Mini Cabrio Durchgehend geöffnet

Offen durch den Schnee? Mini macht es möglich, denn bei der Präsentation des neuen Cabrios in den Alpen lag die weiße Pracht kniehoch. Beim Fahren zieht es zwar wie Hechtsuppe, doch ums Herz wird einem warm. Bis der Wagen bei den Händlern steht, ist ohnehin Frühling.

"Wintersport war gestern, nun beginnt die Cabrio-Saison." Mini-Chef Wolfgang Armbrecht ignorierte bei der Vorstellung der zweiten Auflage des Mini-Cabrios einfach das Wetter. Nachdem der offene Viersitzer schon bei der Weltpremiere auf der Autoshow in Detroit durch eine künstliche Eiswand brach, wurde er nun bei den ersten Testfahrten in den Kärntner Alpen auch noch zum Eiskunstläufer. Denn bei der Pressevorstellung im österreichischen Villach hatte der Hersteller eigens eine Kunsteisbahn erstellt, auf der das Auto im chemisch generierten Schneetreiben ordentlich Pirouetten drehen musste. Spätestens da sollte jeder die Kernbotschaften des Abends kapiert haben: Zum Cabrio-Fahren braucht es keine Sommersonne - der neue Mini hat durchgehend geöffnet.

Im Rampenlicht eines zur coolen Location aufgebrezelten Parkhauses mag das albern klingen. Doch sobald das kleine Cabrio auf die Straße rollt, geht die Rechnung auf: Selbst wenn das Thermometer Minusgrade zeigt, wird es einem am Steuer auch bei offenem Verdeck warm ums Herz. Denn auch nach dem Generationswechsel zaubert das Design Passagieren wie Passanten ein Lächeln auf die Lippen, und gerade als Cabrio wirkt der Mini in der zweiten Generation so stramm und sportlich, dass es sofort im Gasfuß juckt.

Mit Rücksicht auf die Gesundheit ist allerdings Zurückhaltung geboten - zumindest im Winter. Solange die Scheiben oben sind, die Sitzheizung glüht und die Klimaanlage bollert, kann man zwar auch bei Eis und Schnee die Frischluft genießen. Doch mit abgesenkten Scheiben bricht ein arktischer Sturm los, der mutmaßlich einen Besuch bei einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt nach sich zieht. Aber es muss ja niemand im Winter offen fahren. Ein Griff zum nostalgisch anmutenden Kippschalter genügt, dann legt sich - bis Tempo 30 auch während der Fahrt - das Dach wie eine Mütze über die Köpfe der Insassen. Wer den Schalter - bei einem Tempo bis 120 km/h - ein zweites Mal betätigt, schließt auch noch das integrierte Schiebedach.

Außerdem wächst mit geschlossenem Verdeck das Kofferraumvolumen auf ein halbwegs praxistaugliches Maß. Markenchef Armbrecht behauptet dagegen tapfer, dass der Mini für seine Größe überraschend viel Platz biete. Im Vergleich mit Klappdach-Cabrios wie Nissan Micra oder Mitsubishi Colt mag das sogar stimmen. Doch ein Fassungsvermögen von 125 Litern bei offenem und 170 Litern bei geschlossenem Dach mögen zwar jeweils fünf Liter mehr sein als bislang, viel ist das jedoch nicht.

Immerhin sind mit dem neuen, ausfahrbaren Überrollschutz nicht nur die hässlichen Höcker am Heck verschwunden, sondern auch die Durchlade ist breiter geworden. So kann man den Kofferraum jetzt auf 660 Liter erweitern, sofern man die Rücksitze zweckentfremdet. Das schadet nicht - denn sitzen kann dort ohnehin kaum jemand. Während man vorne selbst lange Beine problemlos unter Lenkrad und Armaturenbrett unterbringt, taugt der Fond mangels Fußraum und Kniefreiheit allenfalls als Strafbank.

Mit dem Generationswechsel hat BMW auch unter der Haube aufgeräumt und die 1,6-Liter-Motoren aus der Kooperation mit Peugeot und Citroën ins Auto gepflanzt. Dank Efficient-Dynamics-Maßnahmen wie Start-Stopp-Automatik, Schaltanzeige und Bremsenergie-Rückgewinnung sind die Maschinen um rund ein Viertel sparsamer. Zum Verkaufsstart gibt es den Sonnenfänger in den Versionen Cooper mit 120 und Cooper S mit 175 PS. Insbesondere der Turbo-Direkteinspritzer-Motor im Cooper S macht Spaß. Er klingt kernig, agiert spontan und lockt zu forschen Fahrten. Die Drehmomentkurve hat statt eines Gipfels ein Hochplateau und erreicht ihr Maximum von 240 Nm über einen Bereich von mehr als 3000 Touren. Kurzzeitig entlockt ein sogenannter Overboost 2 der Maschine sogar 260 Nm.

Damit kommt der Mini flotter in Fahrt, als es mancher Föhnwelle lieb ist. 7,4 Sekunden braucht er bis Tempo 100, und 222 km/h Höchstgeschwindigkeit sind in einem Kleinwagen ziemlich stürmisch. Allerdings hat der Cooper S vor allem auf nassen Straßen bisweilen Mühe, die Kraft auch in Vortrieb umzusetzen. Die ESP-Elektronik ist dann gut beschäftigt.

Während es den Schleuderschutz ebenso wie vier Airbags serienmäßig gibt, lässt sich Mini viele Extras bei Grundpreisen von 22.500 Euro für den Cooper und 26.500 Euro für den Cooper S auch extra bezahlen. Selbst für das skurrilste Gimmick bitten die Bayern zur Kasse: Auf Wunsch sitzt neben dem Drehzahlmesser ein Allways-Open-Timer, der die Fahrzeit mit offenem Verdeck stoppt und so eine fortwährend Bilanz der automobilen Sonnenstunden führt.

Bei der ersten Testfahrt durch Eis und Schnee blieb diese Uhr weitgehend arbeitslos. Doch bis das Mini Cabrio Ende März in den Handel kommt, sollte der Frühling und damit die Open-Air-Saison zumindest angebrochen sein.