Nissan Note Aus der Tiefe des Raumes

Was macht ein Designer, wenn plötzlich Nachwuchs kommt und er seinen Sportwagen abstellen muss? Er setzt sich ans Zeichenbrett und entwirft das ideale Familienauto. So zumindest erzählt Nissan die Geschichte des Note, der jetzt gegen den Opel Meriva antritt.


Handliche Großraumlimousinen gibt es mittlerweile mehr als genug. Doch weil Nissan in der Kompaktklasse mit dem in Würde ergrauten Almera und vor allem mit dem ziemlich angestaubten Tino gegen die europäischen Wettbewerber kaum noch eine Chance hat, gehen die Japaner jetzt neue Wege. Statt die Kunden mit dem zwölften Schrägheckmodell im Stil des Focus und dem 17. Kompaktvan im Touran-Format zu ködern, setzen sie nun auf neue Konzepte, die frischen Wind in das am heftigsten umkämpfte Segment des Marktes bringen sollen.

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Nissan Note: Der Ablagekünstler

Am oberen Ende der Modellskala ruhen die Hoffnungen auf der Serienfassung der vor zwei Jahren präsentierten Studie Qashqai, die vermutlich Ende dieses Jahres die Optik eines Geländewagens mit dem Platzangebot eines Vans kombinieren wird. Und in der kleineren Klasse versuchen die Japaner, fürsorgliche Familienväter mit dem neuen Note einzufangen.

Der pfiffige Van mit dem eingebauten Herz für Kinder folgt dem Showcar Tone vom Pariser Salon 2004 und steht von Mitte März an zu Preisen ab 13.690 Euro beim Händler. Damit ist er rund 900 Euro günstiger als sein wichtigster Wettbewerber Opel Meriva, kostet aber etwa 2000 Euro mehr als sein kleiner Konzernbruder Renault Modus, mit dem er sich die Plattform sowie manche Motoren und Getriebe teilt.

Zwar ist der Note natürlich auch nur eine normale Großraumlimousine, die offenbar ein wenig zu heiß gewaschen wurde und deshalb auf 4,09 Meter Länge geschrumpft ist. Doch weil Nissan vor allem junge Familien erreichen wollte und deshalb auch junge Designer ans Werk gelassen hat, ist der Fünftürer eben nicht die klassische Schuhschachtel auf Rädern, auf die der Wunsch nach maximaler Raumausnutzung sonst häufig hinausläuft.

Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Note
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1.461 ccm
Leistung: 86 PS (63 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 13,0 s
Höchstgeschw.: 168 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 178 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 280 Liter
umgebaut: 1.332 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 20 (TK) / 17 (VK)
Preis: 14.990 EUR
Stattdessen sieht der Note für einen Van fast schon sportlich aus, weil er zwischen den großen und weit nach oben in die kurze Haube reichenden Scheinwerfern eine vom Murano inspirierte Nase in den Wind reckt und im Dach einen kessen Schwung zeigt. Die markanteste Ansicht allerdings ist seine Kehrseite. Denn sie wird dominiert von zwei riesigen Rückleuchten, die im rechten Winkel vom unteren Rand der Heckscheibe bis weit hinaus ins Dach reichen und erst über der hinteren Tür enden.

Schade nur, dass die Designer im Innenraum dann der Mut verlassen hat - insbesondere beim Cockpit. Zwar wirkt das Material ganz vornehm, und die Verarbeitung ist augenscheinlich sehr solide. Doch können auch ein paar Tupfer Chrom und eine fröhlich geschwungene Hutze über den Instrumenten nicht den tristen Eindruck einer wenig inspirierten Kunststofflandschaft wettmachen. Und wenn das Brillenfach über dem Radio klappert wie ein alter Brotkasten, ist das auch nicht zeitgemäß.

Dass innen trotz der sportlichen Form und der kompakten Abmessungen noch überraschend viel Platz bleibt, verdankt der Note vor allem seinem Radstand, der gegenüber dem deutlich kürzeren Modus um zwei Handbreit auf 2,60 Meter gestreckt worden ist. Und natürlich seiner variablen Sitzbank, von der aus der Note entwickelt worden sein könnte. Sie lässt sich mit einem Handgriff um bis zu 16 Zentimeter verschieben und macht den Fond zum Traum aller Hinterbänkler. Selbst in einem VW Passat oder einem 3er BMW hat man hinten nicht so viel Beinfreiheit. Nur um die Schultern wird es etwas eng, wenn hinten drei Erwachsene sitzen.

