Autogramm Opel Corsa OPC Randale - No-o!

Kleinwagen zu Sportskanonen - mit dieser Formel fahren viele Hersteller dicke Gewinne ein. Jüngster Kraftprotz ist der Opel Corsa OPC, der mit 207 PS antritt, sich aber sonst eher zahm gibt - leider.

Opel

Der erste Eindruck: Hat Opel da etwa bei Porsche abgeschaut? Das auffälligste Merkmal des neuen Corsa OPC ist der Lufteinlass unter der verkürzten Motorhaube. Dieses Detail gab es zuletzt beim ebenfalls neuen Porsche Cayman GT4 zu sehen.

Das sagt der Hersteller: Als "Pure Passion", also pure Leidenschaft, bezeichnet Opel-Chef Karl-Thomas Neumann die OPC-Modelle und berichtet von Testfahrten, bei denen er - was für eine Überraschung - gar nicht mehr aussteigen wollte. Den Corsa OPC findet Neumann offenbar besonders interessant. Der aufgebretzelte Kleinwagen beweise, wie hoch "unsere Ingenieure die Messlatte mittlerweile gelegt haben."

Auch OPC-Chef Volker Strycek gibt sich überrascht: "Wir waren zunächst der Meinung, dass mit der Nürburgring-Edition des letzten Corsa das Ende der Fahnenstange erreicht war", sagt er. Doch der neue Wagen lasse den Vorgänger trotz der nominell etwas geringeren Leistung buchstäblich alt aussehen.

Das ist uns aufgefallen: Kein Scharren über den Asphalt, kein Zerren im Lenkrad - nicht schlecht, wie der Corsa OPC das Drehmoment auf die Straße bringt. Immerhin müssen die 18-Zoll-Räder bis zu 245 Nm Drehmoment und im Overboost kurzfristig sogar 280 Nm parieren. Der neue Corsa OPC hält für einen potenten Fronttriebler erstaunlich sauber die Spur. Das liegt vor allem am neuen Fahrwerk, das die Dämpfung permanent dem jeweiligen Fahrstil anpasst, und zwar ohne elektronische Komponenten, sondern nur über ein cleveres Dämpferdesign. Wer forsch fährt, erlebt den Corsa knackig. Lässt man es dagegen lockerer angehen, gibt sich auch das Auto entspannt und schwingt vergleichsweise komfortabel über die Straße.

Wem das noch zu weich ist, für den ist das sogenannte Performance-Paket im Angebot. Mit härteren Federn, größeren Rädern, stärkeren Bremsen und mit einem Sperrdifferenzial ist es laut Strycek das "Ticket zur Rennstrecke".

So schnell und schnittig der Corsa OPC fährt, so verhalten tritt er auf. Selbst mit dem Spoiler des Performance-Pakets wird er nicht unbedingt zum Hingucker, und auch den beiden Endrohren entfährt lediglich ein höfliches Hüsteln. Dabei sind die Opel-Tuner doch so stolz darauf, dass sie unter die "Lex Ferrari" fallen, womit ihnen die Zulassungsvorschriften dank des Leistungsgewichts von 6,2 Kilo pro PS sogar ein Dezibel mehr Schalldruck erlauben würden.

Das muss man wissen: Seit Ende März ist der Corsa OPC bestellbar, bei den Händlern wird er in den nächsten Wochen auftauchen. Der Einstiegspreis liegt bei 24.395 Euro, das ist mal eben doppelt so viel, wie Opel für das 70-PS-Basismodell verlangt.

Allerdings bietet der Kraftzwerg mehr als das sonst üblichen Chip-Tuning. Für die höhere Leistung und das bessere Ansprechverhalten des 1,6-Liter-Turbomotors haben die Entwickler den kompletten Ansaugtrakt neu gestaltet. Der Ladeluftkühler wurde ausgetauscht, es gibt neue Einspritzdüsen und - ja natürlich - auch ein neu programmiertes Motormanagement. Außerdem hat OPC die Abgasseite des Motors überarbeitet und einen neuen Sportauspuff entwickelt. Was man am schnellsten spürt, ist der Feinschliff im Getriebe: Mit um 13 Prozent verkürzten Schaltwegen klackert der kurze Knüppel jetzt nur so durch die Gassen. Kein Wunder, dass man in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen kann und die Höchstgeschwindigkeit bei 230 km/h liegt.

