Autogramm Mercedes GLS Nicht smart

Das Wettrüsten bei SUV nimmt bizarre Züge an: Die Neuauflage von Mercedes' XXL-Geländewagen GLS ist für viele Waschanlagen zu groß. Macht nichts - es gibt eine Funktion, die den Wagen schrumpfen lässt.

Tom Grünweg

Der erste Eindruck: Was für ein Brocken!

Das sagt der Hersteller: Das "S" im Namenskürzel GLS ist für Andreas Zygan eine Verpflichtung. Deshalb nennt der Baureihenleiter des neuen SUV-Modells den GLS die "S-Klasse unter den SUV". Das gilt nicht nur für die Größe und den Preis, sondern vor allem für Komfort und Ausstattung mit allen Trallala-Funktionen, die man aus der großen Limousine kennt. Zudem verweist Zygan auf das Platzangebot und die Variabilität. "Wir wollten auch hinten keine Kompromisse machen und haben den Passagieren im Fond die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wie denen in der ersten Reihe", sagt Zygan und belegt das mit einem Detail: Außer für den Fahrer gibt es für jeden Insassen gleich zwei USB-Anschlüsse.

Das ist uns aufgefallen: Ja, ein bisschen nach S-Klasse fühlt es sich hinterm Lenkrad des GLS an, bei all dem Lack und Leder ringsum, der Bildschirmlandschaft im Cockpit und den vielen Helfern, die den Fahrer umsorgen - vom Klima-Massagesitz bis zum gekühlten Becherhalter. Gleichzeitig wähnt man sich ein wenig wie im Lkw Actros.

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Autogramm Mercedes GLS: Der Plumpsack

Den Preis dafür zahlt man in engen Parkhäusern oder verwinkelten Altstädten, selbst wenn Kameras und Sensoren das Rangieren vereinfachen. Doch auf Landstraßen und Autobahnen relativiert sich die Größe, der GLS wirkt trotz 3,14 Meter Radstand und 5,21 Meter Länge handlich. Das liegt zum einen an dem mit 48-Volt-Motoren gesteuerten e-ABC-Fahrwerk, das die Straße mit Kameras liest und die Luftfederung im Voraus anpasst. Mit jedem Schwung durch die Kurven steigt der Fahrspaß.

Das liegt auch am Motor. Unter der Haube des Testwagens vom Typ GLS 580 steckt ein weiterentwickelter V8-Benziner, der als erster Motor seiner Art über einen elektrischen Startergenerator verfügt. Derart zum Mild-Hybrid aufgerüstet, gewinnt das 4,0-Liter-Triebwerk effektiver Energie zurück und ermöglicht längere Start-Stopp-Phasen, um den Verbrauch etwas zu drücken. Außerdem kommen zu den 489 PS Leistung und 700 Nm Drehmoment des Verbrenners beim Anfahren 22 PS und 250 Nm der E-Maschine hinzu und lassen ein paar der vielen Kilo vergessen. Wenn der GLS in 5,3 Sekunden auf Tempo 100 stürmt oder bei Vollgas 250 km/h erreicht, ist von den mehr als 2,5 Tonnen nichts zu spüren. Durch Kurven lässt sich der Koloss sehr handlich führen.

Passagiere im Fond des GLS haben mehr Freiheiten als in jedem anderen Mercedes-SUV. Die Kniefreiheit in der zweiten Reihe, für die Mercedes zwei Einzelsitze mit bequemen Durchstieg oder eine umklappbare Sitzbank anbietet, ist tatsächlich ähnlich gut wie in einer S-Klasse. Auch dahinter gibt es zwei veritable Sessel, auf denen es Erwachsene ein paar Stunden aushalten. Alle Sitze sind elektrisch verstellbar, es gibt zwei Klimazonen hinten und für jeden Passagier einen eigenen Becherhalter.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Mercedes GLS - mit unserem 360-Grad-Foto:

