Mini Special, Baujahr 1980 Blubbernde Rennmaus

Wenn es so etwas wie Kult gibt, dann ist es dieses Auto: Der Mini Special glänzt nicht nur auf der Straße, sondern auch auf Rennstrecken. Davon können die SPIEGEL-ONLINE-Leser Karla und Tom Schwede ein Lied singen – selbst wenn es auf dem Nürburgring nur für Platz 85 reichte.

Das Durchschnittsalter der rund 46 Millionen Pkw in Deutschland liegt bei knapp acht Jahren, einige Autos sind noch viel älter. SPIEGEL ONLINE testet mit Hilfe der Leser, wo die Stärken und Schwächen des Altmetalls liegen. Diesmal berichten Karla und Tom Schwede  aus Gelsenkirchen über ihren Mini Special aus dem Baujahr 1980.

Karla und Tom Schwede:
Im Jahr 2006 gibt es keinen vernünftigen Grund, einen klassischen Mini zu fahren. Er hat den Luftwiderstandswert des Buckingham Palace, sagen die einen. Er steht mehr als er fährt, sagen die anderen. Beide Aussagen sind nicht ganz falsch. Der CW-Wert ist im Vergleich zu modernen Autos natürlich bescheiden. Doch fahren tut er! Allerdings nur bei guter Pflege. Wer ihn nicht pflegt, den straft der Mini mit Verachtung, denn er kämpft mit einem automobilen Konzept von 1959.

Wenige Minuten auf einer kurvigen Landstraße lassen den Fahrer jedoch die vielen verzweifelten Schrauberstunden mit einem Lächeln vergessen. Mini-Fahren macht Spaß! Wir haben das endgültig bei den Gleichmäßigkeitsprüfungen auf der Nordschleife des Nürburgrings  erkannt, bei denen wir mit unserem Mini gestartet sind. Zwölf Runden à 20,832 Kilometer im strammen Renntempo zehren nicht nur an den Kräften des Fahrers, sondern beuteln auch das Material ganz enorm. Aber unser British Leyland Mini Special aus dem Baujahr 1980 hat das bisher immer zuverlässig durchgestanden.

Mit einem leisen Wutsch ab in den Wald

Vor dem Start wurde der Mini oft belächelt. "Kriegt der noch Milch oder tankt der schon Super?" war noch eine der harmlosen Bemerkungen. Die Lästerer haben wir in den Kurven stehen gelassen - und der Spaß war unbezahlbar. Besonders gleichmäßig sind wir leider nie gefahren. Mal streikte die Stoppuhr, dann vergaßen wir in der Begeisterung über einen Drift durch die Hohenrain-Schikane, die Uhr zu starten. Ein anderer Zwischenfall brachte uns sogar einen Gewichtsvorteil: Am "Flugplatz" verabschiedete sich ein Scheibenwischerarm mit einem leisen Wutsch in den anliegenden Eifelwald. In unserer schnellsten Runde brannten wir mit unseren 63 PS immerhin handgestoppte 11:30 Minuten in den Asphalt! Da jammerten wir nicht lange über Platz 85.

Völlig unerwartet ernteten wir einmal nach einer Veranstaltung tosenden Beifall. Auf dem Parkplatz der berühmten Touristenauffahrt der Nordschleife wartete eine Gruppe britischer Boliden-Fahrer ungeduldig auf die Öffnung der Strecke. Ihre leicht gelangweilten Mienen hellten sich schlagartig auf, als sich aus einem kleinen Mini ein 2,02 Meter langer Fahrer nebst der 1,80 Meter großen Co-Pilotin schälte.

Ähnliche Blicke ernteten wir nur auf dem Parkplatz des Kindergartens, wenn der Special an einem sonnigen Tag mal als Kindertaxi diente. Den Flankenschutz überklettern und die Drei-Zoll-Gurte schließen - für unseren Sohn ein gewohntes Ritual. Die anderen Kinder standen stets mit glänzenden Augen Schlange, um ein einziges Mal in dem kleinen Rennauto zu sitzen.

Gespannt lauschten sie den Vorträgen unseres Jungen über den Sinn eines Überrollkäfigs oder die Funktionsweise eines Drehzahlmessers, während die genervt wartenden Eltern offen über unseren Geisteszustand diskutierten.

