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Autogramm Mercedes CLS: Der Erleuchtete

Foto: Daimler

Autogramm Mercedes CLS Im Dunkeln ist gut funkeln

Facelift mal anders: Statt alte Technik mit frischer Optik zu kaschieren, macht Mercedes es beim CLS umgekehrt. Alle wichtigen Neuerungen verbergen sich unter dem Blech - und beim Preis.

Der erste Eindruck: Alt oder neu? Bei Licht betrachtet gibt es nicht viel, woran man das Facelift für den Mercedes CLS erkennen kann. Erst wenn es dunkel wird und die neuen LED-Scheinwerfer aufflammen, als klimpere eine Diva mit den Wimpern, klärt sich die Generationenfolge quasi augenblicklich.

Das sagt der Hersteller: Warum etwas ändern, wenn der CLS so erfolgreich ist, ihm alle nacheifern und es doch keiner schafft, gleichzuziehen? Das ist, salopp ausgedrückt, der Grund, warum Mercedes den viertürigen CLS bei der aktuellen Überarbeitung äußerlich kaum verändert hat. Entwicklungsvorstand Thomas Weber verteidigt die nur marginalen optischen Veränderungen mit reichlich neuer Technik unter dem Blech. Und mit dem Hinweis, dass sich der Wagen seit dem Debüt im Jahr 2010 rund 120.000-mal verkauft habe und damit weit vor Konkurrenzmodellen wie Audi A7 oder BMW 6er liege.

Das ist uns aufgefallen: Basisarbeit kann auch Spaß machen. Denn wer den neuen CLS mit dem Einstiegsdiesel 220 Bluetec bestellt, unterschreibt damit keine Verzichtserklärung. Das stattliche Auto fühlt sich auch mit dem 170 PS starken Selbstzünder, der maximal 400 Nm Drehmoment mobilisiert, standesgemäß motorisiert an. Klar, zum Prahlen im Golfclub sind 226 km/h Höchstgeschwindigkeit vielleicht nicht geeignet. Und auch das Beschleunigungsvermögen - von 0 auf Tempo 100 vergehen 8,3 Sekunden - wird keine große Begeisterung hervorrufen. Doch dafür gibt der Motor mit 2,1 Liter Hubraum den lässigen Langstreckenläufer, der ganz entspannt, leise und relativ sparsam dahin trabt.

Das liegt zu einem großen Teil am neuen Getriebe. Denn im CLS hat die neue Neungang-Automatik von Mercedes ihren ersten großen Auftritt. Neun Gänge, das heißt eine noch größere Spreizung der Übersetzung und ein entsprechend niedrigeres Drehzahlniveau. Auf der Landstraße kommt man kaum über die Leerlaufdrehzahl hinaus und bei 130 km/h hat man noch keine 1500 Touren auf der Anzeige. So sinken der Geräuschpegel und der Verbrauch, letzterer um rund einen halben Liter auf durchschnittlich 4,6 Liter pro hundert Kilometer.

Das muss man wissen: Ungewöhnlich ist die Preispolitik. Der überarbeitete CLS wird zur Markteinführung im September nicht teurer, sondern um etwa 3000 Euro billiger. Wer für 54.086 Euro das neue Einstiegsmodell CLS 220 bestellt, spart gegenüber dem bisher billigsten Modell sogar rund 6000 Euro.

Zur Wahl stehen neben der 170-PS-Diesel-Version ein weiterer Vierzylinder-Selbstzünder mit 204 PS im CLS 250 sowie ein V6-Diesel mit 258 PS im CLS 350. Bei den Benzinern beginnt die Palette mit dem neuen CLS 400, in dem ein erstmals mit Biturbo bestückter Sechszylinder auf 333 PS kommt und den bisherigen CLS 350 ersetzt. Darüber rangieren unverändert der 408 PS starke V8 im CLS 500 sowie die beiden AMG-Modelle CLS 63 mit 557 PS und CLS 63 S mit 585 PS. Die neue Neungang-Automatik gibt es für alle Diesel und für den CLS 500; sechs statt bislang vier Motorvarianten sind ab sofort mit Allradantrieb verfügbar.

Buchstäblich das Highlight der Modellpflege ist der sogenannte Multibeam-LED-Scheinwerfer für knapp 2000 Euro Aufpreis, mit dem Mercedes die Laserscheinwerfer von Audi und BMW in den Schatten stellen will.

Entwicklungschef Weber argumentiert, wichtiger als die Art der Lichtquelle seien die Lichtausbeute und deren Verteilung. Und die sei nirgends so detailliert und intelligent wie bei den neuen CLS-Scheinwerfern. In jedem der beiden Frontscheinwerfer sitzen 24 Leuchtdioden, die einzeln angesteuert und in mehr als 200 Stufen gedimmt werden können. In Kombination mit einer Kamera und den Daten des Navigationsgeräts ermöglicht das nicht nur ein blendfreies Dauerfernlicht, aus dessen Lichtkegel der Gegenverkehr oder der Vorausfahrende ausgeblendet wird. Sondern die Multibeam-Scheinwerfer strahlen schon in die Kurve, bevor man das Lenkrad einschlägt. "Wir haben gegenüber dem aktuellen CLS 100 Meter Leuchtweite gewonnen und strahlen jetzt 458 Meter weit", prahlt ein Entwickler bei der Nachtfahrt.

Das werden wir nicht vergessen: Manchmal muss man ein bisschen warten, bis einen die Erleuchtung ereilt - beim neuen CLS ziemlich genau bis zum Sonnenuntergang. Die neue Neungang-Automatik? Fein. Der Basisdiesel? Okay. Das Infotainment und die Assistenzsysteme? Auch nicht schlecht. Aber erst, wenn es draußen dunkel wird und der CLS die Nacht zum Tage macht, sieht man das Auto in einem neuen Licht.

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