Mercedes S-Klasse Plötzlich lernt der Schwabe sparen

Mercedes bringt jetzt mit dem S 400 Hybrid das erste deutsche Serienfahrzeug mit kombiniertem Benzin-Elektro-Antrieb auf den Markt - ein Jahrzehnt nach Toyota. Doch es gibt auch eine Diesel-Variante der Oberklasse-Limousine. Und die schlägt das Hybrid-Modell bei Preis und Sparsamkeit.


Die aktuelle S-Klasse von Mercedes, intern W 221 genannt, debütierte vor vier Jahren, als die Finanzwelt noch in Ordnung war. Jetzt, mitten in der globalen Wirtschaftskrise, erfolgt die Mopf - das ist Stuttgarter Hausjargon für Modellpflege - jenes Wagens, der noch immer das Chefauto schlechthin ist. "Die S-Klasse ist das Synonym für Erfolg im Top-Segment", behauptet Klaus Maier, Vertriebs- und Marketing-Chef bei Mercedes. Umgekehrt ist es aber so, dass dort, wo der Erfolg ausbleibt, auch die S-Klasse nicht mehr so brummt wie gewohnt.

3,3 Millionen Oberklasse-Limousinen hat Mercedes seit 1951 verkauft; vom aktuellen Modell waren es in den vergangenen vier Jahren 270.000 weltweit. Doch zuletzt stockte der Absatz - wer kauft schon ein Auto, das in der günstigsten Variante 73.006 Euro kostet, wenn ringsum ein rigider Sparkurs eingeschlagen wird? In China immerhin punktet das schwäbische Luxusmodell weiterhin: Im ersten Quartal dieses Jahres war das Riesenland in Fernost erstmals der größte S-Klasse-Markt weltweit.

Ab 26. Juni wird der neue Wagen bei den deutschen Händlern stehen. Mit einigen Retuschen an Scheinwerfern und Stoßfängern, einem frischen Kühlergrill und rechteckigen Auspuffendrohren. Außerdem gibt es für die S-Klasse nun ein LED-Lichtpaket (Aufpreis 1250 Euro) sowie, neben zahlreichen anderen Assistenzsystemen, einen Seitenwindassistenten, der das Auto bei Böen von links oder rechts in der Spur hält. Das System ist Teil des so genannten Active-Body-Control-Fahrwerks, das Mercedes für 3510 Euro extra offeriert.

Dass die S-Klasse ein sehr komfortables und sicheres Fahrzeug ist, das auf Wunsch bis unters Dach mit Hightech ausstaffiert werden kann, ist nichts Neues. Wohl aber, dass Mercedes in der Luxusliga jetzt zwei spezielle Sparmodelle offeriert. Aushängeschild ist der S 400 Hybrid, die sparsamste Luxuslimousine der Welt mit Benzinmotor und zugleich das erste Serien-Hybrid-Auto mit Lithium-Ionen-Batterie.

Das erste Serien-Hybrid-Auto mit Lithium-Ionen-Batterie

Den Antrieb übernimmt ein Duo aus dem verbrauchsoptimierten 3,5-Liter-V6-Benziner mit 279 PS sowie ein 20 PS starker Elektromotor vom Zulieferer ZF Sachs, der direkt auf der Kurbelwelle sitzt. Verwaltet wird die Kraft über eine Siebengang-Automatik. Der Elektromotor ersetzt Anlasser und Lichtmaschine. Das Hybridmodul nutzt die Bremsenergie, um Strom zu erzeugen und in die Batterie zu speisen. Dies übrigens ist das Einzige, was man als Fahrer spürt - und zwar in Form eines ungewohnt weichen Gefühls beim leichten Betätigen des Bremspedals.

Das komplette Hybridsystem wiegt 75 Kilogramm mehr als der konventionelle Antrieb und, was noch viel wichtiger ist, es passt in den Motorraum. Die Lithium-Ionen-Batterie alleine hat ein Gewicht von rund 28 Kilogramm und wird von Continental geliefert. Ein spezielles Kühlsystem sorgt für eine stets optimale Betriebstemperatur des Stromspeichers, dessen 35 Einzelzellen überdies siebenfach abgesichert sind. "Der Kunde kann sich darauf verlassen, dass die neue Technik absolut sicher ist", sagt Oliver Vollrath, der Hybrid-Projektleiter.

Souverände Gelassenheit und jederzeit genug Kraft

Auf der Testfahrt von SPIEGEL ONLINE überzeugte die Hybrid-Limousine durch souveräne Gelassenheit, die komplexe Technik jedenfalls macht sich nicht bemerkbar. Außer natürlich wenn man den Bordcomputer anschaltet: nach 131 Kilometer mit einem Durchschnittstempo von 71 km/h wurde ein Verbrauch von 9,1 Liter pro 100 Kilometer angezeigt. 7,9 Liter nennt Mercedes als offiziellen Wert - doch dass diese Ziffern nur Theorie sind, daran hat man sich ja gewöhnt.

Das Hybrid-Modell ist zwar die technologisch fortschrittlichste Variante der S-Klasse, doch noch ein Quentchen sparsamer ist das neue Diesel-Modell 350 CDI Blue Efficiency. Aerodynamisch optimiert, mit Leichtlaufreifen und einem intelligenten Energiemanagement ausgestattet, hat der Wagen mit 3-Liter-V6-Dieselmotor einen Normverbrauch von 7,6 Liter.

Dieselmodell unterbietet Verbrauch der Hybrid-Version

Auch beim Praxistest von SPIEGEL ONLINE bewies das Auto Geiz-Talent. Nach 119 Kilometern Strecke bei einem Durchschnittstempo von 69 km/h - also ein mit der Hybrid-Testfahrt durchaus vergleichbares Szenario - lag der ermittelte Verbrauch bei 9,0 Liter. Dabei bewegte sich der opulente Selbstzünder agil und spontan. Jedenfalls sind weder der Hybrid noch der Knauser-Diesel untermotorisiert.

Der größte spürbare Unterschied zwischen beiden Autos ist der Preis. Der S 400 Hybrid kostet 85.323 Euro, der verbrauchsoptimierte Diesel steht, wie weiter oben bereits erwähnt, ab 73.006 Euro in der Preisliste. Wer also wirklich sparen will, wird, zumindest in Europa, wohl eher zum 350 CDI Blue Efficiency greifen. Imagemäßig jedoch dürfte die Hybrid-Version mehr bewirken - nach dem Motto: Was, der Chef fährt jetzt ein Hybrid-Auto? Da geht's mit der Firma vielleicht auch bald wieder voran.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.