Opel Astra OPC Wie in alten Tagen

Besonders sportliche Autos werden gern auf Rennstrecken präsentiert. VW und Ford wählten für Golf GTI und Focus ST die südfranzösische Piste Le Castellet. Opel rollte jetzt den neuen Astra OPC auf dem historischen Kurs Targa Florio auf Sizilien an den Start.


"Es geht darum, die Marke Opel zu emotionalisieren", sagt Marketing-Vorstand Alain Visser, "deshalb gibt es das Sportlabel OPC, und deshalb stellen wir die neuen OPC-Fahrzeuge hier auf Sizilien vor." Bereits 1907 hetzte ein Opel-Automobil über die damals noch unbefestigten Karrenwege des knapp 2000 Meter hoch aufragenden Madonie-Gebirges im Hinterland Palermos. Der damalige deutsche PS-Volksheld Carl Jörns nahm in einem von Fritz von Opel konstruierten Rennwagen mit Sechs-Liter-Vierzylindermotor an der Targa Florio teil. Die abenteuerliche Wettfahrt hatte der Millionärssohn Vincenzo Florio - Besitzer des ersten Automobils auf Sizilien - im Jahr zuvor erstmals ausgeschrieben.

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Opel Astra OPC: Der Imagebeschleuniger aus Rüsselsheim

Zwar gewann damals nicht Jörns im Opel, sondern Nazzaro auf Fiat, doch das schmälert die Pioniertat der deutschen Marke vor rund hundert Jahren nicht. In diesen Wochen kommen die Rüsselsheimer gerne auf diese alte Geschichte zurück, denn es gilt gleich vier neue und besonders sportliche Automodelle in der Firmentradition zu verankern: die OPC-Versionen des Kompaktwagens Astra, des Kompaktvans Zafira sowie der Mittelklassetypen Vectra und Vectra Kombi. Vor allem der Astra OPC soll das sportliche Image der Marke schärfen; er tritt den direkten Vergleich mit den Kompaktsportlern VW Golf GTI und Ford Focus ST an.

Opel Astra OPC: Der rasante Rüsselsheimer tritt ab 25. November an

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"Natürlich ist der Markt für diese Sorte von Autos verhältnismäßig klein", sagt Marketing-Mann Visser; er schätzt das Volumen des Astra OPC auf 800 Exemplare im kommenden Jahr in Deutschland. Doch Visser sagt auch: "Der Effekt, den diese Modelle auf die Wahrnehmung von Opel haben, ist nicht zu unterschätzen." Das Kürzel OPC - es steht für Opel Performance Center - soll zum Signet für technische Kompetenz und eine rasante Ausstrahlung werden. Im Ringen um Marktanteile sind solche Faktoren zunehmend wichtig, insbesondere für Volumenhersteller, die massenkompatible Autos zu günstigen Preisen anbieten müssen. Damit wird das Image fast zwangsläufig unscharf, doch genau das darf nicht passieren.

Also setzt Opel mit dem Astra OPC ein sportliches Ausrufezeichen. Die Optik des Dreitürers balanciert auf dem schmalen Grat zwischen muskulösem Selbstbewusstsein und krawalliger Show. An der Frontpartie setzten die Designer etwas zu großzügig schwarze Plastikgitter in Wabenform ein - ein stilistischer Fehlgriff, der auch VW beim Golf GTI unterlief. Dafür wirkt die Seitenansicht des Astra OPC kraftvoll, und das Heck gehört zum Besten, was es derzeit in dieser Klasse zu sehen gibt. Kein Wunder, dass beim Durchqueren einstiger Targa-Florio-Orte wie Cerda, Caltavuturo oder Collesano die Leute stehen bleiben und dem markig bollernden Wagen lange nachblicken.

Die Technik des Autos ist auf der Höhe: Die OPC-Ingenieure haben den aus anderen Modellen bekannten 2-Liter-Turbomotor in zahlreichen Details angespitzt, so dass die Maschine nun 240 PS leistet, ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmeter auswirft, das Auto in 6,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 244 km/h ermöglicht. Als Durchschnittsverbrauch gibt Opel 9,2 Liter an - der Bordcomputer des Testautos allerdings errechnete nach zügig gefahrenem Kurs ein Mittel von 11,9 Litern.

Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Astra OPC
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Turbo-Benziner
Hubraum: 1.998 ccm
Leistung: 240 PS (177 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 6,4 s
Höchstgeschw.: 244 km/h
Verbrauch (ECE): 9,2 Liter
CO2-Ausstoß: 218 g/km
Kraftstoff: Superplus
Kofferraum: 380 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 27 (TK) / 27 (VK)
Preis: 28.000 EUR
Gegenüber dem dreitürigen Standard-Astra ist die OPC-Variante um eineinhalb Zentimeter tiefer gelegt und verfügt serienmäßig über das so genante IDS-plus-Fahrwerk. Dahinter steckt der elektronische Verbund von ESP, ABS, Traktionskontrolle, Untersteuerkontrolle und der automatischen Stoßdämpferanpassung. Das System funktioniert ausgezeichnet und vermittelt eine feine Kontrolle des Fahrzeugs. Es kann aber nicht verhindern, dass man heftig ins dicke Dreispeichen-Lederlenkrad greifen muss, wenn starke Lenk- und Antriebskräfte gleichzeitig an der Vorderachse zerren. Dennoch verdient die Abstimmung der elektrohydraulischen Lenkung ein Lob: Wer gemäßigt mit dem Gaspedal umgeht, kann den Astra OPC stressfrei und millimetergenau dirigieren.

Der Wagen ist tatsächlich beides: fetziges Sportgerät und gut ausgestattetes Alltagsmobil - zumindest, wenn man es straff und knackig mag. Serienmäßig sind sechs Airbags, Klimaanlage, elektrische Scheibenheber, eine zweifach verstellbare Lenksäule, Recaro-Sportsitze, CD-Musikanlage sowie eine umklappbare Rücksitzlehne an Bord. Das Interieur wirkt, mit Ausnahme der merkwürdig gestalteten und schlecht abzulesenden Tachometerskala, ausgereift und wohnlich.

Das der Astra OPC aber vor allem ein ernst zu nehmender Sportwagen ist, einer historischen Vollgasregion wie den Bergsträßchen der einstigen Targa Florio durchaus würdig, das bewies unlängst Opel-Werksfahrer Manuel Reuter. Der zweimalige Le-Mans-Sieger, der den Rüsselsheimern bei der Abstimmung ihrer Sportmodelle zur Seite stand, warf einen serienbereiften Astra OPC in 8 Minuten und 33 Sekunden um die Nordschleife des Nürburgrings. In der Zweiliter-Klasse war bislang kein anderes Auto schneller.



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