Selbst wenn das Auto optisch und akustisch eher den Leisetreter gibt - beim Benzingespräch auf dem Parkplatz der Dorfdisco dürfte der Corsa OPC bald Heldenstatus genießen. Kleine Straßenfeger aus der Premiumecke wie Mini oder Audi A1 sind zwar ein bisschen stärker, doch im bürgerlichen Lager hat der Corsa mit 207 PS jetzt die dicksten Muckis. Konkurrenten wie VW Polo GTI (192 PS), Ford Fiesta ST (182 PS) oder Renault Clio RS (200 PS) jedenfalls weist er in die Schranken.

Das werden wir nicht vergessen: Den immer wiederkehrenden Schrecken beim Blick auf den Tacho. Mit dem Corsa OPC ist man so schnell zu schnell, dass man es kaum mitbekommt - bis einen irgendwann der rote Radarblitz zurück auf den Boden der Straßenverkehrsordnung holt. Wer weiß, vielleicht wäre ein bisschen mehr Krawall, sozusagen als Warnsignal für allzu Eilige, gar nicht schlecht.

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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
Eze 19.05.2015
1.
"Kleine Straßenfeger aus der Premiumecke wie Mini oder Audi A1 sind zwar ein bisschen stärker, doch im bürgerlichen Lager hat der Corsa mit 207 PS jetzt die dicksten Muckis. Konkurrenten wie VW Polo GTI (192 PS), Ford Fiesta ST (182 PS) oder Renault Clio RS (200 PS) jedenfalls weist er in die Schranken." Schickes Auto, sollte ich in meinem Leben tatsächlich nochmal Opel fahren, wäre das ein heißer Kandidat als Wochenend-Spielzeug. Die oben zitierte Aussage halte ich aber für Werbegeplänkel: Der aktuelle Polo GTI benötigt 6,7s bei 192PS, der Clio RS ebenfalls 6,7s bei 200PS und der Fiesta ST immerhin 6,9s bei 182PS. In die Schranken weist der Adam OPC die drei sicherlich nicht - aber er ist auf Augenhöhe (braucht dafür aber auch 15PS mehr als der Polo).
kein_freiburger 19.05.2015
2. suuper
solche übermotorisierten Kisten brauchts auf unseren vollen Strassen. Und hinterm Lenkrad n junges, riskikobereites Bürschchen das beweisen muß wie gut er doch fahren kann.
hasenfuss27 19.05.2015
3.
---Zitat--- (...) und auch den beiden Endrohren entfährt lediglich ein höfliches Hüsteln. ---Zitatende--- Das, so erfuhr ich während eines Plausches in Genf, ist den Käufern der Vorgängerversionen zu verdanken, die sich offenbar zahlreich über "zu laut" beschwert haben... Das verstehe wer will... :-)
echnaton12 19.05.2015
4. wo bitte sind die Stassen über die...
der Autor "schwingt"? Ich konnte gestern mit meinem Kleinwagen kaum mehr 20 Km/h fahren, weil es mir die Stossdämpfer sonst zerlegt hätte. Hinter mir drängelte ein SUW, der die Schlaglöcher und Bodenwellen besser verdaute. Der wollte wohl die maximal erlaubten 30 Stundenkilometer erreichen. Witzigerweise werden hier willkürlich noch einige Warnschilder mit "Achtung Strassenschäden" aufgestellt. Andersherum würde es Sinn machen: Vorsicht- Sie befahren gleich eine ebene Fahrbahn. Bitte unterschätzen Sie daher nicht die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit.
Leser161 19.05.2015
5. Drehmoment
Es kommen weder 245 noch 280 NM Drehmoment an den Vorderrädern an. Da ist ein Getriebe zwischen.
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