Mitsubishi Colt Smartes Stiefkind

Er ist das meistverkaufte Mitsubishi-Modell und hat neben dem Geländewagen Pajero das Gesicht der Marke geprägt. Am 5. Juni rollt der neue Colt zum Händler. Und am Erfolg des Kleinwagens hängt auch das Schicksal der japanischen Marke.

Von Frank Wald


Mitsubishi Colt: "Pfeifen im Walde"

Mitsubishi Colt: "Pfeifen im Walde"

"Ohne DaimlerChrysler keinen Colt und ohne Mitsubishi keinen Smart Forfour", beteuert Mitsubishi Deutschland-Chef Thomas Holtgräfe. Doch die selbstbewusste Aussage klingt eher nach dem Pfeifen im Walde. Denn in der deutschen Zentrale im hessischen Trebur brennt die Luft und die Telefondrähte glühen. Die Ankündigung des deutsch-amerikanischen Konzernpartners, seine Kapitalbeteiligung nicht wie geplant zu erhöhen, hat Kunden und Händler schwer verunsichert. Hinzu kommt, dass Mitsubishi in Deutschland in den ersten vier Monaten acht Prozent weniger Autos verkauft hat als im Jahr zuvor, das wiederum auch schon nicht besonders erfolgreich war. Holtgräfe ist dennoch, mit Hinweis auf eine Zeitungsinterviewaussage von Jürgen Schrempp, zuversichtlich, dass die Allianz mit DaimlerChrysler fortgesetzt wird. Und der Colt, der zusammen mit dem Smart Forfour entwickelt wurde und im holländischen Born vom Band läuft, sei "ein wichtiger Meilenstein" dieser Zusammenarbeit.

Eine Verwechslung mit dem schwäbischen Lifestyle-Bruder, der sich mit dem Colt rund 40 Prozent der technischen Komponenten teilt, ist allerdings ausgeschlossen. Mit seiner Höhe von 1,55 Meter und knapp 1,70 Meter Breite ähnelt die Karosserie mehr einem Micro-Van im Stil des Opel Meriva oder Fiat Idea. Mit denen kämpft er im so genannten B-Segment, in dem nach der Kompaktklasse am heftigsten um Kunden gerungen wird. Hier wurden in Europa im vergangenen Jahr 550.000 Autos abgesetzt. Und einen großen Anteil davon soll der Colt künftig einfahren. "Wenn wir in diesem Segment nicht erfolgreich sind, werden wir gar nicht erfolgreich sein", prophezeit Deutschland-Chef Thomas Holtgräfe.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mitsubishi
Typ: Colt 1,5
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder -Benziner
Hubraum: 1.499 ccm
Leistung: 109 PS (80 kW)
Drehmoment: 145 Nm
Von 0 auf 100: 10,0 s
Höchstgeschw.: 190 km/h
Verbrauch (ECE): 6,2 Liter
CO2-Ausstoß: 147 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 645 Liter
Preis: 15.990 EUR
Rund 85 Prozent Neukunden sollen es denn auch werden. Die Voraussetzungen dafür bringt der 3,87 Meter lange Fünftürer mit. Ähnlich wie seine Mitbewerber bietet der neue Colt neben der leicht erhöhten Sitzposition ein großzügiges Raumgefühl mit viel Kopf- und Beinfreiheit, insbesondere auf den hinteren Plätzen. Dazu ein variables Fondgestühl, das je nach Personen- oder Gepäcktransport schnell und einfach umgerüstet werden kann. So lassen sich die asymmetrisch teilbaren Rücksitze 15 Zentimeter in Längsrichtung verstellen, zusammenlegen, nach vorne klappen oder ganz herausnehmen. Auch die Lehne des Beifahrersitzes ist umklappbar, was 1,70 Meter nutzbare Innenraumlänge zum Transport überlanger Gegenstände ermöglicht. Insgesamt entstehen so im Colt bis zu 645 Liter Ladevolumen.

