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Autogramm Opel Adam S: S geht ab

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Autogramm Opel Adam S Adam hat genug von Eva

Den Kleinwagen Adam hat Opel in der farbenfroh-fidelen Lifestyle-Nische positioniert. Jetzt wird die Sportversion Adam S lanciert - und soll vor allem Männer betören.

Der erste Eindruck: Muss das sein? Bunt sind die Modelle vom Typ Opel Adam eigentlich immer und an deren Zweifarblackierungen hat man sich mittlerweile gewöhnt. Aber der dicke Flügel am Heck des neuen Adam S ist des "Um-jeden-Preis-auffallen-Wollens" vielleicht doch ein bisschen zu viel.

Das sagt der Hersteller: "Der Spoiler muss sein", sagt Dieter Metz, der Chefingenieur des aktuell kleinsten Opel-Modells. "Der bringt dem Auto unterm Strich bis zu 400 Nm Abtrieb auf der Hinterachse", argumentiert der Entwickler mit erstaunlichem Ernst. Als würde mit dem Kleinwagen tatsächlich jemand um Bestzeiten ringen. Metz tut dies natürlich mit voller Absicht. Denn so erfolgreich der Adam als kunterbuntes Lifestyle-Modell (rund 23.000 Neuzulassungen in Deutschland 2014) auch ist, ihm fehlt bislang die Akzeptanz bei der Hälfte der Kundschaft: den Männern.

Das sagt zumindest Opel. In Rüsselsheim heißt es, gerade mal ein Drittel der Adam-Käufer sei männlich. Mit Leistung statt Lifestyle wollen die Verantwortlichen das jetzt ändern und das Geschlechterverhältnis beim neuen S-Modell möglichst umdrehen.

Das ist uns aufgefallen: Zwar ist der Adam S mit einer Leistung von 150 PS lange nicht so stark motorisiert wie ein Mini Cooper S, ein Citroën DS3 Racing, der Abarth 500 oder der Audi S1. Und so respekteinflößend sich eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h in einem Kleinwagen auch anfühlt - man nutzt sie nur in Ausnahmesituationen. Doch Rasanz ist vor allem auch ein Gefühl. Kaum lässt man sich in die grandiosen Recaro-Sitzschalen gleiten und startet den Motor, weckt der Adam S den Wunsch nach flottem Vorwärtskommen - das Auto wirkt wie ein Motivationsschub. Es ist schwer, den Adam S bedächtig zu fahren. Das Auto ist exakt das, was im englischen Sprachraum als "pocket rocket" bezeichnet wird.

Mit welchem Zunder der kleine Opel dieses Feuer entfacht, lässt sich nur schwer ergründen. Denn weder klingt der Motor besonders potent, wenn er das Abgas durch das fast verschämt wirkende Endrohr pustet, noch ist der Wagen knüppelhart abgestimmt. Die Lenkung ist direkt und präzise, aber nicht messerscharf, das Sechsganggetriebe ist kurz gestuft, aber nicht übermäßig knackig. Der Antritt des Wagens ist guter Durchschnitt und mitunter raspeln die Vorderräder über die Fahrbahn, wenn der Asphalt mal nicht ganz so griffig ist und der Fahrer dennoch beherzt Gas gibt. Trotzdem fühlt sich der Adam S aufrichtig und ambitioniert an. Und vor allem ist das Auto zu Ende entwickelt - nicht zuletzt wegen solcher Details wie dem Heckspoiler. Daran können auch die albernen "Checkered Flag"-Karos am Dachhimmel, das Karbon-Imitat im Cockpit oder der farbige Lederbesatz an Sitzen und Lenkrad nichts ändern.

Das muss man wissen: Nach dem kunterbunten Grundmodell und dem Adam Rocks als Mischung zwischen SUV und Cabrio ist die Sportversion S das dritte Mitglied in der Adams Family. Er kommt in diesen Tagen in den Handel und startet bei 18.690 Euro. Auf dem Papier sind das 1350 Euro mehr als für den Adam Slam mit 115 PS-Dreizylinder-Benziner und damit ein teures Vergnügen. Doch gibt es dafür ja nicht nur einen Turbolader für den 1,4 Liter großen Vierzylindermotor (der als Sauger bislang 100 PS leistete), sondern serienmäßig auch eine Klimaautomatik und das Sportpaket. Nach der üblichen Ausstattungs-Mathematik der Hersteller ist der Adam S damit unterm Strich lediglich 50 Euro teurer - vorausgesetzt, man möchte die ganzen Extras überhaupt haben.

Das werden wir nicht vergessen: Es ist zwar nur ein kleiner Schalter, aber er hat eine große Wirkung. Dort, wo man beim normalen Adam mit der City-Taste die Servolenkung leichtgängiger einstellen kann, lässt sich beim Adam S mit der richtigen Kombination (einmal kurz, beim zweiten Mal dann zwölf Sekunden lang drücken) das ESP stilllegen. Anschließend lässt sich das Auto durchaus verwegen bewegen - sofern man auf einer abgesperrten Strecke unterwegs ist und über die nötige Fahrtechnik verfügt. Das zeugt erstens von den ernsthaften Absichten der Opel-Entwickler, und zweitens wird der kleine Kraftprotz so vollends zu einem Auto für "echte Kerle" - ganz egal, welchen Geschlechts die sind.

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