Mini Cooper Cabrio Auf der Hut

Vor knapp drei Jahren setzte BMW den Mini in die Welt, mehr als 400.000 Autos wurden bislang verkauft. Jetzt folgt der erste Ableger der stets angekündigten Modellfamilie, das Cabrio. Binnen 15 Sekunden räumt das Stoffverdeck vollautomatisch seinen Platz – Zeit zum Sonnetanken.


Mini Cooper Cabrio: So kompakt, so geräumig und so sportlich-flott wie kein anderes Modell mit Klappdach

Mini Cooper Cabrio: So kompakt, so geräumig und so sportlich-flott wie kein anderes Modell mit Klappdach

Für dieses Auto waren keine großen Marktforschungen nötig. Seit BMW im Sommer 2001 den Mini reaktivierte, lag es praktisch in der Luft, dass eine Cabrioversion des Wagens folgen muss. Nun ist sie fertig, ab 3. Juli steht das Auto bei den Händlern. Es nimmt, trotz des in nahezu alle Nischen verästelten Pkw-Marktes, eine Ausnahmestellung ein: So kompakt (3,65 Meter Länge), so geräumig (vier Sitzplätze) und so sportlich-flott ist kein anderes Modell mit Klappdach. Ganz zu schweigen vom Image, das die Marketingleute um das Wägelchen aus Oxford aufgebaut haben. Mehr Lifestyle-Trallala als Mini strahlt derzeit keine andere Marke ab.

Doch das Mini Cabrio ist mehr als ein Modemobil. Es ist ein rundum gelungenes Auto. Die offene Version hat nichts von der Agilität des normalen Minis eingebüßt. Naja, ein bisschen vielleicht, denn das Cabrio schleppt rund 100 Kilogramm mehr mit sich herum (Dachkonstruktion, Karosserieversteifungen). Wer mit der 115 PS starken Cooper-Version sportlich unterwegs sein möchte, muss das Fünfgang-Schaltgetriebe fleißig bedienen. Außerdem kann der Knirps schon ganz ordentlich schlucken: 8,8 Liter Durchschnittsverbrauch meldete der Bordcomputer nach einer gut 200 Kilometer langen Testrunde. Und dabei waren wir flott, aber keineswegs rasant unterwegs. Spätestens ab Tempo 120 nämlich wird es bei offenem Dach ziemlich zugig im Mini.

Innenraum: Instrumente sind bei offenem Dach nur schwer abzulesen

Innenraum: Instrumente sind bei offenem Dach nur schwer abzulesen

Die Einstiegsversion Mini One Cabrio (90 PS/66 kW, ab 18.300 Euro) ist ideal für Open-Air-Genießer, wirklich sportlich lässt sie sich nicht bewegen. Die Variante Cooper S (170 PS/125 kW, ab 24.000 Euro) dagegen, die ab August zu den Händlern kommt, gehört in die Kategorie der übermotorisierten Kleinwagen. So ist man mit dem mittleren Modell Cooper ganz gut unterwegs. Jeder zweite Mini-Kunde sieht das ebenso, die Hälfte aller verkauften Autos sind nämlich Cooper-Modelle.

Fahrspaß bietet das Cooper Cabrio in Fülle, einige praktische Details ebenso. Das Stoffverdeck lässt sich, in einer ersten Stufe, wie ein Schiebedach öffnen. Wird der Hut komplett gelüftet, faltet sich das Verdeck z-förmig hinter den Überrollbügeln der zweiten Sitzreihe zusammen. Eine Persenning ist überflüssig. Der Kofferraumdeckel klappt nach unten auf, kann mit bis zu 80 Kilogramm belastet werden und bietet bei geöffnetem Dach 120 Liter Stauraum. Ist das Verdeck geschlossen, sind es zwischen 165 und 605 Liter, denn die Rücksitzlehnen lassen sich umlegen. Außerdem vergrößert ein so genanntes Easy-Load-System die Luke und erleichtert das Einladen größerer Gegenstände.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mini
Typ: Cooper Cabrio
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 115 PS (85 kW)
Drehmoment: 150 Nm
Von 0 auf 100: 9,8 s
Höchstgeschw.: 193 km/h
Verbrauch (ECE): 7,3 Liter
CO2-Ausstoß: 173 g/km
Kofferraum: 120 Liter
umgebaut: 605 Liter
Preis: 20.000 EUR
Wo es um bayerisch-britische Ingenieurskunst geht, das Verdeck wurde übrigens zusammen mit der deutschen Firma Webasto entwickelt und wird in deren britischen Werk in Birmingham gefertigt, glänzt das Mini Cabrio. Es gibt aber auch Schattenseiten: Die Instrumente zum Beispiel sind bei offenem Dach nur schwer abzulesen, weil die Abdeckungen extrem spiegeln. Und manche Plastikdetails im Innenraum, etwa das silbrige Türgebälk, könnten sorgfältiger entgratet sein.

Schließlich geriert sich Mini als "Premium"-Marke. Das betonte auch Finanzvorstand Stefan Krause bei der Vorstellung des Cabrio-Modells in Marseille. Die Preise sind entsprechend. Klimaanlage (930 Euro), Nebelscheinwerfer (120 Euro), Metalliclack (370 Euro), Xenonlicht (550 Euro) und sogar die Isofix-Kindersitzbefestigung (40 Euro) müssen extra bezahlt werden. Kein Wunder, dass Mini-Käufer im Schnitt 21.000 Euro für ihr Auto ausgeben. "Das hat uns positiv überrascht", sagt Krause. Weil das Geld bei der "Premium"-Kundschaft offenbar locker sitzt, denken die Mini-Macher über weitere Familienmitglieder nach. Derzeit gelten ein Mini-SUV, ein Mini-Van (der Begriff Van ist im BMW-Konzern verpönt, bezeichnet aber nun mal die entsprechende Autogattung) oder ein Mini-Kombi als mögliche Ausbaustufen der Marke.

115 PS starke Cooper-Version: Das Geld sitzt bei der "Premium"-Kundschaft offenbar locker

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Im August aber erfolgt erst einmal ein moderates Facelift. Sämtliche Mini-Modelle erhalten dann die beim Cabrio schon erfolgten leichten Designretuschen, die neuen Fünfgang-Schaltgetriebe, neue Ausstattungsoptionen und sieben Extra-PS in den Cooper-S-Versionen (170 statt 163 PS). Das ist vielleicht das Dilemma von Modemarken - auch wenn sie im Autobusiness tätig sind: Sie müssen ständig auf der Hut sein, denn Trends ändern sich noch schneller, als ein Mini um die Ecke biegt.



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