Opel Insignia Sports Tourer Raum für neue Hoffnung

Die Erwartungen sind hoch: Der Opel Insignia Sports Tourer, das Kombi-Modell der Baureihe, soll für steigende Zulassungszahlen der Rüsselsheimer Marke sorgen. SPIEGEL ONLINE ist den Hoffnungsträger bereits gefahren, der bald zwei Drittel des Insignia-Absatzes ausmachen soll.


Was für ein Jammer. Endlich baut Opel mal wieder ein gefragtes Auto, und dann richtet sich das Interesse fast ausschließlich auf den aktuellen Schuldenstand und die Frage, ob es die Marke auch Morgen noch geben wird. Schlechter also könnte das Timing kaum sein. Opel-Sprecher René Kreis hält natürlich tapfer dagegen: "Wir produzieren nicht nur Schlagzeilen, sondern auch hervorragende Autos." Der Wagen, den er damit vor allem meint, ist das Modell Insignia, an den sich die Firma klammert wie an ein Stück Treibholz.

Der kommende Kompaktwagen Astra wird erst im September auf Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt vorgestellt und das Elektroauto Ampera wird wohl auf absehbare Zeit nur ein teures Prestigeprojekt bleiben. Also muss der Insignia es jetzt richten, und das klappt bislang ganz gut. Das von der Fachpresse zum "Auto des Jahres" gekürte Mittelklassemodell gefällt nämlich den Kunden. Bereits 75.000 Bestellungen, so heißt es bei Opel, lägen für das Flaggschiff der Marke vor. Im Werk Rüsselsheim sind derzeit sogar Sonderschichten für den Insignia nötig.

Demnächst könnten die gebeutelten Opelaner sogar noch mehr Arbeit bekommen. Denn nach Fließheck und Limousine geht in diesen Tagen für einen Aufpreis von 900 Euro die dritte und mit Abstand wichtigste Modellvariante an den Start: der Kombi. Die großen Autos mit dem Extra-Laderaum haben bei Opel seit 1953 Tradition, als die Hessen das Segment mit dem Olympia Rekord mitbegründeten. Beim Vorgängermodell Vectra entfielen auf die Kombi-Variante knapp zwei Drittel der Zulassungen.

Neupositionierung des Kombimodells als Sports Tourer

Nun bläst Opel mit dem Modellwechsel den Staub aus dem Segment, positioniert den Lademeister als Lifestyle-Laster und macht das mit einem neuen Namen deutlich. Die Bezeichnung vor mehr als 50 Jahren eingeführte Bezeichnung Caravan leitet sich aus den englischen Worten "Car and Van" und bezeichente hauptsächlich Autos für Gewerbetreibende. Ab sofort ersetzt der Begriff Sports Tourer den alten Begriff. Erwünscht sind ähnliche Assoziationen wie in den siebziger Jahren, als Kombis von Opel vorübergehend den Beinamen Voyage trugen. Aus dem einstigen Handwerkerauto ist ein Familienwagen geworden mit dem auch eine Reise in den Urlaub möglich war. Waren Kombikäufer in fünfziger und sechziger Jahren nur zu rund 20 Prozent Privatleute, liegt dieser Anteil heute bei etwa 90 Prozent, sagt Marketingchef Volker Brien.

Daher war den Designern diesmal die Form wichtiger war als die Funktion. Obwohl der deutlich eleganter gezeichnete Sports Tourer gegenüber der Limousine um acht Zentimeter in die Länge gestreckt wurde, bietet er kaum mehr Stauraum als der kleinere, kantigere Vorgänger Vectra Caravan. Nur zehn Liter zusätzliches Volumen haben die Hessen gewonnen, wenn die Rückbank aufrecht steht und die Gepäckraumabdeckung geschlossen ist. Wer bis unters Dach einlädt, muss gegenüber dem Vectra sogar Einbußen hinnehmen. Insgesamt aber reicht es mit einem Fassungsvermögen von 540 bis 1530 Liter (bei umgeklappten Rücksitzlehnen) und einer Ladelänge von 1,91 Meter für einen soliden Platz im Kombi-Mittelfeld.

Zwei neue Motoren für die Mittelklasse-Baureihe

Parallel zum Sports Tourer führt Opel für alle Karosserie-Varianten auch zwei neue Motoren ein, die dem Downsizing-Trend folgen und deutlich sparsamer sind als die bisherigen Triebwerke. Statt des alten V6-Diesels gibt es nun als Top-Selbstzünder einen zwei Liter großen Vierzylinder mit Doppelturbo, der es auf 190 PS und 400 Nm bringt. Das ist auf der Straße aber lange nicht so imposant wie es im Prospekt klingt: 8,9 Sekunden von 0 auf 100 sind kein Bestwert, eine Höchstgeschwindigkeit ist von 219 km/h nur Durchschnitt, und ein wenig zu aufdringlich klingt der Motor obendrein. Immerhin liegt der Durchschnittsverbrauch bei erfreulichen 6,9 Litern.

Zweite Motoren-Neuheit ist der 1,6-Liter-Turbo-Benziner, der mit 180 PS, 230 Nm und einem Verbrauch von 7,9 Litern punktet. Damit gibt es nun schon neun Motoren für die Insignia-Baureihe. "Und wir haben noch ein paar Pfeile im Köcher", sagt Opel-Chefentwickler Volker Scharf. Einer davon ist die Version Ecoflex mit einem 160 PS starken Diesel, deren CO2-Ausstoß die Entwickler bis zum Sommer unter 140 g/km drücken wollen. Und ein weiterer ist das für den Herbst avisierte Sportmodell OPC, das mit mehr als 300 PS antreten soll.

Opel braucht dringend Autos wie den Insignia

Welchen Motor man auch wählt, der Sports Tourer macht auf der Straße eine gute Figur: Das Fahrwerk ist angenehm straff und bestimmt und die Straßenlage vermittelt ein sicheres, solides Gefühl. Auch das aufpreispflichtige Flex-Ride-Fahrwerk ist empfehlenswert, weil man damit spürbar den Charakter des Wagens verändern kann. Eben noch gemütliche Familienkutsche für die Fahrt in den Urlaub, wird der Wagen auf Knopfdruck zum Expresstransporter.

Der Erfolg des Insignia und die erste Testfahrt mit dem Kombi zeigen: Gute Produkte sind für die Zukunft unabdingbar. Und ein bisschen gute Stimmung kann auch nicht schaden. Selbst wenn es Zufall war, hätte die Musikauswahl zur Präsentation des Hoffnungsträgers kaum besser sein können: Als das Publikum eintrudelte, schallte aus den Boxen der alte Bee Gees-Hit "Stayin' Alive".



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