Autogramm Audi A4 Treibt mehr Sport

Von außen sieht man es ihm zwar nicht an, aber der neue Audi A4 ist viel spritziger als sein Vorgänger. Der Mittelklassewagen wirkt wie die Mischung aus seinen schärfsten Konkurrenten - und bringt die Hackordnung im eigenen Haus durcheinander.

Audi

Der erste Eindruck: Perfektionierte Langeweile. Gemessen an der stilistisch wegweisenden Studie Prologue ist Audi beim Design des neuen A4 viel zu kurz gesprungen. Aufsehenerrgend ist bei diesem Auto ausgerechnet das, was man nicht sieht - die Motorhaube liegt nämlich so eng und akkurat am Rest der Karosserie, dass die Fuge fast verschwindet.

Das sagt der Hersteller: "Man muss den A4 fühlen und fahren, um den Fortschritt richtig zu spüren", erklärt Audi-Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg. Was Entwicklungsvorstände eben so sagen, wenn sich neue Modelle rein äußerlich nicht großartig vom Vorgänger abheben.

Das ist uns aufgefallen: Dass Hackenberg Recht hat. Beim Fahren spürt man tatsächlich den Generationensprung. In diesem A4 hat man richtig Spaß am Unterwegssein - das war bei den Vorgängern nicht so der Fall. Das liegt vor allem daran, dass der Wagen handlicher, präziser und agiler geworden ist. Gleichzeitig beherrscht er aber nach wie vor auch das sanfte Dahingleiten. Weil der Luftwiderstand reduziert und die Dämmung verstärkt wurde, fährt der A4 zudem leiser. Die Entscheidung liegt also beim Fahrer, der über die Drive-Select-Funktion den Sport- oder Komfortmodus wählen kann.

Der neue Audi A4 ist damit ein guter Kompromiss - und zwar aus seinen Konkurrenten, dem 3er BMW und der Mercedes C-Klasse. In München bauen sie immer noch die sportlicheren Mittelklassewagen, und gegen die Limousine aus Stuttgart mit ihrer Luftfederung kann auch der Komfort des Audi nicht mithalten. Aber wer die Schnittmenge aus den beiden sucht, wird beim A4 fündig.

Das gilt übrigens auch für die teureren Modelle unter dem eigenen Markendach. Obwohl das Auto außen kaum gewachsen ist, bietet es innen mehr Platz, sowohl für Fahrer und Beifahrer als auch im Fond. Weshalb also einen A6 kaufen? Und zumindest in den gehobenen Modellvarianten geht es im neuen A4 so vornehm zu, dass sogar der A8 fast popelig dagegen wirkt. Der Monitor des Navigationssystems wurde schlanker und klappt jetzt nicht mehr aus der Armaturentafel, sondern steht fest. Das Armaturenbrett ist aufgeräumter und die Oberflächen machen einen wertigen Eindruck. Vor allem die Klima-Bedienung mit den Digitalanzeigen in den Drehreglern und den alubeschichteten Sensortasten ist ein gelungenes Detail.

Auch bei der Elektronik sticht der A4 die größeren und älteren Audi-Typen aus. Vom digitalen Cockpit mit Head-up-Display über die LED-Scheinwerfer und dem Online-Infotainment mit LTE-Hotspot und Updates in Echtzeit bis hin zu den Assistentenzystemen für semiautonomes Fahren übernimmt der A4 alles, was der gerade von Audi vorgestellte Luxus-SUV Q7 zu bieten hat.

Das muss man wissen: Auch wenn man es nicht auf Anhieb sieht, ist der A4 eine Neukonstruktion, für die vom Vorgänger kaum mehr als die Radschrauben übernommen wurden. Dadurch konnten das Gewicht des Autos um bis zu 120 Kilogramm gesenkt und der cW-Wert der Limousine auf 0,23 gedrückt werden. Zum Vergleich: Die Bestmarke in diesem Bereich hält der Mercedes CLA mit einem Wert von 0,22. Zusammen mit neuen oder optimierten Motoren und Getrieben mit erweitertem Freilauf senkt das den Verbrauch um bis zu 21 Prozent, sodass der vorläufig sparsamste A4 auf einen Normwert von 3,7 Litern kommt.

