Mercedes E-Klasse Nächste Ausfahrt "Mopf"

Mercedes hat die E-Klasse aufgefrischt. Weil die Baureihe den Kern der Marke bildet und die Konkurrenz davon zu fahren drohte, haben die Schwaben kräftig zugelangt. Lediglich beim Design gab es wenig zu tun. Das Facelift erkennt man nur am Knick in der Optik.

Das mit der Kritik ist so eine Sache: Lob hört man selten, Tadel dagegen umso öfter. Darum kennen wahrscheinlich viele jemanden, der nach Problemen mit der SBC-Bremse, Rückrufen oder unfreiwilligen Zwischenstopps auf dem Seitenstreifen nie wieder eine Mercedes E-Klasse fahren möchte. Selbst wenn diese Geschichten nur zur Hälfte wahr sein sollten, haben sie in den letzten Jahren den Glanz des Sterns gewaltig getrübt. Vor allem hat es eine Modellreihe getroffen, die in über sechs Jahrzehnten mit mehr als zehn Millionen Fahrzeugen zum Kern der Marke geworden ist.

Damit dieser Glanz zurückkehrt, hat Mercedes die E-Klasse nun vier Jahre nach ihrem Debüt "gemopft". "Mopf", das ist bei den Schwaben die Abkürzung für die "große Modellpflege" zur Mitte der Bauzeit, die häufig auch als "Facelift" bezeichnet wird. Während bei dieser Gesichtspflege oft nur Marginalien modifiziert werden, hatten die Entwickler diesmal größeren Handlungsspielraum. Sechs von zehn Motoren und insgesamt 2000 Bauteile sind neu oder überarbeitet und sorgen so dafür, dass die E-Klasse laut Entwicklungschef Thomas Weber "stärker, sportlicher, sicherer und sauberer" ist als je zuvor.

Außerdem hat Mercedes die teure und für einen peinlichen Rückruf verantwortliche SBC-Bremse ausgemustert und das System der S-Klasse eingebaut. "Diese hydraulische Bremse kann alles gleich gut und kostet weniger, ist also derzeit die bessere Wahl", sagt Weber. Einzig beim Design haben die Stuttgarter mit Rücksicht auf die klassische Linie und den Werterhalt der bislang rund einer Million Fahrzeuge aus der aktuellen Generation Zurückhaltung gewahrt: Nur der stärker gepfeilte, also etwas stärker geknickte Kühlergrill, die modifizierten Stoßfänger, die neuen Außenspiegel und vor allem die Wimpern im oberen Teil der Scheinwerfer künden vom Feinschliff der Stylisten.

Innen dagegen haben die Entwickler bis auf ein neues Lenkrad und ein paar frische Farben nichts verändert. Zwar sieht die E-Klasse damit - gerade im Vergleich zum großen Bruder mit dem S im Typenschild - etwas arrivierter aus, weil der multifunktionale Drehregler auf der Mittelkonsole fehlt und die Schaltung tatsächlich noch aus dem Mitteltunnel ragt. Doch alt oder gar schlecht macht das den Wagen nicht. Im Gegenteil: Jeden Schalter findet man fast intuitiv, die Bedienung ist leicht verständlich, obwohl der Wählhebel des Getriebes nicht hinter dem Lenkrad sitzt, gibt es in der Mittelkonsole genügend Platz für Ablagen. Geblieben sind auch die entspannte Atmosphäre und der hohe Sitzkomfort – zwei Eigenschaften, die die E-Klasse zur idealen Langstreckenlimousine machen.

Mercedes bietet weiterhin die Wahl zwischen je fünf Diesel- und Benzinmotoren, von denen allerdings einige an Leistung und Drehmoment zugelegt haben, ohne dass der Durst im gleichen Maße gewachsen ist. So ist der E 200 CDI als Einstiegsmodell mit nun 136 PS ebenso erstarkt wie das sportliche Flaggschiff von AMG aus Affalterbach, das nun das Kürzel E 63 AMG trägt und auf 514 PS kommt. Zu den interessantesten Motorvarianten dürfte der neue V8 aus der S-Klasse zählen. Das Top-Modell der Baureihe heißt zwar weiterhin E 500, das aber ist eine vornehme Untertreibung.

Neue Motoren mit strammen Leistungsdaten

Denn unter der Haube steckt der neue 5,5 Liter große Achtzylinder, der mit 388 PS rund 20 Prozent stärker ist als sein Vorgänger und die E-Klasse zu einem rauschenden Business-Express macht. Ruhig und kultiviert, aber durchaus agil und forsch geht das Aggregat mit einem Drehmoment von maximal 530 Nm ans Werk und lässt die Limousine in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 schnellen. Manch ein Sportwagen wird da blass vor Neid.

Damit die E-Klasse auch in ihrer verbleibenden Bauzeit möglichst attraktiv bleibt, gab Forschungsvorstand Weber noch ein paar Ausblicke auf kommende Motorvarianten. So soll ein E 320 Bluetec - laut Weber der "sauberste Diesel der Welt" - zunächst in den USA und spätestens 2008 auch in Europa angeboten werden. Außerdem könnte der Achtzylinder aus dem GL 450 mit 340 PS in der E-Klasse zum Einsatz kommen, ebenso wie der Benzindirekteinspritzer 350 CGI, der stramme 292 PS freisetzt.

Sportlichere Abstimmung jetzt auch bei der E-Klasse

Gerade wer es etwas sportlicher angehen lässt, wird sich über das Maßnahmenpaket "Direct Control" freuen, mit dem Mercedes auf die härtere Abstimmung der Konkurrenz aus Ingolstadt und München reagiert. "Ohne den Langstreckenkomfort einzuschränken, ist das Auto jetzt deutlich dynamischer", verspricht Michael Krämer, der Entwicklungschef der Baureihe, und verweist auf eine zehn Prozent direktere Lenkung und ein verändertes Fahrwerk, mit dem sich die E-Klasse auf den ersten Testfahrten sehr penibel auch durch enge Kurven zirkeln ließ.

Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklungsarbeit war die Sicherheit. So gibt es in der E-Klasse serienmäßig das vorausschauende Schutzsystem Pre-Safe sowie aktive Kopfstützen gegen ein Schleudertrauma und blinkende Bremsleuchten, die den Hintermann auffälliger warnen und seinen Anhalteweg bei Tempo 90 um rund eine Wagenlänge verkürzen.

Unter dem Strich schließt Mercedes mit der "gemopften" E-Klasse wieder zu den Wettbewerbern auf. Die Neuerungen werden dem Auto gut tun - zumal die Schwaben offenbar mit spitzem Stift gerechnet haben. "Zwar hat Mercedes viel an der E-Klasse getan, doch eines bleibt unverändert", sagt Baureihenchef Michael Krämer, "der Preis." Zumindest die Vier- und Sechszylinder kosten nach der Modellpflege genauso viel wie vorher.