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Mercedes Maybach G 650 Landaulet: Mit Heckterrasse

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Autogramm Mercedes Maybach G 650 Landaulet Prinz Protz

Einen Paradewagen fürs Gelände? Gibt es jetzt auch. Das Ding heißt Mercedes Maybach G 650 Landaulet und ist gedacht für Typen, die weitab befestigter Straßen Triumphzüge abhalten möchten.

Der erste Eindruck: Ein Auto aus dem Reich des Sinnlosen.

Das sagt der Hersteller: Die Verantwortlichen können den Boom des Offroad-Methusalems G-Klasse kaum fassen. Obwohl das ursprünglich als Arbeitstier konzipierte Auto seit nunmehr 38 Jahren gebaut wird, meldet Gunnar Güthenke, der Chef der Baureihe bei Mercedes, einen Rekord nach dem anderen. Die Verkaufsbestmarke von 2015 wurde im Jahr 2016 um nochmals 20 Prozent übertroffen. Der Profit verschaffte Güthenke Spielraum für ein fast schon abwegiges Experiment, den G 650 Landaulet.

"Das Auto steht einerseits in der Landaulet-Tradition von Mercedes, die bereits 1910 mit dem Benz 25/45 begann und später mit dem 300er und dem 600er fortgesetzt wurde. Und andererseits in einer Reihe mit dem Modell 6x6 und 4x4 zum Quadrat, mit denen wir das Spektrum der G-Klasse zuletzt deutlich erweitert haben", sagt Güthenke. Man kann es auch anders ausdrücken: In dieser Form wird die G-Klasse, ohnehin schon Lieblingsspielzeug von Scheichs und Oligarchen, zum Paradewagen.

Das ist uns aufgefallen: Wenn man auf den elektrisch ausklappbaren Trittstufen in den Fond des Landaulets klettert, fühlt sich das eher an wie das Entern einer Jacht als der Einstieg in ein Auto. Das Gefühl wird verstärkt durch die Tatsache, dass man sich ins Auto stellen, den Oberkörper aus der großen Luke strecken und huldvoll nach links und rechts winken kann. Der Überrollbügel bietet dabei selbst auf rustikalen Strecken eine verlässliche Stütze.

Im Video: Mehr Details zum Mercedes Maybach G 650 Landaulet

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Der einzige Grund, weshalb man dann doch lieber sitzt, sind die Sessel aus der Maybach-Version der S-Klasse, die im gestreckten Fond der G-Klasse installiert sind. Die Sitze sind klimatisiert, bieten sechs Massageprogramme, können in Liegeposition gebracht werden und taugen dann auch - bei geöffnetem Dach - als Highend-Sonnenbänke.

Das Auto, das einen umgibt, ist so wuchtig und massig, dass es ganz selbstverständlich eine deutliche Distanz schafft zwischen drinnen und draußen - selbst bei geöffnetem Dach. Und es braucht nur den Druck auf drei Knöpfe sowie 30 Sekunden Geduld, dann ist das Verdeck wieder verschlossen, die Trennscheibe zum Fahrer ausgefahren und - der dritte Knopfdruck - milchig eingetrübt.

Bei solchen Finessen im Fond wird das Fahren vergleichsweise nebensächlich. Dabei ist der Antrieb ähnlich imposant wie der Aufbau. Unter der hohen Haube säuselt nämlich der stärkste Motor, den Mercedes aktuell zu bieten hat: der Zwölfzylinder aus der S-Klasse. Aus sechs Litern Hubraum mobilisiert das Aggregat eine Leistung von 630 PS und ein maximales Drehmoment von 1000 Nm. Trotz eines Fahrzeuggewichts von 3,3 Tonnen werden damit eine Beschleunigung von 0 auf 100 in weniger als sechs Sekunden und eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h möglich.

Das muss man wissen: Das Mercedes Maybach G 650 Landaulet wurde binnen zwei Jahren entwickelt und bedient sich aus einem großen Baukasten. Die Portalachsen zum Beispiel kommen von Typ 4x4-Quadrat, das Verdeck ist ein Ersatzteil des vor zwei Jahren eingestellten G-Klasse Cabrios und die Sitzanlage im Fond samt dem riesigen Mitteltunnel, den Klapptischen und dem Barfach mit silbernen Champagnerkelchen stammt aus der S-Klasse. Nur die Karosserie selbst ist eine eigene Entwicklung. Schließlich hat Mercedes den Radstand des G-Modells um 60 Zentimeter gestreckt, um im Fond Raum zum Lümmeln und zum Stehen bei Paraden oder Safaris schaffen.

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Den riesigen Aufwand treibt Mercedes für eine winzige Stückzahl. Lediglich 99 Exemplare sollen gebaut werden, vor allem für Kunden in den Arabischen Emiraten, Russland und Europa. Gewinn müsse das Projekt nicht abwerfen, weil es das Image der gesamten Baureihe hebe, erläutert Güthenke. Doch draufzahlen wird Mercedes auch nicht. Der derzeit noch nicht näher spezifizierte Preis dürfte also ähnlich imposant sein wie das Fahrzeug selbst - rund 500.000 Euro gelten als seriöse Schätzung.

Das werden wir nicht vergessen: Obwohl das Auto ein Gigant ist, haben sich die Entwickler auch um Kleinigkeiten gekümmert. So wurden beispielsweise die Tasten für die Fensterheber im Fond um 30 Zentimeter versetzt, damit sie auch bei flach gelegten Liegesitzen bequem erreicht werden können. Am Fuß der Trennscheibe gibt es ein zweites Armaturenbrett allein zur Steuerung des Verdeckmechanismus. Außerdem gibt es auch im Fond zwei Handschuhfächer und zwei massive Haltegriffe. Die waren noch in keinem anderen Modell so nützlich wie hier. Denn mit ihnen können sich selbst abgehobene Aufschneider beim Paradieren an wenigstens eine gut verankerte Tatsache halten.

Hersteller:Mercedes
Typ:Maybach G 650 Landaulet
Karosserie:Landaulet
Motor:V12-Turbobenziner
Getriebe:Siebengang-Automatik
Antrieb:Allrad
Hubraum:5.980 ccm
Leistung PS:630 PS
Leistung kW:463 kW
Drehmoment:1.000 Nm
Von 0 auf 100:5,9 Sek.
Höchstgeschw.:180 km/h
Gewicht:3.300 kg
Maße:5345 / 2185 / 2235
Preis:500.000 €