Opel OPC Corsa Karacho

Für das Opel Performance Center ist die Nordschleife das Maß der Dinge. Doch auch wenn sie nicht in der Eifel sind, sollen sich Opel-Fahrer wie Rennfahrer fühlen dürfen. Deshalb wurden 1999 die OPC-Modelle aufgelegt. Ein Corsa mit 192 PS rundet die Palette nun ab.

Für Manuel Reuter sind die Testfahrten auf der Nordschleife ein Muss: "Ein Auto, das hier besteht, kann auch im Alltag nichts mehr umwerfen." Und Reuter muss es wissen. Schließlich ist der ehemalige Rennfahrer nicht nur in einigen Disziplinen Rekordhalter auf dem legendären Rundkurs in der Eifel, sondern als "Markenbotschafter" von Opel auch Entwicklungspartner des Opel Performance Centers (OPC) und deshalb fast wöchentlich auf Abstimmungsfahrten in der "Grünen Hölle" unterwegs.

Diesmal galt die Aufmerksamkeit dem neuen Corsa, der im werkseigenen Fitnessstudio zum "stärksten Corsa aller Zeiten" wurde: 192 PS machen aus dem im letzten Herbst eingeführten und seitdem 150.000 Mal verkauften Kleinwagen einen Corsa Karacho, der schon auf dem Weg zum Bäcker manchen Adrenalinschub auslösen kann. "Denn wo OPC draufsteht, ist auch ein Sportwagen drin", sagt Reuter und verweist auf respektable Fahrleistungen, die man dem Kleinwagen nicht zugetraut hätte: Nur 7,2 Sekunden vergehen, dann steht die Nadel bei Tempo 100, den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h schafft der Dreitürer in 6,7 Sekunden und vorbei ist der Spaß erst bei 225 km/h.

Damit ist der Corsa OPC schneller als die meisten Autos in der Klasse darüber. Im Kreis der kleinen Krawallschachteln kann ihm deshalb kaum ein Konkurrent das Wasser reichen: Der Fiesta ST bringt es nur auf 150 PS, der Peugeot 207 RC schafft 175 und der Polo GTI in der Cup Edition 180 PS. Stärker ist nur der Clio Sport, der mit 197 PS in der Liste steht.

Aufs Treppchen hilft dem Corsa OPC ein aufgeladener 1,6-Liter mit 230 und kurzfristig sogar 266 NM, den Opel auch im Meriva OPC einsetzt. Dort allerdings müssen sich die Kunden mit 180 PS begnügen. Natürlich passt so ein Auto nicht gerade in die Zeit, wenn alle Welt über CO2-Ziele diskutiert und plötzlich sogar wieder die Rede von einem Tempolimit ist. Doch für Opel-Chef Hans Demant hat selbst der Bonsai-Bolide Vorbildfunktion. "Es stimmt schon: Einen Durchschnittsverbrauch von 7,9 Liter und einen CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer kann man schwer als sparsam bezeichnen", gesteht er ein. "Aber früher hätten wir für so viel Leistung 2,0 oder mehr Liter Haubraum benötigt und dafür einen höheren Verbrauch ausweisen müssen", rechtfertigt er den grünen Hauch an der im OPC-typischen Ardenblau lackierten Rennsemmel.

Frech wie Oskar

Dass dieser Corsa kein gewöhnlicher Kleinwagen ist, sieht man sofort: "Wir wollten den ohnehin schon frechen Corsa noch viel dynamischer gestalten" erläutert OPC-Designer Ulli Hochmuth und feiert das Dreieck als alles bestimmendes Element. Dieses Dreieck ziert den dunklen Wabengrill im neuen Gesicht ebenso wie die Nebelscheinwerfer in der näher an die Straße gerückten Frontschürze mit den mächtigen Nüstern.

Es findet sich im Fuß der aerodynamisch optimierten Außenspiegel, im Muster der 17 Zoll großen Aluräder, in den Gumminoppen auf den Alupedalen - und vor allem in der Blende um den in die Mitte gerückten Sportauspuff, den der Corsa OPC frech wie Oskar jedem Verlierer im Ampelduell zeigt. Außerdem spinnen die Designer den Faden einer subversiven Idee weiter: Nachdem sie dem Serienmodell einen Haifisch ins Handschuhfach gezeichnet haben, gibt es jetzt an der Heckschürze auch die passenden Kiemen dazu.

Wie üblich bleibt es nicht beim stärkeren Motor und dem verschärften Blechkleid, das jeden Muskel einzeln zu betonen scheint. Sondern es gibt auch ein sportliches Interieur mit einem eigenen OPC-Cockpit, ein griffgünstiges Lenkrad, das wie im Tourenwagen unten abgeflacht ist und oben eine Mittenmarkierung bekommt, und straffe Sitze mit gutem Seitenhalt, die trotz der Schalenkonstruktion umgeklappt werden können und Seitenairbags enthalten. "Diese Kombination bietet bislang kein anderer", sagt Corsa-Ingenieur Dieter Metz.

Außerdem haben die Techniker unter der Vorgabe "Agilität und Beherrschbarkeit" intensiv am Fahrwerk gefeilt, berichtet Metz und zählt die Änderungen auf: 15 Millimeter weniger Bodenfreiheit, härtere Drehstäbe, strammere Federn und Dämpfer, ein toleranteres ESP, eine direktere Lenkung und schärfere Bremsen sind es, die den Corsa OPC wie einen Gokart durch die Hütchengasse schießen lassen und den Weg zur Arbeit gelegentlich zur Rennstrecke machen können.

Doch was nutzt das sportlichste Auto, wenn die Fahrer das Potenzial nicht zu nutzen wissen. Deshalb kümmert sich OPC-Botschafter Reuter auch darum, dass der Mensch zur Maschine passt und bittet regelmäßig zum Training auf das Opel-Testgelände. Und damit nicht genug: "Weil Casting-Shows ja gerade furchtbar modern sind, haben wir uns etwas ähnliches ausgedacht." Nur castet er keine Sänger oder Models, sondern Rennfahrer. Im Internet haben sich im Race Camp bereits 17.000 Kandidaten auf die acht Start- und zwei Reserveplätze für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring beworben. Gut, dass die nicht alle auch einen OPC bestellen – sonst kämen die Ingenieure in ihrem eigenen Kraftstudio kräftig ins Schwitzen.

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