Mitsubishi Grandis Großer Wagen, kleiner Durst

Bei Mitsubishi läuft es wieder rund. Nachdem die Japaner noch vor Jahresfrist tief im Tal der Tränen steckten, wachsen sie nun deutlich schneller als der Markt. Bislang ist das vor allem ein Verdienst des Colt. Doch mit einem neuen Diesel soll nun auch der Grandis nach vorn fahren.


Mitsubishi Grandis: 30 Prozent weniger Spritverbrauch mit Diesel im Tank

Mitsubishi Grandis: 30 Prozent weniger Spritverbrauch mit Diesel im Tank

Allen Diskussionen um Filter und Feinstaub zum Trotz gibt es Segmente, in denen am Diesel kein Weg vorbeiführt. Das hat jetzt auch Mitsubishi gemerkt und das Motorenangebot für die Großraumlimousine Grandis entsprechend erweitert. Nachdem die Japaner in dieser Klasse, in der acht von zehn Kunden zum Selbstzünder greifen, bislang nur mit einem Benziner vertreten waren, gibt es den Van nun vom 24. September an als Grandis 2.0 DI-D auch mit Diesel im Tank. Das Einstiegsmodell beginnt bei 26.990 Euro und liegt damit 1300 Euro über dem Benziner. Dennoch macht sich der deutsche Mitsubishi-Geschäftsführer Thomas Kursch große Hoffnungen - will er doch den Absatz des Grandis zum Jahresende auf 4700 Fahrzeuge steigern und dabei einen Dieselanteil von 85 Prozent erreichen.

Mitsubishi Grandis: Vom kantigen Kasten zum Flachdach-Tourer

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Auf dem Weg nach vorn setzen die Japaner allerdings auf ein Spenderherz. Denn der Diesel im Grandis kommt nicht aus Nippon, sondern aus Niedersachsen und läuft bei VW zum Beispiel im Passat oder im Touran. Er folgt dem nur noch von VW favorisierten Pumpe-Düse-Prinzip und bringt es bei zwei Liter Hubraum auf 100 kW/136 PS. Gegenüber dem Benziner schrumpft der Verbrauch dabei um rund 30 Prozent auf 6,6 Liter, so dass eine Tankfüllung für beinahe 1000 Kilometer oder eine Nonstop-Fahrt von Berlin bis nach Paris reicht. Und auch an das schlechte Gewissen haben die Japaner gedacht. Zwar ist der optionale Partikelfilter für einen Aufpreis von rund 600 Euro erst im kommenden Jahr verfügbar. Doch für die Kunden der ersten Stunde gibt es zumindest einen Gutschein, mit dem sie ihren Grandis dann für den gleichen Preis nachträglich zum Nichtraucher machen können.

Obwohl der Motor nicht für den Grandis entwickelt worden ist, macht er in der Großraumlimousine eine ordentliche Figur. Über eine gut gestufte Sechsgang-Schaltung bringt er bis zu 310 Newtonmeter an die Vorderachse und beschleunigt den großen Wagen mit dem kleinen Durst in 10,8 Sekunden auf 100 km/h. Und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h steht der Diesel dem Benziner kaum nach. Wenngleich man sich nach den ersten Testfahrten gut vorstellen kann, dass viel Dynamik verloren geht, wenn der Grandis wirklich einmal voll besetzt ist und die fast 600 Kilogramm Zuladung in Fahrt gebracht werden wollen.

Mitsubishi Grandis: Guter Hifi-Sound für sechs bis sieben Passagiere

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Zum neuen Modelljahr hat Mitsubishi allerdings nicht nur das Motorenangebot verdoppelt, sondern auch die Ausstattung des Vans noch einmal erweitert und das Fahrwerk optimiert. Ab sofort verfügen deshalb alle Varianten des Sechs- oder Siebensitzers serienmäßig über ein elektronisches Stabilitätsprogramm und eine Traktionskontrolle, für den guten Ton sorgt eine serienmäßige Radio-CD-Kombination mit MP3-Player und sechs Lautsprechern, die mühelos das vor allem im Stand auffällige Brummen des Diesels übertönt, das die Entwickler bis zum Verkaufsstart noch in den Griff bekommen wollen. Und für entspanntes Reisen steht nun ein aufpreisfreier Tempomat. Neu im Zubehörprogramm sind ein Navigationssystem mit ganz Europa auf einer DVD sowie ein Entertainment-System, das den Rücksitz zum Kino auf Rädern macht.

Fahrzeugschein
Hersteller: Mitsubishi
Typ: Grandis
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.968 ccm
Leistung: 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 310 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 195 km/h
Verbrauch (ECE): 6,6 Liter
CO2-Ausstoß: 175 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 320 Liter
umgebaut: 1.545 Liter
Preis: 26.990 EUR
Für Mitsubishi ist der Grandis der Nonkonformist in einem vom Mainstream beherrschten Marktsegment. Natürlich bietet er wie seine Wettbewerber reichlich Platz, und mit der versenkbaren dritten Sitzreihe folgt er dem Trend zur Variabilität. Doch zumindest beim Design löst er sich vom kantigen Kasten und gibt sich mit flachem Dach und kessem Hüftschwung als "Sportstourer". Bei den Kunden kommt das ganz offensichtlich an. Denn während nur 20 Prozent der gemeinen Van-Käufer das Design als Kaufkriterium nennen, hat Mitsubishi diese Angabe bei Kundenbefragungen von jedem zweiten Kunden in den Block diktiert bekommen.

Natürlich bleibt der Grandis auch mit dem sehnlich erwarteten Diesel-Motor gegenüber Sharan, Galaxy & Co. nur ein Außenseiter. Aber dennoch strahlt der deutsche Mitsubishi-Statthalter Kursch vor Zuversicht. Denn ganz offensichtlich haben die Japaner zumindest in Deutschland einen Weg aus dem tiefen Tal der Tränen gefunden. "Das Vertrauen der Kunden ist wieder da", sagt Kursch und verweist auf ein überdurchschnittliches Wachstum seiner Marke. "Während der Gesamtmarkt im ersten Halbjahr nur um 2,4 Prozent zugelegt hat, konnten wir unsere Zulassungen um etwa 17 Prozent steigern." Und auch für die Zukunft gibt sich Kursch optimistisch. Schließlich hat Mitsubishi für die Jahre 2004 bis 2007 zehn neue Modelle angekündigt und von diesem Programm erst etwa die Hälfte abgearbeitet. Schon auf der IAA in Frankfurt sehen die Japaner deshalb sonnigen Zeiten entgegen. Denn dann kommt der Bestseller Colt auch als Cabrio.



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