Autogramm Opel Astra Sports Tourer Drei gewinnt

Kurz vor dem Start des Golf 8 renoviert Opel seinen Kompakt-Konkurrenten Astra: Sportvarianten sind passé - stattdessen ziehen die Rüsselsheimer mit Dreizylindermotoren an der Konkurrenz vorbei.

Von Thomas Geiger


Der erste Eindruck: Bewährt, aber auch betagt - am Design von Fünftürer und Kombi hat Opel kaum etwas geändert. Nur der Kühlergrill wurde ein bisschen retuschiert.

Das sagt der Hersteller: Es müsse nicht immer ein SUV sein, beteuert Opel-Marketingdirektorin Christina Herzog. Zwar wachse auch in der Kompaktklasse der Anteil von SUV stetig, doch Autos wie der Astra hätten weiter Konjunktur, deshalb verdienen sie auch die nötige Aufmerksamkeit bei der Modellpflege. Den eigentlichen Grund des gründlichen Updates für den Astra erwähnt Herzog freilich nicht: Beim Hauptkonkurrenten VW Golf steht die neue, achte Auflage in den Startlöchern. Wenn der Astra nicht völlig hinterherhecheln will, braucht er ein paar Frischzellen.

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Autogramm Opel Astra Sports Tourer: Ab sofort nur Dreizylinder

Für die Kur ist vor allem Matthias Alt zuständig. Er leitet die Entwicklung der Benzinmotoren in Rüsselsheim und hat sich für das Astra-Facelift kräftig ins Zeug gelegt. Alle Triebwerke sind neu und leisten mit bis zu 21 Prozent weniger CO2-Ausstoß einen nennenswerten Beitrag dazu, dass Opel den Flottenzielen möglichst nahekommt. Auch Alt erzählt allerdings nicht die ganze Geschichte. Wer nicht nachfragt, erfährt über die die Herkunft der Motoren nichts und schließt wegen identischer Hubraumgrößen auf Aggregate aus dem PSA-Konzern.

"Falsch," korrigiert Opel-Sprecher David Hamprecht, die Motoren seien echte Eigengewächse und in Rüsselsheim entwickelt. Und zwar als eine Art Abschiedsgeschenk für den ehemaligen Mutterkonzern General Motors. Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, dass Alt die Entstehungsgeschichte nicht an die große Glocke hängt.

Das ist uns aufgefallen: Immer mit der Ruhe. Normalerweise sind Dreizylindermotoren sehr mitteilsam. Doch dank einer Ausgleichswelle und einer gründlichen Schallisolierung, mit der die Motorhaube so schwer wird, dass man sie besser mit zwei Händen lupft, ist der Astra ein echter Leisetreter. Zumindest der stärkste Dieselmotor in Kombination mit der einzigen Neungangautomatik im Segment macht einen ausgesprochen kultivierten Eindruck. Kein Knurren oder Murren ist zu hören, und mit den zusätzlichen Schaltstufen bleibt die Drehzahl immer auf einem komfortablen Niveau.

Wovon man sich allerdings mit dem Facelift verabschieden muss, ist der Sportsgeist. Eine GSI-Variante oder gar einen Astra OPC wird es nicht geben, Opel setzt konsequent darauf, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Künftig gibt es nur noch Dreizylindermotoren, fünf von sieben Antriebskombinationen bleiben daher bei einem CO2-Ausstoß von unter 100 g/km.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Opel Astra - mit unserem 360-Grad-Foto:

