Autogramm Opel Insignia Country Tourer Landlust bei der Opel-Gang

Opel entdeckt die Lust auf Landpartien. Weil die Kunden nach Geländewagen rufen, wird jetzt der Insignia Kombi zum rustikalen Country Tourer ausstaffiert. Fürs große Offroad-Abenteuer ist der Allradler natürlich nicht gemacht, doch dafür bietet er einige Infotainment-Überraschungen.

Opel

Der erste Eindruck: "Was ist denn das für ein scheußliches Durchfallbraun!" Der Jogger am Rheinufer pöbelt im Vorbeischnaufen über die Lackierung des Opel Insignia Country Tourer. "Aurum Green" heißt der Farbton. Dumm gelaufen, denn sportliche Mittdreißiger wie den Sportkameraden mit der drastischen Ausdrucksweise möchte Opel gern als Kunden gewinnen für das neue Modell. Es ist eine Variante des Flaggschiffs Insignia, mit Planken an den Flanken, verbreiterten Radläufen und wuchtigen Stoßfänger - kurz: mit SUV-Optik.

Das sagt der Hersteller: Opel will mit dem Insignia Country Tourer vom Boom der Geländewagen profitieren. "Wie beliebt Fahrzeuge mit Crossover-Charakter sind, sehen wir am Erfolg unseres kompakten Opel Mokka", sagt Opel-Chef Carl-Thomas Neumann. "Nun besetzen wir diese Nische auch in der Mittelklasse und würzen unser Top-Modell mit einem kräftigen Schuss Abenteuer-Flair."

Das ist uns aufgefallen: Opel hat den SUV-Look beim Country Tourer nicht übertrieben. Der Wagen sieht nicht nach Waldschrat aus, sondern erinnert eher an einen Banker in Karo-Hemd und Cargo-Hosen. Das ist irgendwie stimmig, denn den Country Tourer wird man - wie praktisch alle anderen Autos dieser Machart - so gut wie nie jenseits befestigter Straßendecken antreffen.

Im Innenraum gibt es konsequenterweise nichts, was an Offroad-Aktivitäten erinnert. Dass einem dennoch erst einmal die Augen übergehen, liegt an der gründlichen Modellpflege, der Opel parallel zur Einführung der neuen Variante die gesamte Insignia-Familie unterzogen hat. In diesem Fall wurde nicht nur Zierleisten-Kosmetik betrieben, sondern das gesamte Cockpit umgebaut und die überladene Mittelkonsole entrümpelt.

Die Fläche unterm riesigen Navi-Bildschirm ist aufgeräumt, vor allem findet man sich jetzt besser in dem System zurecht, weil es mehr Eingabemöglichkeiten gibt: Per Bedienknopf, Sprachbefehl, Touchscreen oder das neue Sensorfeld auf dem Mitteltunnel. Letzteres funktioniert wie ein Trackpad beim Laptop und kann sogar die Handschrift des Fahrers lesen.

Ebenfalls neu ist der Tacho, der jetzt im Cockpit nur noch als Animation auftaucht und bei Bedarf kurzfristig für die Navikarte oder den Bordcomputer Platz macht. Im Prinzip sieht das nicht schlecht aus, doch wirken die drei analogen Zeiger für Drehzahl, Tank und Temperatur daneben umso antiquierter - und bei ausgeschalteter Zündung ziemlich verloren.

Der Hightech-Zauber bietet auch zahlreiche neue Funktionen. Wie weit das geht, zeigt eine digitale Bedienungsanleitung, die als App heruntergeladen werden kann und den Wälzer im Handschuhfach überflüssig machen soll. Einmal installiert, muss man mit dem Handy nur noch auf das fragliche Bauteil zoomen, schon erscheint auf dem Telefondisplay die passende Erklärung. So werde selbst die Kontrolle des Ölstands zum Kinderspiel, sagt Opel.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Insignia ist ab sofort zu Preisen ab 24.325 Euro im Handel - zunächst jedoch nur als Limousine, Fließheck und konventioneller Kombi. Der Country Tourer kann zwar schon bestellt werden, ausgeliefert wird das Modell jedoch erst ab November. Er kostet mindestens 36.990 Euro und ist damit 1200 Euro teurer als der Kombi mit vergleichbarer Technik. Kalkuliert man die bessere Ausstattung mit ein, schmilzt der Aufpreis auf rund 300 Euro.

Anders als viele Konkurrenten ist der CountryTourer übrigens kein reines Showmobil. Denn zum Abenteuerlook gibt es Allradantrieb ebenso wie einen echten Unterfahrschutz sowie gut einen Zentimeter mehr Bodenfreiheit und eine ESP-Programmierung, die wie ein Sperrdifferential an der Hinterachse arbeitet. Zunächst verteilt die Elektronik die Kraft variabel zwischen Front- und Heck, dann aber bremst sie bei mangelnder Traktion einzelne Räder wieder ein und leitet das Drehmoment entsprechend um. So kommt der Insignia selbst dann noch vom Fleck, wenn drei von vier Rädern keinen Grip mehr haben.

