Autogramm Mercedes E-Klasse T-Modell Voll steilisch

Mercedes wollte die Kombi-Version der neuen E-Klasse dynamischer gestalten als den Vorgänger. Das hat geklappt - allerdings auf Kosten des Ladevolumens. Dank eines Tricks bleibt der alte Nutzwert aber erhalten.

Christian Frahm

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Der erste Eindruck: Ziemlich sportlich für einen Kombi dieser Größe.

Das sagt der Hersteller: Aktuell wird in Europa jede dritte, in Deutschland sogar jede zweite E-Klasse als Kombi geordert. Wie erfolgreich die neue Baureihe wird, entscheidet sich deshalb erst ab jetzt so richtig - rund ein halbes Jahr nach dem Verkaufsstart der Limousinenvariante.

Die Schwaben wollen mit dem E-Klasse-T-Modell die Quadratur des Kreises geschafft haben: Das Fahrzeug soll praktisch wie ein Kombi und sportlich wie ein Coupé sein. Das ist neu, denn bislang war das T-Modell, das in erster Generation bereits 1977 vorgestellt wurde (Baureihe W 123), eher ganz auf den Nutzwert getrimmt.

Mercedes betont, dass die neue, sechste Generation trotz der schicken Optik noch immer den größten Laderaum unter den Konkurrenzmodellen biete.

Das ist uns aufgefallen: Sportliche Optik, viel Platz, durchdacht und übersichtlich - im Vergleich zum eher klobigen Vorgänger kommt die neue, 4,93 Meter lange E-Klasse rundum dynamisch daher.

Dieser Eindruck entsteht vor allem durch die um gut drei Zentimeter abgesenkte Fahrzeughöhe, die kürzeren Überhänge vorne und hinten sowie einen um sechseinhalb Zentimeter längeren Radstand. Die hintere Fensterlinie und das Heck fallen flacher ab als beim Vorgängermodell, wodurch das Auto die ihm anhaftende Leichenwagensilhouette verliert.

Und was passt rein? 640 bis 1820 Liter, oder wie Mercedes-Vertriebsvorstand Ole Källenius sagt: "Wenn ihre Familie großen Durst hat, können Sie 19 Getränkekisten mit Einliterwasserflaschen mit nur einer Fahrt holen." Das klingt erst einmal beeindruckend, doch tatsächlich ist das Ladevolumen im Vergleich zum Vorgänger geschrumpft: Der fasste 55 Liter mehr, bei umgeklappten Rücksitzlehnen 130 Liter zusätzlich. Der Verlust lässt sich angesichts der optischen Zugewinne jedoch verkraften.

Vor allem, weil das Gepäckabteil wirklich durchdacht ist. Die Sitze lassen sich per Schalter elektrisch umklappen. Über ein Schienensystem mit Befestigungselementen kann das Gepäck gesichert werden. Ein Fach unter dem Ladeboden bietet weiteren Stauraum und verbirgt einen faltbaren Einkaufskorb. Als Sonderausstattung ist als dritte Sitzreihe eine Klappsitzbank verfügbar.

Nimmt man auf dem Fahrersitz Platz, fällt einem auf den ersten Blick das gegen Aufpreis erhältliche "Widescreen Cockpit" auf. Statt eines klassischen Kombi-Instruments werden die Fahrdaten auf einem 12,3-Zoll-Display angezeigt, das sozusagen fließend in den Bildschirm des Infotainmentsystems übergeht und sich so ein Monitorband bis über die Mittelkonsole erstreckt, wie hier auf dem Foto zu sehen ist:

Daimler

Die Armaturentafel wird so wunderbar übersichtlich, ganz im Gegensatz zum Comand-Bediensystem auf der Mittelkonsole. Verwirrend ist vor allem die Anordnung des Touchpads (226 Euro Aufpreis), das sich teilweise über den Drehregler wölbt und - zumindest bei Mercedes-Novizen - für ärgerliche Bedienfummelei sorgt.

Der Sitzkomfort in Reihe eins und zwei ist prima, zumal der Beinraum auf allen Plätzen noch etwas größer wurde als zuvor, und das von uns getestete Modell E 220 d liegt gut auf der Straße. Der Zwei-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 194 PS Leistung ist auch bei höherer Drehzahl auf der Autobahn nur als gleichmäßiges Hintergrundbrummen zu hören.

