Mercedes-Benz M-Klasse M wie Mehr-Wert

Als die M-Klasse 1997 auf den Markt kam, gab es Kritik: zu amerikanisch, zu wenig Mercedes, zu viele Probleme mit der Qualität. Verkauft hat sich die "Mängel-Klasse" dennoch, weltweit über 620.000 Mal. Anfang Juli steht die neue, markantere M-Klasse beim Händler.

Von Frank Wald


 Mercedes-Benz M-Klasse: Wuchtiger Kühlergrill

Mercedes-Benz M-Klasse: Wuchtiger Kühlergrill

Aus einer neuen Modellreihe einen typischen Mercedes zu machen, scheint den Stuttgartern immer erst im zweiten Anlauf zu gelingen. Ähnlich der A-Klasse, in der ersten Generation mit Problemen und Kritik beladen und erst mit der Vorstellung des neuen Modells im vergangenen Jahr zum echten Mercedes erwachsen, zeigt auch die neue M-Klasse endlich all das, was man von einem "Premium-SUV von Mercedes" erwartet: "Mehr Wertigkeit und hochwertige Anmutung" stünden bei der neuen M-Klasse im Vordergrund, sagt Mercedes-Marketing- und Vertriebsvorstand Joachim Schmidt.

Moderner und dynamischer

Der Mehr-Wert wird schon auf den ersten Blick sichtbar. Das Design wirkt moderner und dynamischer, konturierte Formen und ansteigende Karosserielinien prägen das Bild. Statt brav gerundet ist die Front nun markant modelliert mit wuchtigem Kühlergrill, ausgeprägten Blechsicken und weit außen platzierten Klarglasscheinwerfern. Für Offroad-Optik sorgt ein silber abgesetzter Unterfahrschutz. Von der Seite fallen die ausgeprägten Radhäuser und die Fenstergrafik ins Auge, in der Rückansicht das gewölbte Heck mit den hoch angesetzten Stoßfängern.

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Mercedes-Benz M-Klasse: M wie Mehr-Wert

"Länger, breiter, niedriger", sagt Produkt-Designer Martin Bremer, hieß die Gestaltungsformel der neuen M-Klasse, die nun 4780 Millimeter in der Länge (plus 150), 1911 in der Breite (plus 71) und 1815 in der Höhe (minus fünf) misst. Der Radstand wuchs ebenfalls um 95 auf 2915 Millimeter. Die zusätzlichen Zentimeter kamen dem Innenraum zugute. Der Abstand zwischen Vorder- und Rücksitz wuchs um 15 auf 880 Millimeter, Knie- und Ellenbogenfreiheit vergrößerten sich jeweils um rund drei Zentimeter und liegen damit jetzt auf Niveau einer Oberklasse-Limousine.

Das Cockpit ist gut sortiert

Ähnliches gilt für Materialien und Haptik, die beim Vorgänger immer wieder Anlass zur Kritik gaben. Hier haben die Schwaben ordentlich nachgebessert. Der Fahrer schaut nun auf ein wohlsortiertes Cockpit mit chromgerandeten Rundinstrumenten und Lüftungsdüsen, die Materialien fühlen sich gut an, die Farben sind dezent gewählt.

 Das Wageninnere der M-Klasse: Platz für großes Ablagefach

Das Wageninnere der M-Klasse: Platz für großes Ablagefach

Das multifunktionale Lederlenkrad ist Serie, ebenso wie die sogenannte Direct-Select-Bedienung, bei der ein kurzer Wählhebel an der Lenksäule elektronisch das Siebengang-Automatikgetriebe anwählt. Anstelle des Wählhebels in der Mittelkonsole ist jetzt Platz für ein großes Ablagefach und Cupholder, was inzwischen nicht mehr nur den amerikanischen Kunden freut. Wer es lieber manuell mag, kann die Gänge auch zusätzlich über Schalttasten an der Rückseite des Lenkrads durchzappen. Das ist zwar unnötig, weil die sogenannte 7G-Tronic schnell und ruckfrei die Fahrstufen rauf- und runter schaltet.