Für den alltäglichen Krimskrams gibt es darüber hinaus zahlreiche Ablagemöglichkeiten, Cupholder in der Mittelkonsole sowie ein klimatisiertes Handschuhfach mit Stauraum für eine 1,5-Liter-Flasche. Auch das Interieur macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Cockpit und Instrumente sind übersichtlich angeordnet, Oberflächen und Verkleidungen fühlen sich angenehm an, die silberfarbenen Bedienelemente und das Dreispeichen-Lenkrad geben einen sportlichen Touch. Stolz verweist Mitsubishi auf die erstmalige Verwendung transluzierender (lichtdurchlässiger) Materialien, die bei Dunkelheit ein wohnliches Ambiente verbreiten. Bei Lichte betrachtet, wirken einzelne Details allerdings sehr nach billigem Plastik. Und auch die Verarbeitung ließ bei den ersten Testfahrten (mit Vor-Serienmodellen, wie Mitsubishi entschuldigte) noch zu wünschen übrig. Mit einem kurzen Ruck hatten wir die Strebe im Mitteltunnel und die A-Säulen-Verkleidung in der Hand.

Van-artiger Kleinwagen: Wichtiger Meilenstein in der Allianz DaimlerChrysler/Mitsubishi

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Kaum was zu meckern gibt's am Fahrverhalten. Der Colt wird mit den aus dem Smart Forfour bekannten Motoren angeboten. Zur Markteinführung stehen die Vierzylinder-Benzinern mit 1,3 Liter (70 kW/95 PS) und 1,5 Liter (80 kW/109 PS) Hubraum zur Verfügung. Der 1,5-Liter-Dreizylinder-Diesel mit Commonrail-Technik und 95 PS (70 kW) folgt im August 2004, der schwächere (50 kW/68 PS) gleichen Hubraums Anfang 2005. Das Basismodell mit dem 1,1-Liter-Dreizylinder-Benziner (55 kW/75 PS) wiederum geht in Deutschland ab Oktober 2004 in den Verkauf. Und wie schon beim Smart ist auch der Colt mit letzterem ausreichend motorisiert. Zumindest, um im Stadtverkehr mitzuschwimmen. Bei Überholvorgängen auf der Landstraße, an steilen Passagen oder bei Erreichen der Endgeschwindigkeit, wirkt das Motörchen längst nicht mehr so agil.

Soll es häufiger über das Orteingangsschild hinausgehen, empfiehlt sich der deutlich agilere 1,5-Liter. Seine Sache am besten machte der starke Dreizylinder-Diesel mit 210 Newtonmeter Drehmoment, auch wenn der nach Mitsubishis eigenem Bekunden wegen seines rauen Klangs bis August noch optimiert werden soll. Anders als beim Smart ist das Fahrwerk deutlich weicher abgestimmt, steckt dafür aber auch Bodenwellen und Rüttelpisten besser weg. Die elektrisch unterstützte Lenkung dürfte etwas präziser sein, die Fünf-Gang-Schaltung ist dagegen exakt und leichtgängig. Für 800 Euro Aufpreis ist, mit Ausnahme des Basis-Benziners und -Diesel, ein automatisiertes Sechsgang-schaltgetriebe zu haben.

Die Sicherheitsausstattung bewegt sich mit Front- und Seitenairbags, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Isofix-Kindersitzbefestigung auf Standardniveau. ESP gibt es nur in den beiden höheren Ausstattungsvarianten Invite und Instyle im Sicherheitspaket mit Traktionskontrolle und Kopfairbags vorn und hinten für 800 Euro Aufpreis. Die Preisliste beginnt bei 11.990 Euro für das 1,1-Liter-Basismodell mit der etwas spärlich ausgerüsteten Inform-Ausstattung. Um Goodies wie elektrisch einstellbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, CD-Radio mit sechs Lautsprechern und Klimaanlage ab Werk zu bekommen, müssen schon 13.990 Euro hingelegt werden. Die Preisliste endet bei 18.060 Euro für das Dieselmodell 1,5 DI-D in der Top-Version Instyle zusätzlich mit 16-Zoll-Alu-Felgen, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Mittelarmlehne und elektrische Scheibenheber hinten.



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