Außer bei den Motoren hat Opel auch bei der Elektronik nachgelegt. So gibt es jetzt zumindest zwischen den beiden Analoginstrumenten im Cockpit einen Monitor, das überarbeitete Infotainmentsystem geht zum Navigieren online, das Smartphone kann kabellos geladen werden, der Notbremsassistent erkennt nun auch Fußgänger, und im Bug stecken neue LED-Scheinwerfer, die weniger Energie brauchen.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Astra hat auf der IAA Premiere gefeiert und kommt in einigen Wochen in den Handel. Als Fünftürer kostet das Auto mindestens 19.990 Euro, der Sports Tourer genannte Kombi ist exakt 1000 Euro teurer. Angeboten wird er als einziges Modell in der Kompaktklasse künftig nur noch mit Dreizylindermotoren. Weil zudem die Aerodynamik überarbeitet wurde und es nun zum Beispiel eine Kühlerjalousie gibt, geht der Verbrauch um bis zu 21 Prozent zurück. Als Benziner gibt es nun einen 1,2-Liter-Turbo mit 110 oder 130 PS und ein Aggregat mit 1,4 Liter Hubraum und 145 PS. Für Dieselfahrer haben die Hessen einen 1,5-Liter-Motor im Angebot, der 105 oder 122 PS leistet.

Das werden wir nicht vergessen: Den Hai, der die Insassen vom Boden des Becherhalters anlacht und seit vielen Jahren ein in allen Opel-Autos wiederkehrendes Suchelement der Designer ist. Denn jedes Mal verstecken sie den Raubfisch woanders. Die Kreativen bei Opel, so viel ist sicher, haben das Scherzen noch nicht verlernt.

Thomas Geiger ist freier Autor und wurde bei seiner Recherche von Opel unterstützt. Die Berichterstattung erfolgt davon unabhängig.

Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Astra Sports Tourer (2019)
Karosserie: Kombi
Motor: Dreizylinder-Turbodiesel
Getriebe: Neungangautomatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.496 ccm
Leistung: 122 PS (90 kW)
Drehmoment: 285 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 205 km/h
Verbrauch (ECE): 5,3 Liter
CO2-Ausstoß: 140 g/km
Kofferraum: 540 Liter
umgebaut: 1.630 Liter
Gewicht: 1.435 kg
Maße: 4702 / 1871 / 1510
Versicherung: 30145 (HP)
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insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
Elwettitsch89 23.09.2019
1. Dreizylinder=sparsam?
Diese Gleichung geht nicht auf. Im realen Betrieb des Fahrzeugs wird es nicht weniger verbrauchen als ein Vierzylinder-Sauger. Downsizing bringt eben nur im Teillastbereich was. Der Kunde spart weder Kraftstoff und bezahlt oben drein noch die weitaus höheren Kosten für turboaufgeladene Motoren. Nicht ohne Grund bekommt man für einen Astra zwei F-150 o.ä. Aber Hauptsache wir retten das Klima (-gewissen)...
blindschleicheausfrankfur 23.09.2019
2. 140 mg CO2 Ausstoß?
viel zu viel! stand im Bericht nicht was von keine Sportvarianten um dabei bei einem CO2 Ausstoß von unter 100 mg zu bleiben? was ist mit alternativen Antrieben?
1616 23.09.2019
3. Verständnisfrage
Was heißt "Versicherung: 30145 (HP)"?
EUtopia 23.09.2019
4. Schön und gut, aber die Langzeitqualität
Opel baut durchaus gefällige Autos - für die Leasingdauer! Nach 3 Jahren drehen die Rädchen für Klimaanlage etc. fast frei durch, die Materialanmutung ist ziemlich billig, an allen Ecken und Enden quietscht und klappert es, die Reparaturen nehmen bei fast allen Baugruppen zu und machen das vermeintlich günstige Auto dann doch sehr teuer. Dass der Wertverlust überdurchschnittlich ist, kommt als Sahnehäubchen obendrauf. Und jetzt dann noch die asthmatischen und zwangsbeatmeten 3-Zylinder. Einmal Opel gefahren, mache ich nie wieder. In den Gesamtkosten kommt mich jeder BMW oder Mercedes wesentlich günstiger.
Romiman 23.09.2019
5. Furchtbar...
diese 3-Zylinder und das Downsizing allgemein. Hybridisierung ist das heutige Stichwort. Der auslaufende Astra K wird es sehr schwer haben gegen den 8er Golf. Das gleiche Elend bei Ford Focus, Citroen C4... Hab mich deswegen für einen Hyundai i30 entschieden, da gibt's wenigstens noch 4-Zylinder.
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