Opel Speedster Unterm Radar

Opels Spezialität waren bislang Brot-und-Butter-Autos: Corsa, Astra, Vectra - solide, vernünftige Autos, nicht immer ohne Qualitätsprobleme, aber immer einen Tick zu langweilig gestylt. Bis der Speedster kam.

Von Frank Wald


Was die Rüsselsheimer am 10. März in die Schauräume fahren, ist der absolute Kontrast zum übrigen Modellprogramm. Eine kompromisslose Fahrmaschine, polarisierend im Design, spartanisch in der Ausstattung und unvernünftig im Preis. Ein Motor mit vier Rädern dran und einer Plastikhülle drum herum.

Opel Speedster: Ein Motor mit vier Rädern dran und einer Plastikhülle drum herum

Opel Speedster: Ein Motor mit vier Rädern dran und einer Plastikhülle drum herum

Der Speedster ist Opels erstes Serienauto mit Mittelmotor, Aluminiumchassis und Kunststoffkarosserie, bei dessen Gestaltung sich die Designer sogar, wie es im Pressetext heißt, "vom Stealth-Tarnkappenbomber inspirieren ließen". Ob der nur 1,11 Meter niedrige Zweisitzer mit seinen verwinkelten Flächen, kantig-eckigen Kotflügeln, und den dreidimensionalen Frontscheinwerfer und Heckleuchten auch unter dem Polizei-Radar durchhuschen kann, konnten wir nach unseren ersten Tests nicht bestätigen.

Dafür aber die sportlichen Qualitäten. Und die beginnen schon beim Einsteigen. Denn nur mit einigen Turnübungen und etwas Routine gelangt man über die hohen Seitenschweller in den Innenraum des Speedsters. (Über den Ausstieg macht man sich besser erst gar keine Gedanken). Die so gut wie ungepolsterten Sitzschalen sind so eng gesetzt, dass man darauf achten muss, den Schaltknüppel nicht mit dem Knie des Nachbarn zu verwechseln. Gleiches gilt für die Pedalerie, die nicht allzu breites Schuhwerk verträgt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Speedster
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Vierzylinder-Benziner
Hubraum: 2.198 ccm
Leistung: 147 PS (108 kW)
Drehmoment: 203 Nm
Von 0 auf 100: 5,9 s
Höchstgeschw.: 217 km/h
Verbrauch (ECE): 8,5 Liter
CO2-Ausstoß: 201 g/km
Kraftstoff: Super
Kofferraum: 206 Liter
Preis: 30.672 EUR
Der Innenraum glänzt in Aluminium. Anders als beim Audi TT allerdings, wurde das Innenraum-Design beim Speedster nicht konsequent zu Ende geführt. Astra-Lenkradhebel und -Bedienknöpfe sowie billig wirkendes Plastik hier und da trüben das insgesamt sportliche Gesamtbild. Auf Servolenkung, ABS, ESP, Klimaanlage oder anderen Komfort-Klimbim muss man bei dem Wagen verzichten.

Dafür nicht auf den Fahrspaß. Der beginnt mit einem Druck auf den Starterknopf, mit dem der 2,2-Liter-Motor zum Leben erwacht. Das Leichtmetall-Triebwerk, das Opel auch im neuen Astra Cabrio einsetzt, ist deutlich hörbar und durch eine Glasscheibe sichtbar (Ferrari lässt grüßen) hinter den Sitzen eingebaut. Es leistet 147 PS und lässt den nur 870 Kilo leichten Roadster in 5,9 Sekunden aus dem Stand an die 100-Kilometer-Marke stürmen. Auf der Autobahn soll auch ein Spitzentempo von 217 km/h drin sein.

Doch auf der brettharten Federung übersteht man diesen Galopp nicht ohne Rückenschäden. Der Speedster ist mehr ein Kart-Mobil für die Landstraße. Das knackige Fahrwerk und die direkte Lenkung gieren nach kurvenreichen Strecken. Im öffentlichen Wedelparcours gibt er sich dabei für einen Mittelmotor-Sportwagen mit Hinterradantrieb erstaunlich spurstabil und gutmütig.

Der Preis für Speedster-Fahrspaß ist allerdings hoch. 59900 Mark verlangt Opel dafür. Ebenso exklusiv soll die Gemeinde der Besitzer bleiben. Von den 3000 Einheiten, die pro Jahr bei Lotus Cars in England gebaut werden, kommen gerade 1000 aufs deutsche Festland. Und die ersten 800 für dieses Jahr sind schon weg. Zeit zum Sparen bleibt also genug.



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