Fahrbericht Mitsubishi Space Star Spartanisch, praktisch, gut

"Weltauto", das klingt ganz groß. Tatsächlich stecken dahinter meist schlichte Modelle, die hohe Stückzahlen bringen sollen. So wie der Mitsubishi Space Star. Aber wer sich in Zurückhaltung übt, wird den Zwerg zu schätzen lernen.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Bescheidenheit und Realitätssinn - diese beiden Grundeinstellungen helfen dabei, dem Mitsubishi Space Star näherzukommen. Denn bei der Entwicklung des Kleinwagens hatten die Ingenieure des japanischen Herstellers eines ganz gewiss nicht im Sinn: die Ansprüche deutscher Durchschnittsautokäufer zu erfüllen. Der Space Star ist als Weltauto konzipiert. Er basiert auf der neuen "Global Small"-Plattform von Mitsubishi, die vor allem dort funktionieren soll, wo Autofahren überhaupt noch ein großes Ding ist und die Menschen froh sind, nicht mehr nur auf Bus, Eisenbahn, Moped oder Fahrrad angewiesen zu sein.

Man sollte also ohne große Erwartungen in den Space Star einsteigen. Dort wartet aus Plastik modellierte Schlichtheit. Zwischen den Sitzen ragt der Handbremshebel hervor, davor wächst der Schaltknüppel des Fünfganggetriebes aus der Verkleidung und etwas höher gibt es zwei Drehschalter, ein paar Knöpfe, und das schmale Display des Radios. Ansonsten: schmuckloser Pragmatismus.

Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil. Die neue Mitsubishi-Fabrik in Thailand meldete vor einigen Wochen bereits das 200.000ste fabrizierte Modell. Der Absatz brummt, vor allem "in florierenden Ländern mit einer immer breiteren gesellschaftlichen Mittelschicht", wie Mitsubishi formuliert. In der "entwickelten Absatzzone" Deutschland wurden bislang rund 1500 Space Star verkauft.

Vermutlich sind die Käufer zufrieden - denn der 3,71 Meter lange Fünftürer ist im Rahmen seiner Möglichkeiten ausgesprochen überzeugend. Das Platzangebot ist für ein Auto dieser Abmessungen respektabel, das Kofferraumvolumen von 235 bis 912 Liter, bei umgeklappten Rücksitzlehnen, durchaus ordentlich. Man sitzt gut, die Übersicht ist beispielhaft und überhaupt fühlt sich dieser Kleinwagen rundum ernsthaft und durchdacht an.

Beispielhaft lässt sich das an der Aerodynamik des Autos zeigen. Wird der cW-Wert als Gradmesser der Windschlüpfigkeit herangezogen, brilliert der Space Star mit 0,27 und ist damit erheblich schnittiger und verwirbelungsfreier gestaltet als beispielsweise der neue Toyota Aygo (0,29) oder der VW Up (0,32) - die allerdings beide ein Stück kürzer sind.

Preiswerte Effizienz

Neben dem aerodynamischen Feinschliff kümmerten sich die Mitsubishi-Entwickler vor allem um das Thema Leichtbau. Teure Materialien sind in dieser Preisklasse zwar tabu, dafür jedoch holten die Ingenieure durch neue Gussverfahren für Motorblock und Zylinderkopf, eine besonders kompakte Abgasanlage und einen 35 Liter fassenden Benzintank aus Kunststoff etliche Kilos aus dem Auto. Das Leergewicht des von uns gefahrenen Modells lag bei 920 Kilogramm. Ungefähr so viel wiegt auch der etwa zwanzig Zentimeter kürzere VW Up mit fünf Türen.

Den Space Star gibt es ausschließlich mit einem Dreizylinder-Benziner unter der Haube. In Variante eins, der von uns gefahrenen Version, beträgt der Hubraum einen Liter und die Leistung 71 PS; es gibt den Motor auch mit 1,2 Liter Hubraum und 80 PS. Das kleine Triebwerk reicht völlig aus, und ja, man kann auch mit diesem Auto flott unterwegs sein. Die Frage ist daher nicht, ob 71 PS zu wenig sind, sondern vielmehr: Warum sollte so ein Auto überhaut 110 oder 130 PS haben?