Angeboten wird der Country Tourer ausschließlich mit den stärkeren Motoren. Es gibt die bekannten Diesel mit zwei Liter Hubraum und 163 oder 195 PS und einen nagelneuen Turbo-Benziner, der aus ebenfalls 2,0 Liter Hubraum 250 PS entwickelt. Dabei mobilisiert der Direkteinspritzer bis zu 400 Nm und treibt den Insignia so souverän voran, dass er sich hinter Konkurrenten wie Audi A4 Allroad nicht verstecken muss.

Für die normalen Varianten des Insignia hat Opel übrigens zwei neue Dieselmotoren ins Programm genommen. Auch sie haben zwei Liter Hubraum, leisten 120 oder 140 PS und sind je nach Karosserie- und Getriebevariante im besten Fall mit 3,7 Litern zufrieden. Das macht sie zu den Sparmeistern im Segment.

Das werden wir nicht vergessen: Den Spaß mit dem neuen Infotainment-System und die Irritationen über einige Details, die einfach nicht zu Ende gedacht sind. Zwei Beispiele: Was bringt die aufgeräumteste Mittelkonsole, wenn es dafür jetzt auf dem Lenkrad acht Taster, Wippen und Knöpfe mit insgesamt 17 Schaltpositionen gibt? Und was nutzen digitale Instrumente, wenn es daneben doch noch analoge gibt?

Und dann ist da noch das Sensorfeld für die Fingersteuerung. Dessen Oberfläche ist so beschaffen, dass jede Berührung mit einem zarten Zucken quittiert wird. Das irritiert anfangs - und dann gewöhnt man sich daran. Wie niedlich, ein scheinbar kitzeliges Auto.

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insgesamt 71 Beiträge
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Hugh 03.10.2013
1. Ein Auto ohne Tacho?
---Zitat--- Ebenfalls neu ist der Tacho, der jetzt im Cockpit nur noch als Animation auftaucht und bei Bedarf kurzfristig für die Navikarte oder den Bordcomputer Platz macht. ---Zitatende--- Mann mann mann Opel, was habt Ihr Euch dabei gedacht. Der Tacho (und vielleicht noch die Tankanzeige) ist das Einzige was konsequent im Blickfeld des Fahrers sein muss. "Verzeihung Herr Richter ich konnte meinen Tacho nicht sehen, ich bin zu schnell gefahren, weil das bei Opel so ist" ist nun die neue Ausrede für Raser? Das Auto dürfte doch gar nicht für den Straßenverkehr zugelassen werden.
digitus_medius 03.10.2013
2. Gut dass sich der Insignia
auch in dieser Verkleidung etwas von seiner natürlichen Eleganz bewart hat. Da kann sich der unharmonisch-prollige Passat Cross ein paar Scheiben von abschneiden.
inhabitant001 03.10.2013
3. "Aktiver Lebensstil"
Also laut Opel soll man mit dem Ding irgendwie abseits befestigter Wege fahren können, um seinen "aktiven" Lebensstil" ausleben zu können. Scheinbar ist das trotz allem eine sehr saubere Angelegenheit, sonst hätte man den Kofferraum vielleicht mit abwaschbarem Hartplastik ausgekleidet statt mit Stoff. War bei Opel früher mal üblich, genauso wie Kombis mit großen Kofferräumen. Heute nicht mehr. Schade.
gg63 03.10.2013
4. ich kann es nicht mehr lesen !!!!
das ständige Gemaule über die Knöpfe. Wenn es nichts zu finden gibt, den muß über die Knöpfe gemeckert werden. Bei der Mittelkonsole der aktuellen E-Klasse, um nur ein Beispiel zu nennen, sind mindestens 30 bis 40 KNÖPFE zu erkennen, darüber meckert niemand. So langsam fällt es auf !!!
erfuhrford 03.10.2013
5. animierter Tacho
Zitat von HughMann mann mann Opel, was habt Ihr Euch dabei gedacht. Der Tacho (und vielleicht noch die Tankanzeige) ist das Einzige was konsequent im Blickfeld des Fahrers sein muss. "Verzeihung Herr Richter ich konnte meinen Tacho nicht sehen, ich bin zu schnell gefahren, weil das bei Opel so ist" ist nun die neue Ausrede für Raser? Das Auto dürfte doch gar nicht für den Straßenverkehr zugelassen werden.
So ein Quatsch! Ein animierter Tacho ist bei anderen Herstellern auch anzufinden und wird sich bald flächendeckend wiederfinden. Beim Mazda 3 z.B. wird die Geschwindigkeit nur noch als kleine digitale Anzeige im Drehzahlmesser angezeigt. Das hat was von Rennspielen aus den 80ern. Das nennt man Mode. Dabei wird natürlich drauf geachtet, dass der Monitor nicht ausfallen kann.
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