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Autogramm Mazda MX-5: Automobile Leichtathletik

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Autogramm Mazda MX-5 Nur zum Spaß

Was macht einen Sportwagen aus: der Motor? Das Tempo? Nein, die Seele! Der neue Mazda MX-5 beweist, wie wenig ein Roadster tatsächlich braucht, um Spaß zu machen. Manchmal gingen die Japaner dabei aber doch zu weit.

Das ist uns aufgefallen: Mann, ist der klein! Wenn man zum ersten Mal vor dem neuen Mazda MX-5 steht, wirkt der Roadster fast wie ein Spielzeugmodell. Auf eine gewisse Weise passt das auch, denn schließlich ist der Wagen als reines Spaßauto konzipiert.

Das sagt der Hersteller: Was der 911 für Porsche, der Mustang für Ford oder der SL für Mercedes, das ist der MX-5 für Mazda. "Eine Legende", sagt Projektleiter Nobuhiro Yamamoto. Und ein Umsatzbringer dazu, denn in den vergangenen 25 Jahren wurden die bislang drei Generationen des offenen Zweisitzers mehr als eine Million Mal verkauft - so oft wie kein anderer Roadster. Und dieser Mazda-Typ war es auch, der andere Hersteller wieder auf das Segment der offenen Flitzer aufmerksam machte. "Ohne den MX-5 hätte es Fahrzeuge wie den Audi TT, den Porsche Boxster oder den Mercedes SLK wahrscheinlich nie gegeben", sagt Yamamoto. Der vierten Generation des MX-5 fällt erneut die Aufgabe zu, das Segment neu zu beleben, angesichts weltweit sinkender Roadster-Zulassungszahlen. Yamamoto kümmert sich nicht um solche Ansprüche, ihm geht es mehr um den Abstrahleffekt auf die Marke: "Die Leidenschaft der Entwickler und die Lust aufs Fahren - ein bisschen MX-5 steckt in jedem unserer Modelle."

Das ist uns aufgefallen: Huch, schon herum? Ein kurzes Zucken am Lenkrad, schon ist der MX-5 um die Ecke. Das liegt vornehmlich am Gewicht: Dass sich der MX-5 auch bei hohem Tempo auf der Landstraße so unerhört leichtfüßig bewegt, liegt daran, dass er tatsächlich lediglich 1000 Kilogramm auf die Waage bringt. Zwischen 30 und 40 Prozent weniger als etwa ein Porsche Boxster - je nach Ausstattung und Modell. Und jedes fehlende Gramm macht sich bei der Kurvenhatz positiv bemerkbar.

Wie kaum ein anderes modernes Auto ist der MX-5 auf das Minimum maximiert und in jeder Hinsicht gerade so groß, wie nötig. Wenn man den Designern und Entwicklern zuhört, dann klingt es fast so, als hätten sie das Blech mit einem Vakuumsauger um die Technik gezogen. Und mal ehrlich: Welcher andere Entwickler wäre stolz darauf, nach 25 Jahren endlich den kleinsten Innenraum der Modellhistorie zu präsentieren?

Obwohl Yamamoto die im Prinzip alten Ideale predigt, ist der MX-5 keinesfalls ein Retroauto. Zur Ausstattung zählen LED-Scheinwerfer, ein Infotainment-System mit Online-Anbindung und ein so gründlich modernisiertes Design, dass es vielen Fans fast schon wieder zu weit geht - beispielsweise weil sie das Heck zu sehr an den BMW Z4 erinnert.

In alle Begeisterung mischt sich aber auch Kritik: Dass sich die Ingenieure das Handschuhfach gespart haben - nun ja. Und auch über den Kofferraum, der kaum mehr als Handtuch und Strandmatte fasst, kann man hinwegsehen. Aber ein bisschen mehr Motorklang dürfte das Auto schon zu Gehör bringen; und bei einem Sportwagen dieses Kalibers wäre ein komplett abschaltbares ESP wünschenswert.

Das muss man wissen: Mitte September erst wird der MX-5 zu den Händlern kommen. Optimal ist das nicht, denn der Sommer ist dann schon wieder vorbei. Beim Preis hingegen dürfte sich Mazda mehr Freunde machen als beim Timing: Die Basisvariante mit 1,5 Liter Hubraum, 131 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 150 Nm kostet 22.990 Euro. Mehr Emotionen pro Euro bietet derzeit kaum ein Auto.

Wer rund 4000 Euro mehr ausgibt, bekommt den Roadster mit 2,0-Liter-Motor und 160 PS. Doch dies oder gar ein Tuningpaket ist bei diesem Auto überhaupt nicht nötig.

Das werden wir nicht vergessen: Es ist nur ein Griff, aber in ihm verdichtet sich das ganze Auto. Auch in der neuen MX-5-Generation wird das Verdeck mit einer einzigen Handbewegung geöffnet. Nicht eine Minute hätten die Ingenieure über einen elektrischen Mechanismus nachgedacht, wie er sonst fast überall Standard ist, heißt es. Das spart nicht nur ein paar Kilogramm ein, sondern es bewahrt auch die puristisch-schnörkellose Seele dieses Autos. Ein kurzes Zupacken, und die Autowelt ist wieder in Ordnung.

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