Autogramm Mercedes CLA Der Scheinriese

Länger, breiter, sportlicher: Mit dem neuen CLA gaukelt Mercedes der Kundschaft Großes vor. In einer Disziplin schwächelt der Zwitter aus Kompakt- und Mittelklasseauto jedoch.

Tom Grünweg

Der erste Eindruck: Druck von oben? Der neue CLA sieht aus, als hätte er eins aufs Dach bekommen und wäre dabei ordentlich in die Länge gegangen.

Das sagt der Hersteller: Mercedes feiert den CLA als Erfolgsmodell. Überdurchschnittlich viele der 750.000 CLA-Kunden in den vergangenen fünf Jahren fuhren vorher eine andere Marke. Vor allem in den USA schlug der CLA ein. Die Neuauflage solle diese Position festigen, sagt Vertriebschefin Britta Seeger. "Der Wagen ist noch emotionaler und sportlicher als das Vorgängermodell. Gepaart mit neuen Bediensystemen setzt er neue Maßstäbe für die ganze Klasse."

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Autogramm Mercedes CLA: Gerne groß

Das ist uns aufgefallen: Schon auf den ersten Blick wirkt der CLA, als sei er dem Kompaktsegment entwachsen. Der Wagen erstreckt sich nun über 4,69 Meter Länge, ist so lang wie eine C-Klasse. Das hat Folgen für die Sitzprobe. Zwar geht es im Fond unterm Dach eng zu. Aber vorn ist die Kompaktlimousine der C-Klasse überlegen. Die Platzverhältnisse sind nicht schlechter, das Ambiente wirkt jünger. Das liegt an Spielereien wie den beleuchteten Lüfterdüsen. Und den LED-Leisten mit ihren 64 Farben, die sich mit Musik- und Klimaanlage zu Wellnessprogrammen kombinieren lassen. Vor allem jedoch liegt es am Bediensystem MBUX, das auf dem Breitbanddisplay im Cockpit läuft.

Der CLA reagiert auf Handbewegungen, bei denen der Bildschirm nicht berührt werden muss. In Autos von BMW und VW funktioniert das schon länger. Eine Kamera registriert die Gestik und löst daraufhin Funktionen aus. Wer selbst das zu anstrengend findet, nutzt die Sprachsteuerung. Sie ist bisher konkurrenzlos, zapft Datenbanken im Internet an und beantwortet Fragen des Allgemeinwissens. Das alles kann die C-Klasse noch nicht - sie wirkt gegen den CLA wie ein Rentner-Benz.

In Sachen Fahrdynamik schlägt der CLA zumindest seine Plattformgeschwister wie die A-Klasse. Das liegt an der breiteren Spur. Mercedes hat vorn und hinten etwa sechs Zentimeter spendiert. So steht das Auto satter und stabiler auf der Straße. Weil der Schwerpunkt im CLA tief liegt, fährt er von allen kompakten Mercedes-Modellen am sportlichsten.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes CLA - mit unserem 360-Grad-Foto:

Beim Beschleunigungsvergleich mit der C-Klasse erweist sich der CLA allerdings als Scheinriese. Das Doppelkupplungsgetriebe des CLA schaltet nicht so komfortabel wie der konventionelle Wandler der C-Klasse. Und auch wenn es dem Zweilitermotor im Topmodell CLA 250 mit 224 PS und 350 Nm nicht an Kraft fehlt, klingt der Vierzylinder angestrengter als ein Sechszylinder, der in der C-Klasse verfügbar ist. Im CLA wird er nicht angeboten.

Das muss man wissen: Der neue Mercedes CLA ist ab Mai lieferbar. Das Basismodell CLA 180 mit einem 1,3-Liter-Benziner und 136 PS Leistung kostet ab 31.476 Euro. Zur Einordnung: Eine A-Klasse-Limousine mit diesem Motor gibt es für 27.549 Euro, eine C-Klasse mit 129 PS kostet 32.535 Euro.

