine neue Generation von Motoren. "Hier war Effizienz das große Thema", sagt Baureihenleiter Jörg Prigl und freut sich bei den je zwei Dieseln und Benzinern von 109 bis 156 PS über Verbrauchswerte zwischen 4,4 und 5,9 Litern. "Das sind bis zu 21 Prozent weniger als früher." Und dabei soll es nicht bleiben. Denn die B-Klasse sei schon für zukünftige Anforderungen gerüstet, schwärmt Prigl und zeigt Konstruktionsskizzen mit dem sogenannten "Energy Space". Das ist der Stauraum im Tiefparterre, der vom alten Sandwich-Boden übrig geblieben ist und Platz für alternative Antriebe bietet: Ob Akku, Range Extender, oder Brennstoffzelle - die Mercedes-Leute halten sich alle Möglichkeiten offen.

Fürs erste allerdings muss man sich mit konventionellen Motoren wie dem 1,8-Liter-Diesel begnügen, der im B 200 CDI 136 PS leistet. Für die nötige Gelassenheit im Dschungel der Großstadt und bei der flotten Landpartie sorgen nicht nur das maximales Drehmoment von 300 Nm, das den Spurt in 9,5 Sekunden ermöglicht, und die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h. Auch das neue, ausgesprochen weich schaltende Doppelkupplungsgetriebe trägt seinen Anteil dazu bei.

Blechwürfel mit Konturen

Aber der Wagen kann auch anders: Weil der Schwerpunkt um mehr als zwei Zentimeter sank, taugt die B-Klasse jetzt auch für die Kurvenhatz auf der Landstraße. Allerdings sollte man dann zur Direktlenkung greifen, weil die elektrische Servo-Unterstützung bei der Standardversion allzu synthetisch wirkt. Auch das Fahrwerk ist eher komfortabel abgestimmt, lässt sich aber gegen Aufpreis auch spürbar straffer auslegen.

War die B-Klasse bislang eher das Stiefkind der Familie, will das Auto jetzt endlich ein kleiner Mercedes sein: "Premium ist keine Frage der Abmessungen", sagt Zetsche und verweist auf den Innenraum. Schon außen sieht der Wagen deutlich besser aus, weil er flacher (minus fünf Zentimeter) und länger (plus neun Zentimeter) geworden ist, die Proportionen stimmiger sind, auf den Oberflächen mehr Muskeln spielen und der Blechwürfel seine pausbäckige Beliebigkeit eingebüßt hat. Aber innen macht die B-Klasse gleich drei Schritte nach vorn: Die Oberflächen fühlen sich gut an, Knöpfe und Hebel wackeln und klappern nicht und lassen sich trotzdem leicht bewegen.

Außerdem bietet die B-Klasse deutlich mehr Platz und eine bessere Sitzposition als früher: Der bequeme Einstieg und die gute Übersicht sind zwar geblieben, aber fast neun Zentimeter näher an der Straße sitzt man jetzt eher im als auf dem Sessel und hat deshalb ein besseres Gefühl für sein Fahrzeug. Auch die Hinterbänkler profitieren: Schon in der Basiskonfiguration ist man im Fond bequemer untergebracht als zum Beispiel in der C-Klasse. Hinzu kommt, dass man die Rückbank um 14 Zentimeter verschieben kann. Das schafft wahlweise mehr Platz als in der S-Klasse, oder ein Kofferraumvolumen von 666 Litern.

Lange Aufpreisliste

Dazu gibt es jede Menge Assistenzsysteme: "Alles, was man aus den großen Baureihen kennt, bieten wir jetzt auch bei den Kompakten an", sagt Prigl und rattert eine schier endlose Liste vom Müdigkeitswarner bis zur Verkehrszeichenerkennung herunter. Besonders stolz sind die Schwaben auf die radargestütze Kollisionswarnung. Mit dieser automatischen Notbremse wollen sie etwa 20 Prozent der Auffahrunfälle ganz verhindern und weitere 25 Prozent deutlich entschärfen.

Dieser in der Kompaktklasse einzigartige Helfer ist sogar serienmäßig an Bord. Und das, obwohl die B-Klasse zumindest als Basismodell unverändert 26.001 Euro kostet. Der Preis lässt sich allerdings deutlich nach oben treiben - denn alles was wirklich pfiffig ist, steht in der Aufpreisliste. Für das intelligente Licht zum Beispiel verlangt Mercedes fast 1700 Euro, für das Chrompaket mit den Lüfterdüsen aus dem SLS 350 Euro, und die verschiebbare Rückbank lassen sich die Schwaben mit fast 700 Euro bezahlen - auch da ist die B-Klasse eben ein echter Mercedes.

Zu den neuen Extras zählt auch das fast 4000 Euro teure Infotainmentsystem mit Online-Zugang und einer Art App-Store für den schmucken Flachbildschirm auf der Mittelkonsole, über den man Zusatzprogramme wie Facebook oder Google Street View ins Auto holen kann. "Das muss man heute haben, wenn man ein Auto fit für die Zukunft machen und junge Kunden erreichen will", sagt Baureihenleiter Prigl. Zumindest in der B-Klasse dürfte sich die Zahl der Bestellungen allerdings in engen Grenzen halten. Denn ihre Käufer sind durchschnittlich 58 Jahre alt. Damit zählt sie nach einer aktuellen Studie des Automobilwirtschaftlers Ferdinand Dudenhöffer zu den zehn ältesten Autos der Republik.



insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schlauer Det 07.10.2011
1. A+d
"Denn ihre Käufer sind durchschnittlich 58 Jahre alt. Damit zählt sie nach einer aktuellen Studie des Automobilwirtschaftlers Ferdinand Dudenhöffer zu den zehn ältesten Autos der Republik." Wie hießen die doch gleich bei den Banken? Achja, AD-Kunden, für alt und doof. Seit der Serie W124 ist die Marke "Mercedes" doch nur noch ein Marketing-Gag.
Zenzai, 07.10.2011
2. Hinsichtlich des Stylings
für meine Begriffe ein Rückschritt. Das Vorgängermodell wirkte schon eigen, dafür dann aber immerhin aus einem Guss. Der Nachfolger aber sieht jetzt aus wie ein missglückter Opel Meriva ohne gegenläufig öffnende Türen. Dieses B-Modell kann für mich als eines der hässlichsten Autos dieser Jahre durchgehen - da hat ein Fahrzeug wie der Nissan Juke etwa dann doch immerhin noch so etwas wie eigenwillige Individualität.
GyrosPita 07.10.2011
3. .
Zitat von schlauer Det"Denn ihre Käufer sind durchschnittlich 58 Jahre alt. Damit zählt sie nach einer aktuellen Studie des Automobilwirtschaftlers Ferdinand Dudenhöffer zu den zehn ältesten Autos der Republik." Wie hießen die doch gleich bei den Banken? Achja, AD-Kunden, für alt und doof. Seit der Serie W124 ist die Marke "Mercedes" doch nur noch ein Marketing-Gag.
Wer das Gesülze von "Auto-Papst" Dudenhöffer für voll nimmt sollte sich nicht über vermeintliche "AD-Kunden" auslassen.
Jörg Starkmuth 07.10.2011
4. Uaaah ...
Das Ding ist einfach NUR hässlich und langweilig. In der Hinsicht überbietet es sogar den Golf.
ohne_sorge 07.10.2011
5. Kein Titel
Ich kann immer noch nicht verstehen, warum sich die erste Generation überhaupt verkauft hat. Manche Leute kaufen offenbar einfach alles wenn Mercedes draufsteht und es teuer ist...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.