Autogramm Opel Corsa-e Beruhigender Blitz

Opel ist Deutschlands Elektroautopionier - bislang hat das nur kaum jemand gemerkt. Im dritten Anlauf soll mit dem Corsa-e der Durchbruch gelingen. Der Hersteller setzt auf das Konzept aus Wolfsburg: Bloß nicht aufregen.
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Corsa-e

Foto: Christian Bittmann

Der erste Eindruck: E wie Einheitslook - der elektrische Corsa fährt im Tarnkleid. Nur am Typenschild und den Felgen kann man ihn als Stromer erkennen.

Das sagt der Hersteller: "Opel wird elektrisch", sagt Firmenchef Michael Lohscheller und verspricht bis 2024 eine elektrifizierte Variante für jede Baureihe. Dass der Corsa dabei den Anfang macht, soll beweisen, dass Elektromobilität für die Hessen kein Nischenthema mehr ist: "Wir starten mit unserem populärsten Modell und einem der meistverkauften Fahrzeuge in Europa. So machen wir Elektromobilität nicht nur praktisch und komfortabel, sondern für jeden erschwinglich."

Das ist uns aufgefallen: Auch als Elektroauto ist der Corsa durch und durch ein Opel und deshalb ein völlig unaufgeregtes Auto. So, wie sich die Designer bei der Karosserie alle Sperenzchen verkniffen haben, geht es auch im Innenraum nüchtern zu. Wo VW oder Honda mit neuen Bedienkonzepten experimentieren und ihre Elektro-Kundschaft so in die Zukunft locken wollen, macht Opel keine Experimente. Nicht einmal den bananenförmigen Schaltknüppel haben die Ingenieure ausgetauscht. Digitale Instrumente gibt es genau wie bei den Verbrennern auch weiterhin nur gegen Aufpreis.

Mit einem Normwert von 337 Kilometern ist der erste Corsa, der seinen Blitz zurecht trägt, nicht eben ein Langstreckenauto. Angst um mangelnde Reichweite muss man trotzdem nicht haben. Zumindest nicht, wenn man seinen Fahrstil und vor allem das Fahrprofil entsprechend wählt. Natürlich kann man auch einfach drauflosfahren, so wie man es mit einem Benziner oder Diesel tun würde und im Sport-Modus permanent die maximale Leistung abrufen. Doch dann darf man sich nicht wundern, wenn nach 150 Kilometern die Ladesäule ruft.

Wer allerdings in der Stadt brav in den Eco-Modus schaltet, mit 60 Kw Leistung und 180 Nm Drehmoment dahingleitet und zum Beispiel im Frühjahr zusätzlich auch ohne Klimaanlage auskommt, erhält als Lohn dieser Beschränkung schnell mal 20, 30 Kilometer Reichweite gutgeschrieben. Wer dann noch vorausschauend fährt und früh den Fuß vom Gas nimmt, dehnt mit der Rekuperation seinen Aktionsradius noch weiter aus. Allerdings ist Opel in dieser Disziplin ebenfalls etwas zurückhaltender als die Konkurrenz: Beim Corsa-e reicht diese Energierückgewinnung nicht bis zum Stillstand, das unter Stromern weit verbreitete Fahren mit einem Pedal ist im Corsa deshalb nicht möglich.

Im Eco-Modus spart der Corsa - Nomen est Omen - am konsequentesten. Die beste Balance aus Reichweite und Reisegeschwindigkeit gibt es im Normal-Betrieb mit 80 kW Leistung und 220 Nm Drehmoment. Am meisten Spaß macht der Corsa-e in der "Sport"-Stellung, in der der Elektroantrieb seine dynamischen Qualitäten ausspielt. Dann schaltet die Bordelektronik 100 kW frei und weil das maximale Drehmoment von 260 Nm wie immer bei E-Autos vom Start weg verfügbar ist, sprintet der Kleinwagen los wie ein Sportler: Mit seinen 2,8 Sekunden von 0 auf 50 km/h lässt er beim Ampelstart so manchen GTI hinter sich und fährt mit 8,1 Sekunden auf Tempo 100 ebenfalls vorne mit. Immerhin zügelt die Bordelektronik die Unvernunft bei 180 Km/h und in flotten Kurven spürt man die zusätzlichen Akku-Kilos doch recht deutlich.

Das muss man wissen: Der Corsa-e startet Ende März und kostet mindestens 29.900 Euro. Der happige Preis mit lässt sich zwar mit der Förderung aus Berlin reduzieren und mit niedrigen Steuersätzen und geringeren Unterhaltskosten schönrechnen. Trotzdem ist der Corsa-e mehr als doppelt so teuer wie das Einstiegsmodell mit Verbrennungsmotor und liegt gute 6000 Euro über dem 130 PS-Benziner in der besten Ausstattung.

Ein Kostentreiber ist die Batterie, die unter den Sitzen eingebaut ist. Sie hat eine Kapazität von 50 kWh, von denen maximal 45 kWh genutzt werden, und lädt standardmäßig mit einem einphasigen 7,4 kW-Lader. Gegen Aufpreis baut Opel aber auch einen 11 kW-Lader mit drei Phasen ein. Wer damit eine Schnelladesäule mit 100 kW anfährt, kommt im besten Fall in rund 30 Minuten auf 80 Prozent Ladestand.

Das werden wir nicht vergessen: Den Blick in den Kofferraum des Corsa-e. Wegen der Batterie ohnehin schon 40 Liter kleiner als bei den Verbrennern, braucht auch noch das Universal-Ladekabel Platz. Eigentlich ist es praktisch, weil es die Corsa-Fahrer mit Adaptern und Anschlüssen für nahezu alle denkbaren Ladesituationen wappnet. Doch zugleich liefert der Wust an Kabeln und Steckern Beweis dafür, dass Elektro- Mobilitätimmer noch stellenweise mühsam ist, und vermittelt damit eine fast schon trotzige Botschaft: Da habt ihr den Salat.

Hersteller:

Opel

Typ:

Corsa-e

Karosserie:

Kleinwagen

Motor:

Elektromotor

Leistung kW:

100 /136 PS

Drehmoment:

260 Nm

Getriebe:

Eingang-Automatik

Antrieb:

Frontantrieb

Von 0 auf 100:

8,1 Sek.

Höchstgeschw.:

150 km/h

Verbrauch:

16,8 kWh/100 Km

Kraftstoff:

Strom

CO-Ausstoß:

0 g/km

Maße:

4060 / 1960 / 1435

Gewicht:

1530 kg

Kofferraum:

267 Liter

umgebaut:

1042 Liter

Preis:

29.900 €

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