Autogramm Nissan GT-R 50 Schnell weg!

Seit nunmehr 50 Jahren fährt der GT-R viele deutlich teurere Konkurrenten in Grund und Boden. Zum Jubiläum des Berserker-Boliden hat Nissan eine besonders extreme, streng limitierte Variante aufgelegt.

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Der erste Eindruck: Das Auto sieht aus wie ein Einzelstück für einen Hollywoodfilm oder eine Designstudie für eine Automesse.

Das sagt der Hersteller: In diesem Fall gibt es zwei Hersteller. Nissan, der mit dem GT-R die technische Basis liefert. Und das Designstudio Italdesign, das die Karosserie gezeichnet und gefertigt hat. Die von Giorgio Giugiaro in den späten Sechzigerjahren gegründete Firma verantwortet legendäre Autos wie den BMW M1, den DeLorean DMC12 und den Maserati Bora, hat aber auch schlichte Klassiker wie den ersten Audi 80 entworfen. Zu Audi gehört das Studio auch heute, darf aber offensichtlich auch Aufträge von Fremdfirmen annehmen - und deren sollen es künftig mehr werden.

Für Andrea Porta, Projektverantwortlicher bei Italdesign, ist der GT-R deswegen ein Werbefahrzeug in eigener Sache. "Das Auto wird kein Einzelstück bleiben", sagt er. Porta war es, der mit der Idee für die extreme Kleinserie zum Modelljubiläum an Nissan herangetreten ist. "Wir wollten zeigen, was wir bei Italdesign auf die Räder stellen können." Porta will Folgeaufträge an Land ziehen und brüstet sich deshalb mit einer Entwicklungszeit von nur wenigen Monaten vom ersten Pinselstrich bis zu den ersten Testkilometern des Prototyps.

Im März 2020 soll die Produktion im Werk in Turin anlaufen und dann pro Woche ein Exemplar ausgeliefert werden - bis das Limit von 50 Stück erreicht ist. Wenn es klappt, könnte es ein Gewinn für beide Firmen werden: Italdesign hätte seine Leistungsfähigkeit als Minischmiede unter Beweis gestellt. Und Nissan Aufmerksamkeit für seinen Supersportwagen erzeugt, der inzwischen trotz jährlicher Updates etwas gealtert ist.

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Autogramm Nissan GT-R 50: Der Eine-Million-Euro-Nissan

Das ist uns aufgefallen: Schüchtern sollte man in diesem Auto nicht sein. Wo der Jubilar auftaucht, steht er sofort im Brennpunkt des Interesses. Den normalen GT-R übersehen Laien immer noch gern, Kennern entlockt er wegen seiner langen Bauzeit von nunmehr 12 Jahren nur noch müdes Interesse. Doch bei dem Goldstück zum 50. Jubiläum ist das anders. Der sieht durch die Farbe und die Form mit der tiefen Schnauze, dem flachen Dach und dem gewölbten Heck so exotisch aus, dass selbst die Polizisten die Radarpistole weglegen und stattdessen das Smartphone zücken.

Aber nicht nur in Sachen Optik wurde aufgerüstet. Dem ohnehin schon potenten Motor wurde mithilfe von Teilen aus Nissans Rennsportsparte eine weitere Frischzellenkur verordnet. Das Ergebnis sind 720 Bi-Turbo-PS statt den 600 Pferdestärken des Vorgängermodells, das Drehmoment des 3,8-Liter-V6-Motors wurde von 652 auf 780 Nm gesteigert. Die Fahrleistungen gibt Nissan wie folgt an: Der Sprint von null auf hundert wird unter 2,5 Sekunden erledigt, die Höchstgeschwindigkeit liegt über 315 km/h.

Ob die wenigen glücklichen Besitzer diese Werte regelmäßig im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, bleibt abzuwarten. Im Innenraum sitzt man eher unbequem, außerdem ist die Übersicht wegen der flachen Heckscheibe und der von Italdesign radikal-minimal gestalteten Außenspiegel extrem überschaubar. Je länger die Testfahrt dauert, desto mehr verhärtet sich der Eindruck, dass dieses Auto nicht als Sportskanone, sondern als Schaustück gedacht ist.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Nissan GTR 50 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Den GT-R 50 wird es genau 50 Mal geben - ein Exemplar für jedes Jahr, seit dem Nissan das Original baut (wobei die Vorgängermodelle des GT-R bis 2007 unter dem Namen "Skyline GT-R" verkauft wurden). Diese Exklusivität hat ihren Preis: Der Grundpreis des Wagens liegt bei 990.000 Euro plus Steuern, das macht den Wagen zum bis dato teuersten Modell in der Firmengeschichte.