Offiziell liegt der Durchschnittsverbrauch mit Fünfgang-Schaltgetriebe und sogenannter Clear-Tec-Ausstattung - die umfasst eine Start-Stopp-Automatik, eine Schaltempfehlungsanzeige im Cockpit sowie rollwiderstandsarme Reifen - bei vier Litern. Während unserer Testfahrten erreichten wir Werte zwischen 4,5 und 5,2 Liter, dafür saßen wir auch öfters zu viert im Auto. Allerdings erfüllt der Dreizylindermotor in Europa lediglich die Abgaseinstufung Euro fünf - auch dies ist der globalen Positionierung des Modells geschuldet.

Nur weißer Lack kostet nichts extra

Die hierzulande billigste Variante des Space Star kostet 8990 Euro und trägt weißen Lack. Sie bietet weder Radio, Gepäckraumabdeckung, Klimaanlage oder Zentralverriegelung. Das von uns gefahrene Auto war mit all dem serienmäßig ausgerüstet, darüber hinaus mit der erwähnten Start-Stopp-Automatik und es trug aufpreispflichtigen Metallic-Lack im Farbton "Apfel-Grün" (450 Euro Aufpreis) - macht zusammen 11.440 Euro.

Richtig billig ist das nicht, und doch gehört der Space Star zu den Fahrzeugen, die Autofahren auf sehr kleiner Flamme ermöglichen. Ein Kostenvergleich der Fachzeitschrift "Firmenauto" ergab, dass die durchschnittlichen Kilometerkosten des Wagens (inklusive Betriebs- und Werkstattkosten sowie Wertverlust) auf ledigich 28,7 Cent addieren. So billig kann Autofahren auch sein - Bescheidenheit und Realitätssinn vorausgesetzt.

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insgesamt 55 Beiträge
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e-hugo 11.04.2014
1. Erinnerung an den R4
Zitat von sysopJürgen Pander"Weltauto", das klingt ganz groß. Tatsächlich stecken dahinter meist schlichte Modelle, die hohe Stückzahlen bringen sollen. So wie der Mitsubishi Space Star. Aber wer sich in Zurückhaltung übt, wird den Zwerg zu schätzen lernen. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/mitsubishi-space-star-sparsamer-kleinwagen-mit-dreizylinder-benziner-a-962961.html
Sieht so aus als habe der R4 endlich einen würdigen Nachfolger, wenn auch von einer anderen Firma. Nur ein Problem hat das Auto, wird auch in einem Entwicklungsland jemand das elektronische Mäusekino hinter dem Lenkrad reparieren können? Ein Weltauto für Drittwelt- und Schwellenländer wäre mit analogen Instrumenten vielleicht besser ausgestattet.
schmusel 11.04.2014
2.
Meine Mutter hat sich den mit Automatik und Radio/Navi/Handy-Freisprecheinrichtung mit einem opulentem Display sowie Rückfahrkamera gekauft und liebt ihn. Fährt sich ausgesprochen gut. Wenn man aufs Gas drückt, ist das Motörchen zwar etwas laut aber dafür sparsam und trotzdem nicht so träge wie man es vermuten möchte.
mikaiser 11.04.2014
3. Motorhaube
Bild 7: So ein guter Zugang zum Maschinenraum ist vorbildlich. Alle Hersteller: Bitte nachmachen!
thomas.mann1 11.04.2014
4. Zwischen den Sitzen ragt der Handbremshebel hervor
Das ist doch absoluter Fortschritt gegenüber dem Elektonikmüll! Ansonsten: schmuckloser Pragmatismus. Ich erspar mir weiteres zu solchen Sätzen. Hier hat scheinbar immer noch jemand nicht den Knall gehört.
Überfünfzig, 11.04.2014
5. Ein Traum....
....für jeden Ökobeflissenen, der seinen SUV-fahrenden Nachbarn am liebsten in so einer "Möhre" sehen will! Spaß am Autofahren sieht anders aus und so ein Grauen auf Räder würde ich noch nicht mal meiner Frau vor die Tür stellen.
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