Der Stauraum lässt sich stufenweise erweitern

Der Stauraum steht wie immer bei solchen Fahrzeugkonzepten im Wechselspiel mit der Platzangebot auf dem Rücksitz. Doch selbst bei maximaler Beinfreiheit bleiben hinter der Schiebebank noch 280 Liter Ladevolumen frei. Wer die Knie etwas anzieht, kann 437 Liter verstauen, und wer die geteilte Rückbank umlegt, kann das Volumen auf bis zu 1332 Liter erweitern. Wenn dann die Pakete aus dem Möbelhaus noch immer nicht ins Auto passen, lässt sich auch noch die Lehne des Beifahrersitzes umklappen, so dass die Ladelänge auf 2,40 Meter wächst.

Doch der Note lebt nicht vom Platz allein. Was den Kleinwagen so besonders macht, sind vor allem die pfiffigen und praxisgerechten Ablagen, die überall im Wagen verteilt sind. Zwar gibt es den "Flexi-Board" getauften Zwischenboden auch in anderen Kofferräumen, und das Geheimfach unter dem Sitzkissen des Beifahrers kennen wir schon von Modus und Micra. Doch ein Handschuhfach, in dem mehr als ein Dutzend Getränkedosen gekühlt werden können und das zudem noch eine untemperierte und frei zugängliche Ablage für Papierkram und andere Reiseutensilien bietet, ist selten.

Spielplatz für die Kinder inklusive

Auch das "Spielzimmer" im Fond ist intelligenter eingerichtet als bei vielen anderen. "Dafür haben wir diesmal nicht die potenziellen Käufer, sondern deren Kinder gefragt", sagt Christopher Lee aus dem Entwicklungsteam und verweist dabei auf Steckdosen zum Laden von Gameboys, die breite Mittelarmlehne, die den quengeligen Bruder auf Distanz hält, und auf den beinahe perfekten Malplatz an der Rückseite der Vordersitze. Denn zu den bekannten Klapptischen gibt es dort jetzt gleich mehrere, mit Reißverschlüssen erweiterbare Taschen, die vielen Kindern manche Schublade ersetzen werden.

Allerdings ist diese weitgehend im "Family-Paket" zusammengefasste Ausstattung erst vom zweiten Modellniveau an erhältlich. Und auch sonst zeigen sich die Japaner ungewöhnlich knauserig. Damit der Grundpreis verlockend niedrig bleibt, gibt es für das Einstiegsmodell nur vier Airbags, ABS, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn. Wer allerdings mehr Geld ausgibt, eine bessere Ausstattungsvariante wählt oder einen stärkeren Motor bestellt, bekommt auch zwei weitere Airbags, ESP, Klimaanlage, CD-Wechsler oder ein schlüsselloses Zugangssystem.

Beim Antrieb setzen die Japaner zunächst auf zwei Benziner und einen Diesel, den es in zwei Leistungsstufen geben wird. Natürlich kommt man auch mit den jeweils kleineren Motoren, also mit 68 Diesel- und 88 Benzin-PS zum Ziel. Doch die ersten Testfahrten machten deutlich, dass Fahrspaß wohl nur mit den stärkeren Varianten aufkommt. Wenn der Note tatsächlich der Ersatz für Papis sportliches Kompakt-Coupé werden soll, dann muss es schon der 1,6-Liter mit 110 PS sein.

Auch der ist in der Papierform mit 153 Newtonmeter, einem Sprintwert von 10,7 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 183 km/h kein Rennwagen, ließ sich aber recht flott über die kurvigen Bergstraßen im Hinterland von Marseille zirkeln. Und auch der große Diesel macht mit 86 PS und 200 Newtonmeter durchaus Laune. Auch weil er mit einem Normverbrauch von 5,1 Litern die Tankintervalle verlängert und wahrscheinlich der beste Kompromiss zwischen Vernunft und Vergnügen ist.

Insgesamt 14.000 Note möchte Nissan in diesem Jahr noch in Deutschland verkaufen. Die Planung ist zwar grundsolide, aber relativ bescheiden: Denn in Japan ist der Note bereits seit 2004 auf dem Markt und wurde im letzten Jahr über 90.000 Mal verkauft - und das ohne multifunktionale Rückbank.



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