Echter britischer Rost

Natürlich hatten wir nicht auf Verständnis gehofft, als wir beschlossen hatten, einen Youngtimer zu einem für die Straße zugelassen Rennwagen umzubauen. Dafür brauchten wir ein Auto, das uns finanziell nicht mit Haut und Haaren fraß. Eines, für das Ersatzteile noch zu erschwinglichen Preisen zu bekommen sind. Trotzdem sollte es im Motorsport zu Hause sein. Unsere Wahl fiel auf den kleinen, flotten Mini mit der großen Rallye-Tradition. Im Herbst 2004 machten wir uns auf die lange und verzweifelte Suche nach einem geeigneten Exemplar.

Zwischen Pinneberg und Eisenach, zwischen Rheine und Aachen sahen wir so viel echten britischen Rost, dass wir fast den Mut verloren hätten. In einem Internetforum stolperten wir dann endlich über unseren Special. Ein echter Zehnzöller sollte es sowieso sein. Dieses rostfreie Exemplar war 1980 in Belgien gefertigt worden und hatte irgendwann den großen Motor aus einem 1974er Innocenti-Cooper bekommen.

Der Mini wohnte nur 150 Kilometer weit weg in einer feinen WG mit diversen Jaguar E-Typ und MG.

Es war Liebe auf den ersten Blick. In der kalten, nassen Winterzeit zwischen November und Februar wurden ein kompletter Käfig, Sportsitze, entsprechende Gurte und viele, viele Kleinteile bestellt und eingebaut. Ein passendes Fahrwerk und ordentliche Bremsen hatte er zum Glück schon. Bis die Position der Sitze endlich passte, brachten wir allein vier Wochenenden in der eiskalten Werkstatt zu.

Mini vermehren sich sehr schnell

Im Februar 2005 konnten wir die "Fritte" endlich zulassen. In grauem und eiskaltem Nieselwetter ging es schnell zur Tankstelle. Leider hatte der Tankdeckel andere Pläne. Er saß bombenfest. Ein kräftiges Ruckeln und ein paar Spritzer WD40 lösten schließlich den störrischen Stopfen. Mit vollem Tank ging es dann auf den Heimweg. Wir kamen tatsächlich ohne Blechschäden zu Hause an, obwohl weder das Licht noch die Blinker funktionierten. Da half auch kein kräftiges Ruckeln.

Mit dem Erwerb eines Mini wird der ahnungslose Besitzer - ob er will oder nicht - Teil einer Parallelgesellschaft. Ein grobes, aber äußerst effizientes Netz von Händlern und hoch spezialisierten Experten versorgt die eingeschworene Gemeinschaft mit Teilen, leistet technischen Support und wenn nötig auch mal geistigen Beistand. Auch uns hat dieses Netz weich aufgefangen, da glücklicherweise einer dieser Experten seinen "Mini-Corner" ganz in unserer Nähe betreibt. Dort wurden wir vor einem Nervenzusammenbruch bewahrt und unserer "Fritte" die letzten Zicken ausgetrieben. Es freute uns sehr, dass wir nun endlich keine Ölspur mehr durch die Nachbarschaft zogen und das rechte Hinterrad aufgehört hatte zu eiern. Seitdem haben wir sehr viel gelernt.

"Wartet ab, Minis vermehren sich sehr schnell." - Dunkel erinnern wir uns an diese freundschaftliche Warnung. Lange haben wir nichts darauf gegeben, bis uns an einem schönen Maitag ein Mini Innocenti-Cooper aus dem Jahr 1975 aus unserer wohlverdienten Ruhe brachte. Zwei Tage später machten sich zwei vernünftige, klar denkende Menschen samt einem ebenso vernünftigen wie hilfsbereiten Freund und einem Hänger auf den Weg in die Nachbarstadt und banden sich - höchst unvernünftig - einen weiteren Sack voll Arbeit an die Beine.

Tja, die "Fritte" wird den Nürburgring wohl nicht wiedersehen. Der Käfig wurde ihr entrissen, und die klassische Innenausstattung des Inno-Coopers eingebaut. An sonnigen Tagen bringt sie inzwischen bereitwillig blubbernd unseren Sohn zur Schule. Nur manchmal, wenn sie eine kurvige Landstraße unter ihre kleinen Reifen nimmt, scheint sie die Nordschleife wirklich zu vermissen.

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