Nissan Fusion Philosoph im Schnee

Es geht nicht einfach um eine Weltpremiere. Nissan will mit der Studie "Fusion" das Designkonzept der Zukunft definieren - "Mondstein"-Material und Lichteffekte in Regenbogen-Farben inklusive.


Es ist stets verdächtig, wenn Designer viele Worte um ihre Entwürfe machen. Im Falle des Nissan Fusion sind es gleich fünf DIN-A4-Seiten, auf denen erläutert wird, warum beispielsweise der Nissan-Neubeginn von "Mut und Ausdrucksstärke" geprägt ist.

Von Schnee keine Spur: Der Nissan Fusion stellt eine gelungene Mischung aus Kanten und Kurven dar

Von Schnee keine Spur: Der Nissan Fusion stellt eine gelungene Mischung aus Kanten und Kurven dar

Gestylt wurde das Auto von Nissans europäischem Design-Center im bayerischen Geretsried. Dort ist Stéphane Schwarz der Chef, weshalb ihm der "philosophische" Part zufällt. "Stellen Sie sich ein Auto vor, ein vertraut wirkendes, praktisches Auto. Wie der Schnee die Linien des Fahrzeugs aufweicht und seine Gestalt verformt, ganz gleich, wie vertraut die Form auch sein mag. Genau dies wollten wir mit dem Fusion erreichen."

Das hat nicht ganz geklappt, denn der Fusion sieht aus wie ein Auto bei 10 Grad plus. Und das ist auch gut so. Weich und rund und "schneebedeckt" gibt es längst, zum Beispiel beim Audi TT oder VW New Beetle.

Der Nissan Fusion dagegen bietet eine gute Mischung aus Knicks und Kanten sowie Bögen und Kurven. Was auffällt: Die Limousine der Zukunft ähnelt im Profil immer stärker einem Coupé; das Dach fällt extrem schräg ab, Heckscheibe und Kofferraumklappe bilden nahezu eine Einheit.

Futur oder Fusion? Die Nissan-Studie kommt mit allerlei Spielereien daher

Futur oder Fusion? Die Nissan-Studie kommt mit allerlei Spielereien daher

Damit die Außenhaut des Autos möglichst glatt erscheint, fehlen dem Fusion Außenspiegel. An ihrer Stelle sitzen Kameras, die Bilder vom rückwärtigen Geschehen auf zwei Monitore am Armaturenbrett übertragen.

Türgriffe sind zwar vorhanden, doch die fahren erst dann aus der Blechhaut, wenn sie berührt werden. Im Innenraum spielen die Designer mit Kontrasten: Technische Details sind aus kalten Materialien wie Aluminium oder Plexiglas gefertigt, ansonsten herrschen Connolly-Leder (Sitze, Türverkleidungen) sowie zwei neue Werkstoffe vor. Nissan nennt sie "Mondstein"-Material und "Techno-Tatami" - ein aus schillernden Synthetikfasern hergestellter Stoff, mit dem der Fußraum ausgekleidet wurde.

Eine Neuheit findet sich auch im mittig angeordneten, durchgehenden Dachholm. Dort wurde ein Glasfaser-Optiksystem von Philips montiert, das bei einbrechender Dunkelheit aktiviert wird. Dann glitzert es in allen möglichen Regenbogenfarben.

Die Farbe der Beleuchtung kann variiert werden. "Je nach Stimmung können die Passagiere auf diese Weise das Ambiente in einer Vielzahl von Farben verändern und anpassen", heißt es bei Nissan. Wer seinen Innenraum wann in welches Licht taucht, ist dann fast schon wieder eine Frage der Philosophie - oder war das Psychologie?



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