So großzügig das alles ist - im GLS geht es nicht ganz so vornehm und feudal zu wie in den Topversionen des BMW X7 oder gar im Range Rover, Bentley Bentayga oder Rolls-Royce Cullinan. Dafür sind die Sitze zu schlicht und die Leder nicht fein genug. Zygan weiß das und kann damit leben. Der GLS ist als Familienkutsche für wohlhabende US-Soccer-Mums und Dads und chinesische Oberschichtfamilien konzipiert, wo es mehr aufs Praktische ankommt. Für alle anderen Freunde von Luxus-SUV kommt der GLS bald als Maybach.

Das muss man wissen: Der in Tuscaloosa im US-Staat Alabama produzierte GLS kommt im November in den Handel und startet bei 85.924 Euro. Das sind rund 15.000 Euro mehr als für das vergleichbar motorisierte Schwestermodell GLE, das jedoch etwa 30 Zentimeter kürzer ist. Für den Basispreis gibt es den Giganten als GLS 350d mit einem 3,0-Liter-Diesel und 286 PS Leistung, der ein Spitzentempo von 227 km/h erreicht und einen Normverbrauch von 7,6 Litern. Alternativ bietet Mercedes den gleichen Motor für 90.386 Euro als GLS 500d mit adäquateren 330 PS (Spitze 238 km/h, Verbrauch ebenfalls 7,6 Liter) oder - ein wenig später - mit dem noch nicht eingepreisten V8-Benziner wie im Testwagen an. Ein AMG-Modell ist nur eine Frage der Zeit und der Plug-in-Hybrid vermutlich ebenso.

Das werden wir nicht vergessen: Die Schrumpffunktion für die Waschanlage. Die braucht der GLS, weil er in normaler Konfiguration für die Führungsschienen am Boden vieler europäischer Waschanlagen zu breit ist. Wird die Funktion aktiviert, schließt der GLS die Fenster und pumpt die Luftfedern auf, bis sich das Fahrwerk streckt. Die Räder stehen dann senkrecht, sonst sind sie leicht ausgestellt. So wird der Wagen untenrum um bis zu vier Zentimeter schmaler. Dann klappt's mit der Einfahrt. Saubere Sache - erst recht bei einem schmutzigen Auto.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mercedes
Typ: GLS 580
Karosserie: SUV
Motor: V8-Turbobenziner mit Direkteinspritzung
Getriebe: Neungang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.982 ccm
Leistung: 489 PS (360 kW)
Drehmoment: 700 Nm
Von 0 auf 100: 5,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 9,8 Liter
CO2-Ausstoß: 223 g/km
Kofferraum: 355 Liter
umgebaut: 2.400 Liter
Gewicht: 2.545 kg
Maße: 5207 / 1956 / 1823


insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
heidelbeere0815 24.06.2019
1. Verachtung
Für Leute, die heutzutage sowas noch fahren, habe ich nur noch Verachtung übrig.
der Pöter 24.06.2019
2. Der nächste
schwachsinnige Panzer, den niemand braucht. Blockiert dann Schulen usw., weil man wieder nicht weiß, wohin mit der Kohle.
GlobalWarmer 24.06.2019
3. ich freue mich riesig....
....auf die Kommentare der SUV Hasser und Greta Jünger. Das wird mehr Lesespaß im Forum als Fahrspass mit dem GLS
klausmilewski 24.06.2019
4. Muss
denn eine solche technische Blamage, die deutlich mehr KW entwickelt als mancher Actros der 40 Tonnen ueber die Alpen zieht auch noch besprochen werden?
DiggaAlla 24.06.2019
5.
Solche autos sind der renner und sie werden für märkte gebaut, in denen greta and friends mit ihren auftritten kein land sehen und das niemals tun werden. Gut, dass das thema klimawandel ein regionales problem ist und wir nichts verstanden haben. *räusper
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