Doch damit ist das Ende der Preiseskalation noch lange nicht erreicht. Auch der mehr als eine Million Euro teure GT-R 50 lässt sich weiter individualisieren - und damit teurer machen. Italdesign bietet zum Beispiel eine einzigartige Lackierung in jeder Wunschfarbe möglicher Kunden an. Porta: "Wir mischen den Farbton individuell und überlassen dem Käufer die Rezeptur. Diese Farbe gibt es dann weltweit nur an diesem einen Auto."

Das werden wir nicht vergessen: Die Fahrer anderer Supersportwagen während der Testfahrt mit dem MT-R 50. So, wie Pfauen ihr Rad schlagen, buhlten sie mit lauten Gasstößen und Zwischensprints um die Aufmerksamkeit der Passanten - vergebens. Beleidigt - weil kaum beachtet - rauschten sie wieder ab. Auch der Typ im Aston Martin. Der war offenkundig so genervt, dass er an der nächsten Ampel fast dem Vordermann ins Heck gekracht wäre. Dass sein Auto nicht nur beim Sprint, sondern auch beim Schaulaufen gegen einen Nissan verliert, konnte der Fahrer offenbar nur schwer verwinden.

Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: GT-R 50
Karosserie: Coupé
Motor: V6-Biturbobenziner
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplung
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.799 ccm
Leistung: 720 PS (530 kW)
Drehmoment: 780 Nm
Von 0 auf 100: 2,5 s
Höchstgeschw.: 315 km/h
Gewicht: 1.700 kg
Maße: 4784 / 1992 / 1317
Preis: 1.178.100 EUR


insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
mgrevenstein 22.05.2019
1. Mhhh....
ich selbst bin auch Fan Japanischer Autohersteller aber ob hier das P-L Verhältnis noch den Rahmen beinhaltet wage ich zu bezweifeln. Es gibt hierzu sicher bessere Alternativen. Ob die den gleichen Effekt beim Piloten haben liegt eben in der unterschiedlichen Betrachtungsweise derer. Fahrbar oder nicht....ist ja kein Nieschenprodukt,oder? Es gibt für diese "UVP" keine Rechtfertigung.
sargent 22.05.2019
2. Fehler im Text
Der Nissan GT-R wird nicht seit 22 gebaut. Der GT-R wurde 2007 auf den Markt gebracht. Es sind somit 12 Jahre. Bei dem GT-R 50 handelt es sich um ein Sondermodell. Im Artikel die Serienversion als Vorgängermodell zu bezeichnen ist mindestens unglücklich. Bitte ändern.
Der Eiserne W 22.05.2019
3.
Zitat von sargentDer Nissan GT-R wird nicht seit 22 gebaut. Der GT-R wurde 2007 auf den Markt gebracht. Es sind somit 12 Jahre. Bei dem GT-R 50 handelt es sich um ein Sondermodell. Im Artikel die Serienversion als Vorgängermodell zu bezeichnen ist mindestens unglücklich. Bitte ändern.
Im Text wird ja erwähnt, dass die Vorgänger bis 2007 noch unter dem Label "Skyline GT-R" firmierten. Woher die 22 Jahre kommen ist mir jedoch auch schleierhaft, der R32 kam immerhin 1989 auf den Markt.
rathat 22.05.2019
4.
Allein schon das schwarz/grüne, monochrome Display mit dem Stil eines 90er Jahre Taschenrechners macht das Auto jeden Cent seiner 990.000€ Wert ;) Letztlich sieht der Wagen aus, wie eine billige Kopie des Aston Martin Vulcan und dürfte für all die gedacht sein, die bei dem auf nur 24 Stück limitierten Modell nicht zum Zuge gekommen sind.
Erika.Mustermann@spon.de 22.05.2019
5.
Außen noch ganz nett, aber innen? Hatten die Designer in der halben Stunde der Entwicklung des Innenraums gerade Teepause?
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