Mini Cooper S Macho-Mini

Mini lässt die Muskeln spielen. 163 PS hat die britische BMW-Tochter unter die kurze Haube des neuen Cooper S gepackt. Dazu ein Sechsganggetriebe, Sportfahrwerk und breitere Reifen - fertig ist das Go-Kart für die Landstraße. Ab Juni fährt der Mini Maximus zu den Händlern.

Von Frank Wald


Mini Cooper S: mittig platzierter Doppelauspuff

Mini Cooper S: mittig platzierter Doppelauspuff

Ganz so günstig wie auf der Kartbahn ist der Spaß mit dem Muskel-Mini allerdings nicht. Bei einem Anschaffungspreis von 19.800 Euro kann die Freude auch schnell wieder vergehen. "Ich hatte ursprünglich auch mal gedacht, beim Mini müsse alles klein sein", gibt Mini-Marketing-Mann Detlev Welters zu.

"Aber der Vorstand orientiert sich eben am BMW-Niveau". Tatsächlich, mit einigen Extras aus der langen Aufpreisliste wie etwa Glasschiebedach (800 Euro), Klimaanlage (900 Euro), Multifunktionslenkrad (230 Euro), Kopfairbags (300 Euro) oder Xenon-Licht (500 Euro) aufgewertet, erreicht der Cooper S schnell Preisregionen, in denen auch schon ein 3er BMW (ab 20.600 Euro) zu haben wäre.

Im Innenraum reichlich Leder und Aluminium

Im Innenraum reichlich Leder und Aluminium

Absatzprobleme sehen die BMW-Leute deshalb aber kaum. Ganz im Gegenteil. Bei den im vergangenen Jahr eingeführten Modellen Mini One (90 PS) und Mini Cooper (115 PS) entwickelt sich die stärkere - und teurere - Variante gerade zum Bestseller. Mit dem neuen Modell Cooper S nun dürfen die deutschen Fans ohnehin erst durch die Kurven wedeln, wenn die Amerikaner versorgt sind. "Die sind jetzt schon ganz wild auf den Cooper S", sagt Welters. In den USA läuft der Verkauf bereits in diesem Monat an.

Auf den ersten Blick ist das neue Mini-Top-Modell von seinen harmloseren Brüdern kaum zu unterscheiden. Doch schon das "Luftloch" in der gewölbten Motorhaube signalisiert, das hier ein Kompressor-Motor für zusätzlichen Schub sorgt. Weitere "Sportabzeichen" sind in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger, Seitenschweller und Kühlergrillstreben sowie der Seitengrill mit "S"-Schriftzug und ein verchromter Tankverschluss. Von hinten verraten der mittig platzierte Doppelrohrauspuff mit Chromblenden und der Dachspoiler, dass hier gerade der Mini-Maximus überholt hat.

S-Symbol am Blinker

S-Symbol am Blinker

Im Innenraum unterstreicht der Cooper S seine herausragende Stellung durch jede Menge Alu-Applikationen. Sportsitze, Leder an Lenkrad und Schaltknauf sowie Einstiegsleisten aus Aluminium mit "Cooper S"-Schriftzug suggerieren einen sportlichen Eindruck.

Entsprechend in Form sollten aber auch die Fondpassagiere sein. Denn die beiden hinteren Plätze sind zwar durch die Easy-Entry-Funktion der Vordersitze gut zu erreichen, lange aushalten wird es dort wohl kaum jemand. Soll aber auch keiner. Der einzig richtige Platz im Mini Cooper S ist natürlich hinterm Steuer.

Schon der Dreh am Zündschlüssel lässt aufhorchen. Das zirpende Ansauggeräusch des Kompressors, ein Resonator im Zwischenschalldämpfer sowie Auspuffrohre mit größerem Durchmesser verleihen dem kleinen Kraftpaket ein sonores Tremolo, das auch akustisch den sportlichen Anspruch unterstreicht, ohne dabei nervig zu wirken. Der lange Radstand und die kurzen Überhänge, die breite Spur und der tiefe Schwerpunkt stellen schon nach den ersten Kilometern das bekannte Go-Kart-Feeling her.

Kurventänzer mit straffem Fahrwerk

Kurventänzer mit straffem Fahrwerk

Nur eben mit dem Komfort eines modernen Pkw. Das eigens für den Cooper S entwickelte Sportfahrwerk ist straff, aber ausreichend kommod, abgestimmt und macht den Power-Mini zusammen mit dem gut gestuften und knackig zu schaltenden Sechsganggetriebe sowie der präzise geführten elektrohydraulischen Lenkung zum Kurventänzer.

Damit er dabei keine Kapriolen schlägt, verlässt der Cooper S das Werk auf 16-Zoll-Rädern mit 195er-Reifen, die im Falle einer Panne Notlauf-Eigenschaften entwickeln. Zur serienmäßigen Sicherheit gehören außerdem vier Scheibenbremsen, ABS, elektronische Bremskraftverteilung sowie eine automatische Traktionskontrolle. Das elektronisch geregelte Stabilitätsprogramm DSC (ESP) gibt es zwar nur gegen Aufpreis, ist aber eigentlich nicht nötig.

Der Wagen liegt auch bei beherzter Fahrweise satt und sicher auf der Straße und reagiert absolut gutmütig.

Maximal gibt sich der Mini allerdings beim Verbrauch. Die von BMW angegebenen 8,4 Liter Supersprit im Durchschnitt überschritt unser Testwagen laut Bordcomputer locker um zwei bis drei Liter. Für einen 1140 Kilo leichtes Auto nicht gerade ein Vorzeigewert. Ein Mini Maximus gibt sich wohl nicht mit Minimum zufrieden.



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