Zwar löst das Durchtreten des Gaspedals (in 7,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h) noch keinen Geschwindigkeitsrausch aus, ist aber völlig ausreichend, um zügig zu überholen und auch mit beladenem Auto flüssig im Verkehrsfluss mitzuschwimmen.

Das muss man wissen: Im neuen T-Modell bietet Mercedes teilautonome Fahrfunktionen wie den Drive Pilot an, der automatisch den korrekten Abstand zu vorrausfahrenden Fahrzeugen hält, ihnen in einem Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 210 km/h folgt und dabei auch selbstständig Kurven zieht.

Aktiviert der Fahrer im Drive-Pilot-Modus den Blinker länger als zwei Sekunden, leitet das Fahrzeug in einem Geschwindigkeitsbereich von 80 bis 180 km/h sogar automatisch den Spurwechsel ein, sofern die Sensorik keine Fahrzeuge im relevanten Sicherheitsbereich erkennt.

Die automatische Kolonnenfahrt erwies sich bei unserer Testfahrt als sehr angenehm. Auch der automatisierte Spurwechsel klappte, ist aber insbesondere bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h schon gewöhnungsbedürftig.

Bei den Händlern steht das E-Klasse-T-Modell ab 17. September. Die Preise für die Basisvariante E 200 mit 2,0-Liter-Benziner und 184 PS Leistung beginnen bei 48.665 Euro.

Zum Markstart stehen neben dieser Basismotorisierung noch ein weiterer Benziner und ein Diesel zur Wahl: Der E 250 mit 211 PS, sowie der von uns gefahrene E 220 d. Im vierten Quartal folgen der E 200 d (150 PS), der E 350 d mit Sechszylinder-Diesel (258 PS) und der E 400 4matic mit Sechszylinder-Benziner (333 PS). Als Top-Variante ist dann auch die AMG-Version E43 4matic mit Drei-Liter-V6-Biturbomotor und 401 PS erhältlich.

Das werden wir nicht vergessen: Eine Neuheit, mit der der Platz im Gepäckabteil erweitert werden kann - im Marketingsprech als Cargo-Funktion bezeichnet. Sie ermöglicht eine Vergrößerung des Kofferraums um 30 Liter. Man entriegelt dabei die hintere Sitzreihe, klappt einen flaschenöffnerförmigen Riegel hervor und lässt darin die Sitze wieder einrasten. Nun steht die Sitzlehne um zehn Grad steiler - und Umzugskartons lassen sich beispielsweise tiefer in den Laderaum schieben. Wie das genau funktioniert, ist in diesem Video zu sehen:

Christian Frahm
Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: E 220 d T-Modell
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 1.950 ccm
Leistung: 194 PS (143 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Von 0 auf 100: 7,7 s
Höchstgeschw.: 235 km/h
Verbrauch (ECE): 4,2 Liter
CO2-Ausstoß: 109 g/km
Kofferraum: 640 Liter
umgebaut: 1.820 Liter
Gewicht: 1.780 kg
Maße: 4933 / 1852 / 1475
Preis: 50.485 EUR


insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
teilzeitmutti 13.09.2016
1. Welche Tankgröße
war in dem Testwagen verbaut und wie hoch war der Testverbrauch?
monolithos 13.09.2016
2. Kein Kombi
Hurra, noch ein Lastencoupe am Markt.
Pezzo 13.09.2016
3. Cargo-Funktion
Wow. Dieses Feature gab´s bei Mazda bereits Ende der 80er Jahre. Funktionierte da sogar ohne irgendwelche Bügel hervorzufriemeln.
lmike 13.09.2016
4.
Wenn es dann mal wirklich eine "E-Klasse" wird kann man über die Anschaffung nachdenken.
sam-berlin 13.09.2016
5. Wehmut
Jetzt gehört das, was ein T-Modell einmal ausmachte, endgültig der Vergangenheit an: Geradlinige Eleganz, Konzentration auf das Wesentliche ohne Chichi, viel praktischer Nutzwert. Nun ist er ein Lifestyle-Kombi unter vielen. Diese Rolle hat inzwischen der Skoda Superb übernommen. Ich trauere meinem S124 hinterher.
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