 Mercedes-Benz M-Klasse: Gewölbtes Heck mit hochangesetzten Stoßfängern

Mercedes-Benz M-Klasse: Gewölbtes Heck mit hochangesetzten Stoßfängern

Doch lässt sich die neue M-Klasse auf der Straße auch durchaus sportlich bewegen. Der bisherige Leiterrahmen wurde durch eine selbsttragende Karosserie ersetzt. Das ermöglicht weniger Gewicht, mehr Komfort sowie einen tieferen Schwerpunkt des Fahrzeugs. Doppelquerlenker-Vorderachse mit hoch angesetztem Dreieckslenker sorgen für spürbar guten Abrollkomfort und Fahrdynamik, Vierlenker-Prinzip an der Hinterachse für sichere Spurtreue. Ordert man die Luftfederung Airmatic (1856 Euro Aufpreis) mit dem automatisch regelndem Dämpfungssystem hinzu, lässt sich der 2,1 Tonnen schwere SUV fast wie ein Pkw durch die Kurven treiben. Egal mit welchem Motor.

Von den zunächst angebotenen Aggregaten gefiel uns am besten der V6-Turbodiesel im ML 320 CDI, der auch schon in den C- und E-Baureihen zum Einsatz kommt. Mit seinen 224 PS (165 kW) und dem üppigen Drehmoment von 510 Newtonmeter ab 1600 Umdrehungen zieht er mächtig an und hat in jeder Situationen leichtes Spiel mit der Fuhre. Dabei übertönen, spätestens nach dem dritten Überholmanöver, die Begeisterungsausrufe des Beifahrers das schon recht gut isolierte, wenn auch noch hörbare Diesel-Nageln.

Mehr Laufruhe, wenn auch nicht ganz soviel Durchzug, zeigt dagegen das V6-Benziner-Pendant im ML 350 mit 272 PS (200 KW) - und macht im Grunde den ML 500 mit bekanntem 5-Liter-Achtzylinder (306 PS / 225 kW) entbehrlich. Doch in den USA, wo die M-Klasse vom Band rollt und schon im April auf den Markt kommt, geht bekanntlich nichts ohne V8. Der Einsatz eines neu entwickelten Achtzylinders, den Mercedes in der Pipeline hat, soll zunächst der neuen S-Klasse vorbehalten sein, die auf der IAA im September Premiere feiert.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: ML 320 CDI
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Diesel
Hubraum: 2.987 ccm
Leistung: 224 PS (160 kW)
Drehmoment: 510 Nm
Von 0 auf 100: 8,6 s
Höchstgeschw.: 215 km/h
Verbrauch (ECE): 9,8 Liter
CO2-Ausstoß: 260 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 551 Liter
umgebaut: 2.050 Liter
Preis: 48.662 EUR
In Europa hingegen, so rechnet Mercedes, soll der ML 280 CDI den Löwenanteil an den Verkäufen bringen. Der neue Sechszylinder-Turbodiesel mit 190 PS (140 kW) und 440 Newtonmeter Drehmoment, der allerdings erst im Oktober ausgeliefert wird, löst den bisherigen 270 CDI ab, mit dem europaweit über 70 Prozent der Vorgängermodelle bestückt waren. Beide Diesel sind ab Werk mit Partikelfilter ausgerüstet.

Ebenfalls zur Serie gehören permanenter Allradantrieb und das 4ETS-Traktionssystem, das Mercedes durch zusätzliche Funktionen wie eine Bergabfahrhilfe, Anfahr-Assistent und Offroad-ABS erweitert hat. Das reicht für jede feuchte Wiese oder die Abkürzung durch den Wald. Zum wahren Klettermaxe wird die M-Klasse erst durch ein Offroad-Technikpaket. Für 1914 Euro gibt's hier eine Geländeuntersetzung, zwei manuell oder automatisch zuschaltbare Differenzialsperren zwischen Vorder- und Hinter sowie an der Hinterachse. Voraussetzung dafür ist allerdings die fürs Gelände modifizierte Luftfederung, mit der die Bodenfreiheit um 110 auf bis zu 291 Millimeter und die Wattiefe auf bis zu 60 Zentimeter angehoben werden kann. Und die kostet noch mal 1856 Euro.

Üppige Aufschläge

Womit wir beim letzten Mehrwert-Kapitel wären: den Preisen. Die aktuelle Liste startet bei 46.342 Euro für den ML 280 CDI und endet mit dem ML 500 für 63.220 Euro. Mercedes rechtfertigt die üppigen Aufschläge mit der umfangreichen Serien- und Sicherheitsausstattung, bestehend unter anderem aus Siebengangautomatik, Direktschaltung, Klimaautomatik, Tempomat, Leichtmetallrädern, Front-, Side- und Windowbags für alle Sitzreihen, ESP mit Reifendruckwarner. Unverständlich: Sicherheitskopfstützen (174 Euro) und Gepäckraumabdeckung (133,40 Euro), in jedem Mittelklasse-Kombi inzwischen Standard, waren leider nicht mehr im Preis mit drin.



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