Den 1,3-Liter-Ottomotor gibt es im CLA auch mit 163 PS Leistung; darüber hinaus stehen ein Zweiliteraggregat im CLA 220 mit 190 PS und im CLA 250 mit 225 PS Leistung (der Motor des Testwagens) zur Wahl. Diese beiden Maschinen sind auf Wunsch mit Allradantrieb zu haben. Damit klettert der Preis ohne weitere Extras auf 41.710 Euro. Mit ein paar Kreuzchen in der langen Optionsliste knackt man schnell die 50.000-Euro-Marke.

Bei den Dieselmotoren gibt es zum Start lediglich den 180d mit 1,5 Liter Hubraum und 116 PS Leistung. Später folgt ein Zweiliterdiesel, der im CLA 200d 150 und im CLA 220d 190 PS leistet. Außerdem bereitet AMG schon einen CLA 35 mit 306 PS vor und hat auch einen 45er in petto, für den es noch keine Leistungsangabe gibt.

Es wird auch eine zusätzliche Karosserie geben: Wem der Kofferraum zu klein und dessen Klappe zu schmal ist, für den bringen die Schwaben den CLA wieder als Sportkombi namens Shooting Brake.

Das werden wir nicht vergessen: Das Navigationssystem mit seiner sogenannten Augmented Reality. Dabei werden Kamerabilder und Grafiken auf dem Bildschirm eingeblendet. Es entsteht eine Scheinrealität - und die ist ganz schön hilfreich.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: CLA 250 4matic
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.991 ccm
Leistung: 224 PS (165 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 6,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 6,5 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kofferraum: 460 Liter
Gewicht: 1.550 kg
Maße: 4688 / 1830 / 1444
Preis: 41.710 EUR
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insgesamt 47 Beiträge
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mazzmazz 23.04.2019
1. Nehme ich!
Mit Wandlerautomat und 200 PS Benziner würde ich ihn zum US-Preis nehmen. Leider sind DKG und 50.000 Eur für einen aufgemotzten Kompaktwagen selbst für Mercedes zu wenig gute Technik für zu viel Geld. Dann besser eine einfacher ausgestattete C-Klasse.
robinlott 23.04.2019
2.
Innovative Antriebe? Brennstoffzelle? Baterieelektrisch? Wenigstens Benzin-Elektro-Hybrid? Fehlanzeige. Stattdessen Innenraum im eleganzbefreiten bling-bling Design. Wer's mag. Nur zukunftsweisend ist auch dieses Fahrzeug aus deutscher Produktion mal wieder leider nicht.
Speedwing 23.04.2019
3. Wer ihn denn braucht
Soll sich ihn holen. Für Langstreckler vielleicht nützlich. Sich als technikaffiner ist das Blingbling für mich ein Killkriterium, denn es reicht mir warme Luft aus den Düsen, für ne Lichtorgel geh ich in einen Club. Ach ja, viel Spaß bei der Parkplatzsuche in der Stadt.
intercooler61 23.04.2019
4. Ganz schön üppig für den Nutzwert
Außenmaß, Preise und Verbrauch (156 g CO2/km) finde ich einigermaßen happig für das Segment, zumal die Drosselversion (220er) auch nicht wesentlich genügsamer sein wird. Nun ja, das sind halt Benziner. Hybrid wäre da schön, aber preislich dann erst recht jenseits von Gut & Böse. Wenn schon, würde ich persönlich die C-Klasse vorziehen, mit langlebigem Wandler und ggfls auch ohne MBUX. Ist aber wohl eine Generationenfrage, denn der CLA geht ja weg wie geschnitten Brot.
ontwoone 23.04.2019
5. Typische Klientel
Ihr könnt bauen was ihr wollt. Solange ich mich wundere wer so alles in einem Benz fährt, ist es kein Auto für mich. Daimler baut seine Autos entweder für tätowierte Babos und Zuhälter, für windige "Bisnissmeni" oder nervige Renn-Rentner (B-Modell). Dabei sind wirklich schöne und gute Autos im Angebot. Vielleicht mal das Vermarktungskonzept überprüfen. Mehr detaillierte Bonitätsanforderung stellen und weniger Barkasse könnten evtl. helfen.
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