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Autogramm Mitsubishi Space Star Es reicht!

Kleinwagen gelten als tot. Ausgerechnet Mitsubishi, für die meisten Deutschen eine vergessene Marke, stellt jetzt ein quicklebendiges Exemplar auf die Straße. Spartanisch, günstig, leicht - das ist der neue Space Star.

Der erste Eindruck: Unauffällig.

Das sagt der Hersteller: Für Mitsubishi ist der kleine Space Star eine große Nummer. So sieht es jedenfalls Kolja Rebstock, Deutschland-Chef des japanischen Herstellers. Mit knapp 18.000 Neuzulassungen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres war der Space Star das meistverkaufte Modell hierzulande. Damit ist Deutschland für den Space Star der größte Markt in Europa, und Europa wiederum die stärkste Region für den Kleinwagen, den die japanische Marke in Thailand produziert und in 90 Ländern weltweit verkauft.

Während VW-Chef Herbert Diess dem Kleinwagen-Segment aufgrund des hohen Aufwands bei der Abgasreinigung mittelfristig keine Chance mehr einräumt und Fiat mit dem gleichen Argument soeben den Nachfolger des Modell 500 gestrichen hat, sieht Mitsubishi große Chancen für kleine Autos - wenn sie clever gemacht sind. Viel Platz für wenig Geld, niedrige Betriebskosten, geringe Verbrauchswerte - so können Kleinwagen den Flottenverbrauch drücken und zugleich der knappen Kassenlage bei den Käufern begegnen, argumentieren die Verantwortlichen bei Mitsubishi.

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Autogramm Mitsubishi Space Star: Es reicht!

Foto: Mitsubishi

Das ist uns aufgefallen: Die Bescheidenheit. Auch wenn der überarbeitete Space Star jetzt ein hübsches Chrom-Schnäuzchen trägt, auf Wunsch mit LED-Scheinwerferaugen funkelt und in Metallicfarben wie "Citrin-Gelb" oder "Titan-Weiß" lackiert ist, verweigert sich der Konkurrent von VW Up oder Kia Picanto allen Eitelkeiten. Das gilt insbesondere im Innenraum, der überwiegend in grauem Hartplastik ausgekleidet ist. Schalter und Regler rasten noch ganz trocken ein. Die Anzeigen machen grafisch nicht viel mehr her als das Display einer Mikrowelle. Einziger Touchscreen an Bord ist der des Navigationssystems, das auf dem Weg aus der Space-Star-Fabrik in Thailand nach Europa ins Cockpit gesteckt wird. Dabei braucht man den vor allem für den Bildschirm, auf dem auch das Bild der Rückfahrkamera zu sehen ist. Alles Weitere holt man sich vom Smartphone, das sich jetzt kinderleicht integrieren lässt.

Auch die Sitze passen ins Bild. Sie müssen ohne Wellness-Firlefanz auskommen und bieten als einzigen Komfort ein paar Heizdrähte unter dem Mischbezug aus Stoff und Kunstleder. Aber dafür sind sie so schlank, dass man auch hinten überraschend gut sitzen kann. Für die Knie reicht der Platz in beiden Reihen, nur um die Schultern wird es etwas eng. Wenn zwei Erwachsene nebeneinander sitzen, sollten die deshalb besser befreundet sein.

Der Verzicht auf viele der sonst üblichen Extras spart nicht nur Geld, sondern auch Gewicht. Der Space Star wiegt in der Grundausstattung 870 Kilo und damit zwei Zentner weniger als ein VW Up, was wiederum den Verbrauch drückt. Außerdem trägt das geringe Gewicht im Zusammenspiel mit dem kleinen Wendekreis von 9,20 Metern zu einem flotten Fahreindruck bei. Jedenfalls fühlt sich das Auto agiler an, als man es angesichts der Leistung der Dreizylindermotoren erwarten würde. Im Stadtverkehr kommt sogar so etwas wie Fahrspaß auf.

Das muss man wissen: Der jetzt zum zweiten Mal überarbeitete Mitsubishi Space Star kommt im Februar in den Handel und startet bei 10.490 Euro. Dafür gibt es den mit der neuen Kühlermaske auf 3,85 Meter gewachsenen Fünftürer mit einem 1,0 Liter großen Dreizylindermotor mit 71 PS Leistung und 88 Nm Drehmoment. Die Preisliste endet bei der Version "Top", für die es einen auf 1,2 Liter Hubraum aufgebohrten Dreizylinder mit dann immerhin 80 PS Leistung und 106 Nm Drehmoment gibt. Damit sind bis zu 180 km/h möglich und der Verbrauch liegt bei 4,6 Litern. Für diesen Motor gibt es als Alternative zum manuellen Fünfgang-Getriebe für 1100 Euro Aufpreis auch eine stufenlose Automatik.

Das werden wir nicht vergessen: Das Gefühl von Zufriedenheit. Klar: Die Kabel für die Sitzheizung sind sichtbar verlegt, der Kunststoff im Cockpit ist hart, die Schalter eher grobschlächtig und die Kofferraumverkleidung ein bisschen fadenscheinig. Einen Schönheitspreis gewinnt der Space Star damit nicht. Und wer die Nachbarn neidisch machen will, sitzt in diesem Auto auch falsch. Aber alles, was man von einem Kleinwagen erwartet, erfüllt das Auto mit Bravour.

Hersteller:Mitsubishi
Typ:Space Star (2020)
Karosserie:Kleinwagen
Motor:Dreizylinder-Benziner
Getriebe:Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb:Front
Hubraum:1.193 ccm
Leistung PS:80 PS
Leistung kW:59 kW
Drehmoment:106 Nm
Von 0 auf 100:12,8 Sek.
Höchstgeschw.:180 km/h
Verbrauch (ECE):4,6 Liter
CO2-Ausstoß:105 g/km
Kofferraum:156 Liter
umgebaut:912 Liter
Gewicht:875 kg
Maße:3845 / 1665 / 1505
Preis:16.890 €
Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Mitsubishi unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.
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