Mini Cooper S Minimaler Fortschritt

Beim ersten Mini hat das Design über 40 Jahre gehalten. Ganz so lange kann BMW das aktuelle Modell nicht laufen lassen. Deshalb wechseln die Bayern bereits nach sechs Jahren in die zweite Generation. Aber nicht nur optisch bleibt der Neue dabei ganz der Alte.


Das waren noch Zeiten, als ein paar Striche auf einer Serviette die Welt bewegen konnten. Ein langweiliges Essen soll Alec Issigonis gereicht haben, um mal eben die Mutter aller modernen Kleinwagen zu skizzieren: den Mini. Er wurde von 1959 bis 2000 fast 5,4 Millionen Mal gebaut, wechselte danach unter die Patenschaft von BMW und wurde zu einem der erfolgreichsten Autos der Bayern.

Die neuen Väter kennen diese Entstehungsgeschichte also gut und haben das Servietten-Motiv zur Premiere der zweiten Mini-Generation unter bayerischer Regie nicht umsonst allerorten ausgelegt. Doch diesmal dürften ein paar Skizzen zwischen Hauptgang und Dessert kaum gereicht haben, weil laut Entwicklungschef Burkhard Göschel wirklich jedes Teil neu ist. Sogar die Designer waren fleißig, obwohl man es dem Auto von außen nun wirklich nicht ansieht.

"Aber das ist gewollt", sagt Göschel. "Das Design ist der Schlüssel zum Erfolg des Mini. Deshalb haben wir zwar den Charakter gestärkt und vor allem Technik und Qualität weiter verbessert, den Wagen aber von außen nur ganz behutsam weiterentwickelt", erläutert der Entwicklungschef und nennt insgesamt zehn Ikonen wie den Rundscheinwerfer oder den Türgriff, die als unumstößlich definiert wurden. "Die werden Sie auch bei einer Mini-Vorstellung in 40 Jahren wiederfinden", umreißt er Fluch und Segen der Arbeit an einem Design, das fest verankert ist wie Big Ben. Man muss deshalb wirklich genau hinschauen, wenn man von außen alt und neu unterscheiden will.

Tacho wie ein Pfannkuchen

Innen dagegen gibt es nun nicht nur neue Farben und Stoffe, sondern völlig neue Sitze, gründlich modifizierte Türtafeln und ein umgestaltetes Cockpit, in dessen Mitte auch weiterhin der Tacho thront, der beim Mini "Center-Speedo" heißt und nun so groß ist wie ein Pfannkuchen. Das schindet mächtig Eindruck, hat aber Hintersinn. "Erstens passt nun das Navigationssystem mit hinein, und zweitens konnten wir so auch die gesamte Audio-Bedienung darin unterbringen", erläutert ein Entwickler. Deshalb ist die Mittelkonsole nun sechs Zentimeter schlanker, was wiederum der ansonsten unveränderten Beinfreiheit zu gute kommt.

Dazu gibt es ein paar nette Spielereien, die BMW als "typisch Mini" feiert: Die Klimaregelung ist dem Markenlogo nachempfunden, die liebevollen Kippschalter zieren nun auch die Konsole am Dachhimmel, die Farbe der Innenraumbeleuchtung kann stufenlos changiert werden, und der bartlose Zündschlüssel erinnert an den Fahrchip, den man beim Autoscooter durch den Schlitz drücken musste. Viele dieser Lösungen lässt sich BMW aber üppig bezahlen. Zwar steigt der Auto-Preis um nicht einmal 200 Euro, und die Serienausstattung umfasst nun zum Beispiel sechs Airbags. Doch schon das ESP kostet Aufpreis, und die vielen kleinen Designdetails gibt es nur gegen Geld. Das mag Kritiker stören, gesteht Pressesprecher Jochen Frey ein, sagt aber auch: "Doch Mini-Kunden mögen lange Aufpreislisten, denn sie lieben individuelle Autos."



Serienmäßig dagegen ist und bleibt der Fahrspaß, den die Entwickler mit neuen Motoren, neuen Getrieben, einer elektrischen Servolenkung und einem überarbeiteten Fahrwerk noch einmal erhöht haben. Starten wird die zweite Generation pünktlich zum 100. Geburtstag von Sir Alec am 18. November mit einem 1,6-Liter, den es im Cooper für 17.350 Euro als Sauger mit 120 PS und für 21.050 Euro im Cooper S als direkteinspritzenden Turbo mit 175 PS gibt.

Ohne das befürchtete Turboloch, dafür aber mit einem heißeren Sound hängt der Motor gut am Gas und macht den Mini zu einer kleinen Rennsemmel, die wie ein Go-Kart durch die Kurven fegt – selbst wenn man dem Motor auch 150 PS glauben würde. Doch immerhin punktet er mit 240 Newtonmeter, die auf einem breiten Drehzahlband zur Verfügung stehen und kurzfristig auf 260 Newtonmeter gesteigert werden können. So sprintet er in 7,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht respektable 225 km/h. Dabei sinkt der Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um 20 Prozent auf 6,9 Liter, was aber auch langsam Zeit wurde. Erst im nächsten Jahr reichen die Bayern für Einsteiger den Mini One nach, der 15.450 Euro kosten und 95 PS haben soll. Dann gibt es auch einen neuen Diesel.

Nachdem sie vom alten fast 900.000 Autos verkauft haben, wurde für den neuen Mini die Kapazität in Oxford um 40.000 auf 240.000 Autos pro Jahr aufgestockt. "Mehr ist dort kaum möglich", sagt Entwicklungschef Göschel und fürchtet, dass vielleicht auch das bald knapp werden könnte.

Denn BMW hat mit dem kleinen Auto noch große Pläne, die über das noch ein paar Monate im alten Gewand gefertigte Cabrio und den bereits beschlossenen Traveller hinausgehen: "Allerdings muss jeder neue Mini etwas überraschend sein", sagt der Mini-Mann und behält deshalb alle weiteren Details für sich. Dafür erzählt er von seiner Faszination für den alten Mini Pick-up, der ihm so gut gefällt, dass er auf dem Weg ins Büro kürzlich beinahe spontan einen solchen Oldtimer gekauft hätte. Daraus ist zwar doch nichts geworden. Aber vielleicht sollte man dem Mann mal eine neue Serviette geben.



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