Mercedes C 200 Streber aus dem Schwabenland

Vor allem Sportlichkeit soll die neue C-Klasse von Mercedes suggerieren: Beim Motorenangebot gelingt das gut. Die Abstimmung des Fahrwerks enttäuscht dagegen.


Das neue Modell von Mercedes-Benz soll alles besser können. Besser als der Vorgänger und natürlich besser als die Konkurrenz. "Die C-Klasse ist der neue Leitstern in der Mittelklasse", schwärmte Mercedes-Pkw-Vorstand Jürgen Hubbert bei der Fahrpräsentation in Frankfurt am Main.

Ganz auf Sportler getrimmt - wenn auch nicht immer erfolgreich: die neue C-Klasse

Ganz auf Sportler getrimmt - wenn auch nicht immer erfolgreich: die neue C-Klasse

Noch in diesem Jahr sollen 150.000 Modelle des schwäbischen Strebers gebaut und verkauft werden. Die Eroberungsrate - also der Gewinn von Kunden anderer Automarken - soll bei mehr als 30 Prozent liegen. Doch damit nicht genug: Mercedes will mit der neuen C-Klasse den Altersdurchschnitt seiner Kunden endlich unter die 50er-Marke drücken.

Nicht zuletzt deshalb ist beinahe unentwegt von "Fahrdynamik", "Sportlichkeit" und "der Konkurrenz aus München" die Rede. Ganz klar: Die C-Klasse hat die Aufgabe, das Image in Richtung Hipness zu steuern - ungefähr dahin, wo auch die Mercedes-Werbung positioniert ist.

Mit dem Einstiegsmodell C 180 ist das wohl kaum zu schaffen, denn so frisch und flott das Design der Limousine auch wirkt, der 129 PS (95 kW) starke Vierzylinder ist mit dem knapp 1,5 Tonnen schweren Fahrzeug ein wenig überfordert - jedenfalls kann keine Rede von Sportlichkeit sein.

Edleres Design lässt sich Mercedes extra bezahlen: Die C-Klasse in der Ausstattungslinie Elegance kostet knapp 3500 Mark zusätzlich

Edleres Design lässt sich Mercedes extra bezahlen: Die C-Klasse in der Ausstattungslinie Elegance kostet knapp 3500 Mark zusätzlich

Die kommt beim C 200 mit Kompressor-Triebwerk schon eher auf. Der Vierventiler leistet 163 PS (120 kW) und geht durchaus kernig ans Werk. Der Motor dreht prima hoch, klingt beim herzhaften Beschleunigen satt und sogar ein klein bisschen aggressiv, um sich dann wieder aufs Flüstern zu besinnen. Bei Tempo 220 geht es im Innenraum so gesittet zu wie in anderen Modellen bei 140 km/h.

Gut gefällt auch das Fünfgang-Automatikgetriebe (Aufpreis 3712 Mark); weniger sinnvoll dagegen erscheint das Sechsgang-Schaltgetriebe, das Mercedes serienmäßig anbietet. Ein Gimmick, das Sportlichkeit suggerieren soll, im Alltagsbetrieb aber eher nervt.

Wenn schon Sportlichkeit und Dynamik anvisiert werden, dann wäre es besser gewesen, das Fahrwerk etwas straffer abzustimmen. Die C-Klasse liegt zwar wunderbar sicher und von diversen elektronischen Hilfssystemen unterstützt sehr präzise auf der Fahrbahn, doch im Grunde ist die Abstimmung sanft und unaufgeregt ausgelegt.

"Plötzlich ist alles anders" lautet die zentrale Botschaft der Marketing-Leute von Mercedes. Nun ja, optisch ist tatsächlich vieles anders geworden, doch das geschah keineswegs plötzlich, sondern passt vielmehr in die bereits seit Jahren vonstatten gehende Modernisierung des Daimler-Designs.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: C 200 Kompressor
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benziner-Kompressor
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Drehmoment: 230 Nm
Von 0 auf 100: 9,3 s
Höchstgeschw.: 230 km/h
Verbrauch (ECE): 9,5 Liter
CO2-Ausstoß: 225 g/km
Kofferraum: 455 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 20 (TK) / 32 (VK)
Preis: 27.283 EUR
Das Revolutionäre, das im Motto anklingt, liegt in den technischen Details, die bislang in der Mittelklasse nicht oder nur gegen deftige Aufpreise verfügbar waren. Bei der C-Klasse serienmäßig sind zum Beispiel zweistufige Front-Airbags, die Bremshilfe "Brake Assist", das elektronische Fahrsicherheitssystem ESP oder der "Fahrlicht-Assistent", der bei Dämmerung das Licht automatisch einschaltet.

Bei der Optik lässt sich Mercedes allerdings die Details weiterhin bezahlen: Die Metallic-Lackierung kostet 1508 Mark Aufpreis. Und für die Avantgarde-Ausstattung, Favorit von Designchef Peter Pfeiffer, sind 3480 Mark auf den Tisch des Hauses zu legen.



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