Autogramm Mitsubishi L 200 Harte Ansage

Preisfrage: Warum bauen immer mehr Autohersteller Pick-ups? Weil sie satten Profit versprechen. Mitsubishi hat mit der fünften Auflage des Evergreens L 200 ein echtes Raubein im Angebot - mit Blattfedern statt Allüren.

Mitsubishi

Der erste Eindruck: Glänzendes Chrom im Kühlergrill, funkelnde Scheinwerfer - der neue Mitsubishi L 200 ist ein Arbeiter. Aber einer, der sich herausgeputzt hat.

Das sagt der Hersteller: Der Pick-up L 200 bleibe weiter ein Arbeitsgerät, sagt Daniel Nacass von Mitsubishi Europa. Er betont die lange Tradition, die bis zum ersten Mitsubishi Lastendreirad aus dem Jahr 1946 zurückgeht und die gut vier Millionen Mitsubishi-Pick-ups, die bis heute gebaut wurden. Wie die anderen Stammspieler in diesem Segment - Toyota und Nissan - sieht sich die auch Nissan mächtiger Konkurrenz ausgesetzt. "Ford und VW haben mit Ranger und Amarok bereits den Markt erobert und die nächsten Neuerscheinungen stehen bereit", sagt Nacass. Im nächsten Jahr wird ein Fiat-Pick-Up auf L-200-Basis auf den Markt kommen, 2017 der erste Renault-Pick-up und dann auch noch ein Modell von Mercedes.

Dass immer mehr Hersteller in eine Nische drängen, die in Europa nicht einmal ein Prozent des Marktes ausmacht, erklärt der Mitsubishi-Mann so: Erstens sei der Pick-up ein Türöffner für "Emerging Markets" in Afrika, Asien und Südamerika. Und zweitens lassen sich die Pritschenwagen vergleichsweise billig produzieren und dennoch teuer verkaufen. "Man verdient einfach viel Geld damit", sagt Nacass und belegt das mit Zahlen aus der Mitsubishi-Bilanz. Danach machen die Japaner weltweit ein Drittel ihres Gewinnes mit dem L 200 und seinen Ablegern.

Das ist uns aufgefallen: Auch mit einem neuen Diesel-Motor schüttelt sich der L 200 beim Anlassen wie ein nasser Pudel und der lange Schaltknauf zittert derart, dass man die Hand schnell wieder zurück zieht. Das Mitsubishi-Modell bleibt auch in der neuen Generation ein rundherum rustikales Auto mit eher herben Charme - weit entfernt von modischen SUV-Spielereien.

Das ist gut so. Der Wagen macht statt falscher Versprechungen die Zusage, vier und notfalls auch fünf Menschen samt allerlei Gerät dorthin zu bringen, wo die Arbeit ruft. Selbst wenn man dafür durch Feld, Wald oder Wiese muss - schließlich baut Mitsubishi serienmäßig einen Allradantrieb mit Geländeuntersetzung ein. Schnick-Schnack sollten Kunden hingegen nicht erwarten. Elektrische Helferlein, Assistenzsysteme oder gar eine Lenkradheizung? Wer derlei braucht, der soll bitte in die SUV-Abteilung weitergehen.

Alle anderen dürften den L 200 als echten Kumpeltyp schätzen. Am Steuer dieses stattlichen Fahrzeugs benötigt man Weitblick beim Überholen und ein dickes Fell, wenn man mit dem Blattfeder-Fahrwerk über Temposchwellen oder Bordsteine rumpelt. Immerhin sind die neuen Sitze ziemlich bequem und spätestens samstagmorgens auf dem Parkplatz von Obi & Co. ist man mit diesem Auto der Star: Während SUV- oder Kombi-Eigner schon mit einem großen Sack Blumenerde kämpfen, nimmt die Ladefläche des L 200 Dutzende davon auf.

Das muss man wissen: Die Produktion in Thailand hat im vergangenen Jahr begonnen, nach Deutschland kommt das Auto jedoch erst ab Ende September. Die Preispalette wird bei etwa 27.000 Euro und damit auf dem Niveau des Vorgängers beginnen. Zwei Karosserievarianten sind verfügbar, das so genannte Club Cab mit kurzem Aufbau und die Version Double Cab mit vier Türen und ordentlicher Rückbank. Die Pritsche ist in beiden Fällen etwas größer als zuletzt, die Nutzlast liegt unverändert bei knapp einer Tonne und die maximale Anhängelast steigt um 100 Kilo auf bis zu 3,1 Tonnen.