Bei den Händlern steht der A4 - übrigens zeitglich auch als Kombi-Modell Avant - ab November, und die Preise werden bei knapp unter 31.000 Euro beginnen. Allerdings ist da viel Luft nach oben. Schließlich gibt es nicht nur dutzende Extras von der Ambientebeleuchtung in 30 Farben bis zur Musikanlage von Bang & Olufsen mit 3D-Sound; sondern auch die Wahl zwischen drei Benzin- und vier Dieselmotorisierungen von 150 bis 272 PS. Wer die Top-Version mit dem drei Liter großen V6-TDI, Achtgang-Automatik und Allradantrieb wählt, fährt zwar ein sportlich-souveränes Auto - hat aber auch 50.100 Euro auf der Rechnung.

Das werden wir nicht vergessen: Es ist eigenartig, wie unterschiedlich die Wirkung dieses Autos ist. Beim Design immer noch unterkühlt, ist der A4 in allen anderen Belangen erfrischend neu und besser geworden.



insgesamt 153 Beiträge
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Seite 1
diplkomp 31.07.2015
1. Herrlich...
... ein Wagen eines deutschen Herstellers wird vorgestellt... ich glaube, ich bereite schonmal meinen SPON-Auto-Bingo-Zettel vor und schau nach, ob ich schon auf der ersten Kommentarseite folgendes zusammenkriege: - nicht mehr zeitgemäß - alles Firmenwagen - braucht kein Mensch - katastrophales Design - Radfahren ist viel gesünder - warum kein Elektroauto? - Die Straßen sind eh schon viel zu voll - die SI-Einheit für Leistung ist Watt - Das Finanzamt finanziert das auch noch - die Besitzer scheinen es ja nötig zu haben - gibts denn keine Autos mehr ohne die ganzen Assistenzsysteme? Das entmündigt mich als Fahrer!
frisamu 31.07.2015
2. Einfach spitze...
Zitat von diplkomp... ein Wagen eines deutschen Herstellers wird vorgestellt... ich glaube, ich bereite schonmal meinen SPON-Auto-Bingo-Zettel vor und schau nach, ob ich schon auf der ersten Kommentarseite folgendes zusammenkriege: - nicht mehr zeitgemäß - alles Firmenwagen - braucht kein Mensch - katastrophales Design - Radfahren ist viel gesünder - warum kein Elektroauto? - Die Straßen sind eh schon viel zu voll - die SI-Einheit für Leistung ist Watt - Das Finanzamt finanziert das auch noch - die Besitzer scheinen es ja nötig zu haben - gibts denn keine Autos mehr ohne die ganzen Assistenzsysteme? Das entmündigt mich als Fahrer!
Super - besser hätte man es nicht formulieren können. Und genau so wird's kommen. Ein paar hätte ich noch: - Warum kein Auto mit 1.000 kg und 75 PS? - Früher war alles besser - Mein Japaner kann alles was der Audi kann und noch viel mehr fürs halbe Geld...
veccctor 31.07.2015
3. Neee diplkomp
Ich mach da nicht mit, ich finde den klasse. Würde aber auf den Kombi warten. Ich habe nur das Navi Display zu bemängeln, warum Audi auf den Mercedes Zug aufspringt und auch ein starres Teil einbaut, welches aussieht wie ein hingeklebtes Billigtablet, werde ich wohl nie verstehen.......
verbal_akrobat 31.07.2015
4. Ich hab ja auch mal gesagt das ich den deutschen Design...
...Einheitsbrei nicht mehr sehen kann. Aber. Es ist ihre eigene Linie im Werk und er ist schön, ja sehr gediegen der neue A4. Wird sich sicherlich gut verkaufen!
haudinei 31.07.2015
5. Zum Design
Also ich finde schon, dass man in puncto Design einen deutlichen Unterschied zum Vorgänger sieht. Der Wagen ist hässlicher geworden. Das fürchterliche Heck wurde anscheinend von der A3 Limousine übernommen und die Außenspiegel sehen aus, als ob man sie vergessen und nachträglich drangeklebt hätte. Design aus einem Guss sieht anders aus. Front und Seitenansicht sind gewohnt unspektakulär und damit langweilig. Interieur naja. Das überdimensionierte Tablets - wie auch in der C-Klasse - wirkt ein bißchen fehl am Platz. Wenn sich das Auto so fährt, wie im Artikel beschrieben wurde, dann passt das ja ganz gut zur Optik. Gähn.
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