Nissan Murano Frischer Schliff, neue Kraft

Bald bekommt der Nissan Murano Konkurrenz aus den eigenen Reihe - durch den feinen Vetter EX der Nissan-Nobelmarke Infiniti. Jetzt aber wurde erst einmal der Murano aufpoliert. Und als hätten Nissan nicht schon genug Allradler, bekommt auch das Modell Qashqai Zuwachs.


An der Frage scheiden sich bei Nissan die Geister: Ist der frische Murano nun wirklich ein neues Modell, oder nur ein gründliches Facelift? Während die einen auf die neue Plattform verweisen, auf das aufgefrischte Design und den stärkeren Motor, wiegeln die anderen ab. Abmessungen und Radstand seien nahezu identisch, im Motor wurde nur der Steuerchip ausgetauscht, und was das Design angeht, wurde lediglich der Look etwas aufgefrischt.

Eine eindeutige Antwort wird es also nicht geben - und das ist auch nicht nötig. Fest steht, dass der vornehme Allradler nicht einmal vier Jahre nach dem Europa-Debüt doch ein wenig angestaubt war und nun rechtzeitig vor dem Start des hausinternen Konkurrenzmodells Infiniti EX aufgehübscht wurde. Und so trägt der ab Oktober lieferbare neue Murano eine frische Frontpartie, die sich mit noch mehr Chrom schmückt und im Falle eines Falles Fußgänger besser schützt. Im Innenraum gibt es feinere Auslegeware, mehr Liebe zum Detail und Kunststoffe, die sich deutlich besser anfühlen als bisher. Ebenfalls neu sind die elektrisch öffnende Heckklappe, der einfachere Mechanismus zum Umlegen der Rückbank, eine zweite Kamera, die beim Rangieren die Bordsteinkante im Auge behält, sowie das große Panoramadach.

Unter dem Blech haben die Japaner ebenfalls Hand angelegt: Zwar bleibt es beim V6-Motor mit 3,5 Liter Hubraum, doch steigt die Leistung auf 270 PS, und das maximale Drehmoment erreicht nun 336 Nm. Weil zudem das stufenlose CVT-Getriebe optimiert wurde, sei der neue Murano nicht nur schneller als bislang (200 km/h), sondern auch sparsamer (12,3 Liter im Schnitt), sagen die Entwickler. Exakte Zahlen gibt es noch nicht, doch bei einer ersten Ausfahrt ist zumindest der flottere Antritt spürbar.

Der stärkere Motor hängt gut am Gas, und die Automatik arbeitet reibungslos. So sportlich wie der kommende Infiniti EX ist der Murano jedoch nicht - schon aus Wettbewerbsgründen. Aber als großer Cruiser macht er seine Sache tadellos. Und wer nicht bis 2009 auf den überfälligen Dieselmotor warten will, kann zur Entlastung der Tankkasse eine Umrüstung auf Flüssiggas bekommen, kündigt Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfl an.

Was das und überhaupt das ganze neue Auto kosten wird, sagt er aber noch nicht. Doch der Wettbewerb ist hart und die Konkurrenz groß. "Deshalb sind wir bemüht, so nah wie möglich am Vorgängermodell zu bleiben", sagt Bierdümpfl. Bislang kostete der Murano mindestens 46.740 Euro. Die Preisgestaltung zeugt von Mut und Zuversicht. Selbst der Infiniti EX wird "anfang 40.000 Euro kosten", heißt es bei der Schwestermarke. Zwar ist das Modell etwas kleiner als der Murano, dafür aber ist der V6-Motor voluminöser und um rund 50 PS stärker.

Ulkiger Name, großer Erfolg

Während der Murano einem stürmischen Wettbewerb entgehen fährt, genießt der kleinere Geländewagen Qashqai Rückenwind. Als Alternative zu den konventionellen Fünftürern in der Kompaktklasse entworfen und in der Lücke zwischen Pkw und Geländewagen positioniert, fährt das Cross-Over-Modell steil bergauf. In Deutschland können die Händler angeblich kaum ihre Bestellungen abarbeiten, und das Werk kommt mit der Produktion nicht hinterher. Mehr 170.000 Qashqai hat Nissan in nur gut einem Jahr bereits auf die Räder gestellt.

Jetzt wird die Nachfrage weiter angeheizt, denn im Juli debütiert auf der Motorshow in London der gestreckte Qashqai+2, der Platz für sieben Sitze bietet. Er zielt nicht nur auf Konkurrenzmodelle wie den Mitsubishi Outlander, sondern schließt ab dem Verkaufsbeginn im Oktober als moderne Alternative zu Van und Kombi auch zwei Lücken, die schon lange im Nissan-Sortiment klaffen.

Vor allem der Fond profitiert vom Längenwachstum

Für die Extraplätze im Heck wurde der Wagen großzügig in die Länge gezogen. Der Radstand wuchs um 14, der hintere Überhang um weitere sieben Zentimeter. Auf nunmehr 4,53 Metern bietet der Qashqai+2 künftig nicht nur eine dritte Sitzbank, die bei Bedarf im Wagenboden verschwindet, sondern nach einer ersten Sitzprobe auch mehr Kniefreiheit auf allen Plätzen. Und natürlich fällt auch der Kofferraum deutlich größer aus. Er wächst um rund 90 auf beinahe 500 Liter. Weil zudem auch noch das Dach angehoben wurde, um die Proportionen zu wahren und den Hinterbänklern mehr Kopffreiheit zu gewähren, gibt es auch nach oben bis zu drei Zentimeter mehr Luft

Spätestens mit diesem Modell fährt Nissan im Allradsegment ganz vorne weg. Kein anderer Großserienhersteller hat mehr Geländegänger im Programm als die japanische Renault-Schwester. Und nimmt man die beiden Allradlermodelle von Infiniti dazu, sticht Nissan sogar die Offroad-Marke Jeep aus. "Mehr als die Hälfte aller verkauften Nissan-Modelle sind schon jetzt als Cross-Over, Sport Utlity-Vehicle oder Geländewagen", sagt Nissan-Deutschland-Chef Andreas Gabriel. In Zukunft könnte die Quote noch steigen. Gabriel: "Wenn der Qashqai jetzt einen großen Bruder bekommt, warum sollten wir ihm dann nicht auch noch einen kleinen zur Seite stellen."



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