Unter der Haube steckt stets der neue 2,4-Liter-Diesel, der mehr leistet und weniger verbraucht als der Motor des Vorgängers. Im besten Fall geht der Verbrauch um 1,1 auf 6,4 Liter zurück. Es gibt den Vierzylinder-Selbstzünder wahlweise mit 154 oder 181 PS. Mit letztere Maschine sind bei entsprechendem Anlauf immerhin knapp 180 km/h drin.

Das werden wir nicht vergessen: Wie sehr dieses Auto die Maßstäbe verschiebt. Denn gemessen an europäischen Kleinwagen ist der L 200 mit 5,21 Metern Länge ein echter Riese. Doch verglichen mit amerikanischen Pick-ups wie dem Ford F-150 oder dem Chevrolet Silverado ist er ein Zwerg. Diese unterschiedliche Wahrnehmung gilt nicht nur fürs Betrachten, sondern auch fürs Fahren. Selbst wenn er mit 11,80 Meter den kleinsten Wendekreis in seiner Klasse hat, muss man beim Rangieren ganz ordentlich kurbeln.

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Überfünfzig, 17.06.2015
1. Wo bauen die Autohersteller....
....immer mehr Pick ups? Sie bauen höchstens Lifestyle SUV's mit ne Miniladefläche hinten ran. Viel zu schade zum Arbeiten und als Fuhrparkinvestion viel zu teuer. Ich vermisse eher solche Pickups wie der Golf1 Caddy, Toyota Hilux und div. Modelle von Mazda und Co. Am Bestem mit ner 2er Kabine ohne Conectivityschwachsinn und einer Ladeflächenlänge von ca. 2 + X m, sowie preislich auf dem selben Niveau wie der Pkw.
20InchMovement 17.06.2015
2. Dodge
Zitat von Überfünfzig....immer mehr Pick ups? Sie bauen höchstens Lifestyle SUV's mit ne Miniladefläche hinten ran. Viel zu schade zum Arbeiten und als Fuhrparkinvestion viel zu teuer. Ich vermisse eher solche Pickups wie der Golf1 Caddy, Toyota Hilux und div. Modelle von Mazda und Co. Am Bestem mit ner 2er Kabine ohne Conectivityschwachsinn und einer Ladeflächenlänge von ca. 2 + X m, sowie preislich auf dem selben Niveau wie der Pkw.
Dodge Ram 1500.
GPTip.com 17.06.2015
3.
Zitat: "Selbst wenn er mit 11,80 Meter den kleinsten Wendekreis in seiner Klasse hat, muss man beim Rangieren ganz ordentlich kurbeln." Ein aktueller 5er BMW hat 12,10 m Wendekreis - ein schlechter Wert für eine agil sein wollende Limousine. Also steht der Mitsubishi außerordentlich gut da!
monolithos 17.06.2015
4.
Zitat von Überfünfzig....immer mehr Pick ups? Sie bauen höchstens Lifestyle SUV's mit ne Miniladefläche hinten ran. Viel zu schade zum Arbeiten und als Fuhrparkinvestion viel zu teuer. Ich vermisse eher solche Pickups wie der Golf1 Caddy, Toyota Hilux und div. Modelle von Mazda und Co. Am Bestem mit ner 2er Kabine ohne Conectivityschwachsinn und einer Ladeflächenlänge von ca. 2 + X m, sowie preislich auf dem selben Niveau wie der Pkw.
Warum "vermissen" Sie den Hilux? Kaufen Sie doch einen, wenn Sie einen brauchen! Oder sind die Preise zu hoch, weil der Absatz in der Levante gestiegen ist?
asunceno 17.06.2015
5. Seltsamer Vergleich
Neben einem Disco-LKW wie dem Dodge RAM sieht doch jedes Auto aus wie ein Auto. Wirklich eigenartig, dieser Vergleich.
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